Das DHB-Team und das Vertrauen in die eigenen Stärken

Jannik Kohlbacher beim Wurf

Nach der Partie gegen die Niederlande

Das DHB-Team und das Vertrauen in die eigenen Stärken

Von Robin Tillenburg (Trondheim)

Die deutschen Handballer haben sich in der Partie gegen die Niederlande zwischenzeitlich etwas verunsichern lassen, ehe sie sich auf ihre eigentlichen Stärken besannen.

Alle drei Kreisläufer des DHB-Teams gehören zur Weltspitze. Jannik Kohlbacher ist mit seiner explosiven Drehung und seiner Physis einer der am schwersten zu deckenden Kreisläufer überhaupt - so gut wie nie passiert es, dass ein Spieler ihn allein halten kann. Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek sind aufgrund ihrer Defensivqualitäten ohnehin über jeden Zweifel erhaben, sind aber eben auch im Angriff exzellent.

Bruch nach der Roten Karte

Dennoch gelangen der deutschen Mannschaft gegen die Niederlande im ersten Durchgang nur zwei Tore von dieser Position. Das ist umso erstaunlicher, weil die Niederländer nach der Roten Karte gegen Uwe Gensheimer nach einer guten Viertelstunde ihre Deckung offensiver einstellten. Eigentlich ein Paradies für Teams mit guten Kreisläufern.

Rot für Uwe Gensheimer - die Hintergründe und Folgen Sportschau 09.01.2020 02:07 Min. Verfügbar bis 09.01.2021 Das Erste

Doch entweder, weil ihr Kapitän plötzlich nicht mehr dabei war, oder weil diese extrem offensive Deckungsformation des Gegners sie auf dem falschen Fuß erwischte, oder eben auch einfach, weil sie aufgrund der vielen Ausfälle und Neulinge noch nicht so gefestigt ist - die Mannschaft verlor beim Stande von 10:5 plötzlich die eigene Linie.

Falsche Entscheidungen und zu viel Isolation

Sie leistete sich mehrere leichte Fehler, suchte die Kreisläufer, ohne die Situation durch eigenen Druck vorzubereiten, erzwang Aktionen durch die Mitte, anstatt den Ball weiterzuspielen.

Warum der Bruch? Klein und Bommes analysieren Deutschlands Auftaktsieg Sportschau 09.01.2020 20:25 Min. Verfügbar bis 09.01.2021 Das Erste

Auch wenn die Deutschen den Niederländern individuell überlegen waren, ist das reine Eins-gegen-Eins nicht das, was Prokop von seinem Team will, und auch nicht das Rezept, mit dem die Mannschaft gegen Topteams wie Spanien bestehen kann.

Der zweite Anzug braucht noch Zeit

Sicherlich spielte da auch eine Rolle, dass in dieser Phase in David Schmidt und Marian Michalczik gleich zwei noch sehr unerfahrene Spieler im Rückraum agierten, die noch nicht die Ruhe und auch im System der Mannschaft noch nicht die nötige Routine haben.

Handball - Prokop: "Haben verschiedene Stresssituationen bestanden" Sportschau 09.01.2020 06:15 Min. Verfügbar bis 09.01.2021 Das Erste

Mit der Halbzeitansprache von Bundestrainer Christian Prokop und der Rückkehr von Kai Häfner ins Spiel änderte sich das wieder. Wenn Schmidt oder Michalczik alleine im Rückraum agierten, spielten sie ordentlich, waren sie gleichzeitig auf dem Feld, fehlte es dem Angriffsspiel an Struktur.

Häfner liefert die ordnende Hand

Kai Häfner (M) gegen Ephraim Jerry (l) und Samir Benghamen aus den Niederlanden

Kai Häfner (M) gegen Ephraim Jerry (l) und Samir Benghamen aus den Niederlanden

Die brachte Häfner zurück. Von der halbrechten Position strahlte er große Gefahr aus, leistete sich bei fünf Versuchen keinen Fehlwurf und hatte eben auch im Zusammenspiel mit Kohlbacher gegen die offensive Abwehr die nötige Übersicht. Fünf Assists lieferte der 30-Jährige, der hinter dem international aber noch nicht so erfahrenen Fabian Böhm auch der älteste Rückraumspieler im Kader ist, in den zweiten 30 Minuten.

Auch die Defensive steigerte sich in der zweiten Halbzeit und rannte gegen die quirligen Rückraumspieler nicht mehr so weit heraus, sondern verschob tiefer. Ballgewinne und gegnerische Fehler waren die Folge.

Lerneffekt schon gegen Spanien?

Insgesamt darf ein Bruch, wie er nach der ersten Viertelstunde entstand, gegen starke Gegner wie Spanien (11.01.2020, live im Ersten und auf sportschau.de) nicht passieren. Doch die Tatsache, dass Prokop und die Mannschaft sich mit den richtigen Kniffen wieder in die Spur bringen konnten, zeigt, dass die Mannschaft sich der eigenen Stärken und Spielidee durchaus bewusst ist.

Das führte letztendlich auch zu einem Sieg mit elf Toren Abstand und möglicherweise auch zu einem wichtigen Lerneffekt - ein Turnier kann schlechter starten.

Stand: 09.01.2020, 21:57

Darstellung: