Erinnerungen an 2016: DHB-Team will zurück in den "Bad-Boys"-Modus

Hendrik Pekeler (Deutschland) beim EM Qualifikationsspiel Deutschland gegen Polen der Männer

Handball-EM

Erinnerungen an 2016: DHB-Team will zurück in den "Bad-Boys"-Modus

Von Niklas Schenk

Heute startet die Handball-EM in Norwegen, Schweden und Österreich. Die deutschen Handballer ziehen vor dem Turnier selbst den Vergleich zu den legendären "Bad Boys". Diese waren 2016 Europameister geworden. Vier Jahre später träumt das DHB-Team von der nächsten Überraschung.

Die Parallelen sind offensichtlich: Wie schon 2016 fallen auch bei dieser EM im deutschen Handballteam viele Spieler aus, vor allem im Rückraum. Und: Erneut zählen die deutschen Handballer nicht zu den Topfavoriten. "Das ist sehr ähnlich. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass es genauso läuft wie damals. Es gehört viel Arbeit und auch ein bisschen Glück dazu", sagt Kreisläufer Hendrik Pekeler, der auch 2016 als Teil der "Bad Boys" schon dabei war.

Zwangsläufige Verjüngungskur

"Ich spüre, dass in der Mannschaft der Bock, diese Lust, diese Geilheit auf ein gutes Turnier definitiv vorhanden ist", sagt Torhüter Andreas Wolff, 2016 das Gesicht des deutschen Überraschungscoups. Die vielen Ausfälle will das Team zur Stärke machen: So fand die Verjüngungskur zwangsläufig statt. Im Team stehen nun neben Routiniers auch Spieler, die erst sehr wenige Länderspiele gemacht haben. Die Erwartungshaltung ist dadurch nicht ganz so hoch wie bei vergangenen Turnieren. Olympiasieger und Weltmeister Dänemark gilt als Topfavorit, auch Frankreich oder Norwegen werden höher eingeschätzt als das deutsche Team.

Deutschland hofft auf positiven Turnierstart gegen die Niederlande

Sportschau 09.01.2020 01:43 Min. Verfügbar bis 09.01.2021 ARD Von Thosten vom Wege

Die Auslosung hat die deutsche Mannschaft in die vermeintlich leichtere Hälfte des Tableaus gespült. Erstmals gibt es bei der EM sechs statt bisher vier Vorrundengruppen, da das Teilnehmerfeld auf 24 Mannschaften aufgestockt wurde. Deutschland trifft in der Vorrunde zwar auf Titelverteidiger Spanien, hat ansonsten aber mit der Niederlande und Lettland zwei EM-Debütanten und machbare Gegner erwischt. In der Hauptrunde könnten die Deutschen auf Kroatien oder Österreich treffen. Dänemark, Norwegen, Frankreich oder Schweden würden jedoch frühestens im Halbfinale warten.

Mimimalziel Podium

Da nun noch mehr Nationen am Start sind, muss der spätere Europameister neun Spiele in zweieinhalb Wochen bestreiten. Da ist es umso wichtiger, in manchen Spielen Kräfte sparen zu können. Der DHB hat sich deshalb einiges einfallen lassen: Mit der Mannschaft ist auch ein eigener Koch bei der EM dabei. Geflogen ist das Team mit einem Charter, um im Linienflug nicht einen Zwischenstopp einlegen zu müssen. Vor dem Abflug gab es in Wien zudem noch eine Teamsitzung - ein Psychologe war ebenfalls eingeladen, um das Team zusätzlich zu motivieren.

Das Podium hat der DHB als Mindestziel ausgegeben: Platz drei oder mehr soll es schon sein. Bei einem Turniersieg wäre Deutschland als Europameister automatisch auch für Olympia qualifiziert. Spielerisch ist das deutsche Team ganz hinten und ganz vorne besonders gut aufgestellt. Die deutschen Torhüter machten schon in den Testspielen einen guten Eindruck, vor allem Rückkehrer Johannes Bitter. Am Kreis hat Bundestrainer Christian Prokop mit Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Jannik Kohlbacher die Qual der Wahl und gleich mehrere Weltklassespieler in seinem Team.

Handball-EM: Deutschland vor Pflichtaufgabe gegen die Niederlande Morgenmagazin 09.01.2020 01:33 Min. Verfügbar bis 09.01.2021 Das Erste

Die Finalspiele dieser paneuropäischen EM, die in Norwegen, Österreich und Schweden ausgetragen wird, finden allesamt im schwedischen Stockholm statt. In die Stockholmer Arena passen 22.000 Zuschauer. Sollte das Stadion ausverkauft sein, wäre das ein neuer EM-Zuschauerrekord. Eine Hexenkessel-Atmosphäre - damit ist die DHB-Auswahl in der Vergangenheit immer gut klargekommen. Sollten sich Schweden oder Dänemark für die Endspiele qualifizieren, wäre ein Großteil der Zuschauer wohl für die Ausrichter-Teams. Aber das sollte für wiedererwachte "Bad Boys" doch nur eine zusätzliche Motivation sein...

sid, dpa | Stand: 08.01.2020, 11:21

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