Handball-EM: Norwegen jetzt Top-Favorit auf den Titel

Bislang bester EM-Torschütze: Sander Sagosen aus Norwegen

Favoritencheck vor EM-Halbfinale

Handball-EM: Norwegen jetzt Top-Favorit auf den Titel

Von Jens Mickler

Der Titelverteidiger ist noch im Rennen ebenso wie der Vize-Weltmeister und auch der Geheimtipp. Norwegen gegen Kroatien und Spanien gegen Slowenien - die Halbfinalisten der Handball-Europameisterschaft im Favoritencheck.

Norwegen (Halbfinale 1)

Die Norweger haben als einziges Team alle ihre sieben Spiele bei dieser Europameisterschaft gewonnen - kein anderes Team trat überzeugender auf als die Skandinavier, die in Sander Sagosen zudem den herausragenden Spieler in ihren Reihen haben. Der künftige Kieler führt mit 51 Toren die Torjägerliste dieser Europameisterschaft an. Zudem lieferte der 24-Jährige 39 Vorlagen, ebenfalls ein Top-Wert.

Die Mannschaft von Nationaltrainer Christian Berge gilt auch in der Breite als am besten besetztes Team bei diesem Turnier. Nach den Vizetiteln bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften 2017 und 2019 scheint der Co-Gastgeber nun bereit für den ersten großen Triumph.

Kroatien (Halbfinale 1)

Die Kroaten sind ein alter Bekannter in der Runde der letzten Vier. Zum 19. Mal stehen sie im Halbfinale eines großen Turniers - so oft wie kein anderes Team. Zehnmal führte sie dabei der alte Trainer-Haudegen Lino Cervar in die Vorschlussrunde. Zum Ende seiner Nationalmannschaftskarriere wollen seine Spieler ihn nun mit einem Topresultat beschenken.

Ein Sieg über Norwegen wäre aber schon eine dicke Überraschung, zumal selbst der diesjährige Halbfinal-Einzug nicht unbedingt erwartet worden war. Viele hatten eher Deutschland an Kroatiens Stelle gesehen. "Für uns ist es jetzt schon ein geiles Turnier", sagte Kroatiens Topstar Domagoj Duvnjak. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe für den Gastgeber der EM 2018.

Spanien (Halbfinale 2)

Die Spanier sind ebenfalls ein alter Bekannter, wenn es bei Großturnieren ums Eingemachte geht. Spanien erreichte 17 Mal das Halbfinale bei einer EM, WM oder Olympischen Spielen. Diesmal stellt die Mannschaft von Trainer Jordi Ribeira das älteste Team bei dieser Europameister mit Oldies wie Raul Entrerrios, 38 Jahre alt, und Julen Aguinagalde, 37 Jahre alt.

Reicht es für den Titelverteidiger erneut zum großen Wurf? So überzeugend wie Mitfavorit Norwegen trat Spanien bislang nicht auf. Zumindest darf sich das routinierte Team mit dem besten Torhütergespann schmücken. Gonzalo Perez de Vargas und Rodrigo Corrales Rodal entschärften 35 Prozent bzw. 34 Prozent aller Würfe - beides sehr gute Werte und unerreicht als Duo bei dieser EM. Zudem bewiesen die Iberer, dass sie beide Abwehrsysteme glänzend beherrschen. Auf einen heißen Tanz gegen die hungrigen Slowenen wird sich Spanien in jedem Fall aber einstellen müssen.

Slowenien (Halbfinale 2)

Der Geheimfavorit hat geliefert. Slowenien war vor dem Turnier hoch gehandelt worden, deshalb ist der Einzug in die Runde der letzten Vier nicht ganz so überraschend. Slowenen überzeugte ohne Punktverlust in der Vorrunde. In der Hauptrunde gab es dann die erwartbare Niederlage gegen Norwegen sowie den Ausrutscher gegen Ungarn. Es reichte dennoch für das Halbfinale und damit das beste Ergebnis der Slowenen seit 2004.

Es zeigte sich, dass die Slowenen äußerst unangenehm zu spielen sind. Sie haben zudem in Lubomir Vranjes einen ausgebufften Trainer, der sich für das Match gegen Spanien den passenden Plan zurechtgelegt haben wird. Die Slowenen sind jedenfalls nicht traurig, dass es nun gegen Spanien geht. "Wenn ich wählen könnte, würde ich es vorziehen, gegen Spanien anstatt gegen Kroatien zu spielen", hatte Rückraumwerfer Borut Mackovsek nach der Hauptrunde gesagt.

Stand: 24.01.2020, 11:58

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