Gemischte Gefühle im letzten Hauptrundenspiel

Handball-EM: Tschechien gegen Deutschland - die Zusammenfassung Sportschau 22.01.2020 01:33 Min. Verfügbar bis 22.01.2021 Das Erste

Handball-EM

Gemischte Gefühle im letzten Hauptrundenspiel

Von Robin Tillenburg (Wien)

Bundestrainer Christian Prokop wollte das letzte EM-Hauptrundenspiel gegen Tschechien nutzen, um einigen Spielern die Chance zu geben, Selbstvertrauen zu tanken und sich weiter einzuspielen. Das gelang beim 26:22 (13:10) am Mittwochabend (22.01.2020) nicht flächendeckend. Richtig schlecht lief es aber auch nicht.

Prokop begann auf der linken Seite mit Uwe Gensheimer und Julius Kühn. Gensheimer, der Kapitän, der im Turnier nicht konstant das Niveau abrufen konnte, das man von ihm gewohnt ist. Und Kühn, auf dem im Rückraum aufgrund seiner Wurfgewalt große Hoffnungen ruhten, die er aber ebenfalls nicht dauerhaft erfüllen konnte, und der in der Schlussphase gegen Kroatien unglückliche Szenen hatte. Gegen Tschechien sollten beide nochmal die Gelegenheit erhalten, Erfolgserlebnisse zu sammeln.

Gensheimer und Kühn noch nicht mit Fortune

Das Ergebnis: Gensheimer vergab beide Wurfgelegenheiten aus guten Positionen und wurde dann später durch Patrick Zieker ersetzt, der ebenfalls Minuten sammeln sollte. Immerhin: Seine Sicherheit vom Siebenmeterpunkt war bei seinem Strafwurf im zweiten Durchgang wieder da.

Kühn traf zwei seiner vier Würfe, wirkte teilweise in seinen Entscheidungen noch zögerlich, war sichtbar im Kopf mit der eigenen Leistung beschäftigt. Ein Shooter, der überlegt und hadert, dabei aber eigentlich aufs Tor gehen soll. Das ist nicht optimal, aber eben menschlich nachvollziehbar. Es ist eben auch noch nicht lange her, dass Kühn aus einer langen Verletzungspause zurückgekehrt ist. Nachvollziehbar war auch, dass Prokop ihm diese Gelegenheit geben wollte, sich freizuspielen. Das lief nur nicht so wie erhofft.

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Auch auf der rechten Seite Licht und Schatten

Auch Kai Häfner sollte Leistungsträger in diesem Turnier sein, als einer der erfahrensten Rückraumspieler. Er bekam vom Bundestrainer gegen die Tschechen auch nochmal richtig viel Spielzeit, steigerte sich im Spiel deutlich, war aber gerade in den ersten 30 Minuten auch nicht überzeugend.

Tobias Reichmann, auch wenn er seine beiden Siebenmeter ungewohnterweise vergab, spielte etwa eine Dreiviertelstunde auf Rechtsaußen, hatte einige wirklich gute Szenen und wirkte auch trotz der sportlich bedeutungslosen Partie hochmotiviert.

Michalczik hat erste Erfolgserlebnisse

Marian Michalczik, zuvor noch der einzige Feldspieler im deutschen Kader ohne EM-Tor und vor der Partie für den angeschlagenen Patrick Wiencek wieder ins Aufgebot gerückt, zeigte nach kurzer Nervosität im Angriff ein paar schöne Anspiele, traf auch einmal selbst und bekam in der Abwehr die Chance, mit Johannes Golla einen potenziellen Innenblock der Zukunft zu bilden. Durchaus solide.

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Die Liste ließe sich fortführen. Von den Spielern, die Erfolgserlebnisse dringend benötigten (und gegen Tschechien auch eingesetzt wurden), hatten eigentlich alle Licht und Schatten - in unterschiedlicher Ausprägung. Ein echtes Freispielen erfolgte bei keinem von ihnen, weil die Chancenverwertung nicht gut genug war. Ein Sieg, der trotz fehlender Deutlichkeit im Ergebnis, nie wirklich gefährdet wirkte, sprang trotzdem heraus.

Weber im Rückraum erneut mit viel Dynamik

Die Spieler, die in Sachen Selbstvertrauen im Laufe dieses Turniers eher zugelegt haben, nämlich vor allem Philipp Weber und Johannes Bitter (Timo Kastening spielte ja nur kurz), waren erneut gut aufgelegt. Hendrik Pekeler ebenfalls, der aber gerade nach seiner plötzlichen Einwechslung nach der dritten Zeitstrafe gegen Johannes Golla gerade auf dem Weg von der Bank weg und zur Bank hin sichtbar weiterhin Achillessehnenprobleme hatte.

Keine große Herrlichkeit - aber doch noch ein ordentliches Turnier?

Was macht man nun mit dieser Partie? Die DHB-Auswahl erfüllte ihre Pflicht, nahm das Spiel sportlich ernst genug, um es erfolgreich zu bestreiten und tat das dann auch, aber eben auch nicht mehr. Vielleicht wäre es aber in dieser Konstellation und nach diesem Turnierverlauf auch vermessen, die große Herrlichkeit zu erwarten.

Positiv war: Prokop konnte an der ein oder anderen Stelle etwas ausprobieren, hier und da Akteure ein bisschen schonen und gewann letztendlich mit seinem Team drei der vier in der Hauptrunde ausgetragenen Partien souverän. Wenn jetzt das Spiel um Platz fünf gegen die Portugiesen noch gut läuft, kann man nach dem verpatzten Start am Ende doch noch von einem insgesamt ordentlichen Turnier sprechen. Damit hätte man ja vor etwas über einer Woche nicht unbedingt mehr rechnen können.

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Gruppe 1

Mittwoch, 22.01.2020 | 20.30 Uhr

Flagge Tschechien

Tschechien

Galia (1), Mrkva – Kasparek (3), Mubenzem (1), Babak (5), Becvar (2), Patzel, Zdrahala (2/1), Horak, Solak – Cip (1), Jurka (1), Hrstka (2/1), Vanco – Slachta (1), Zeman (3)

22
Flagge Deutschland

Deutschland

Bitter, Wolff – K. Häfner (4), D. Schmidt, Böhm (1), Drux, Kühn (2), Michalczik, Ph. Weber (5) – Kastening (1), Reichmann (4), Gensheimer (1/1), Zieker (2) – Golla (2), Kohlbacher (2), Pekeler (2)

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Fakten und Zahlen zum Spiel

Tschechien Deutschland
Siebenmeter 3 Würfe, 2 Treffer 3 Würfe, 1 Treffer
Strafminuten 16 Min. 12 Min.

Zuschauer:

  • 5.000

Schiedsrichter:

  • Pavicevic (Montenegro), Raznatovic (Montenegro)

Stand der Statistik: Mittwoch, 22.01.2020, 22:19 Uhr

Stand: 22.01.2020, 22:53

Darstellung: