Die deutschen Handballer und das große "Wenn"

Julius Kühn

Erste Hauptrundenpartie gegen Weißrussland

Die deutschen Handballer und das große "Wenn"

Nach der sportlich überschaubaren Vorrunde haben die deutschen Handballer für das erste EM-Hauptrundenspiel gegen Weißrussland den Neustart ausgerufen. Eine Niederlage am Donnerstag (20.15 Uhr im Livestream und Liveticker bei sportschau.de) in der Wiener Stadthalle wäre fast schon gleichbedeutend mit dem Aus aller Halbfinalträume. Das Team des Deutschen Handballbundes (DHB) gibt sich selbstbewusst - doch im Hintergrund lauert das große "Wenn".

"Wenn wir das abrufen können, was wir draufhaben, sind wir von der Qualität deutlich besser", erklärte Rückraumspieler Julius Kühn bei der Pressekonferenz am Mittwoch (15.01.2020) mit Blick auf den kommenden Gegner.

"Wenn wir nah an unser Optimum kommen, sind wir in der Lage, jedes Team zu schlagen", hatte DHB-Sportdirektor Axel Kromer Minuten zuvor verkündet. Beide Aussagen sind sicher richtig. Aber eine Garantie dafür, dass die deutschen Männer zur rechten Zeit den Kopf freibekommen, sind sie nicht.

Lösungen in allen Mannschaftsteilen gesucht

Fakt ist: Die deutsche Mannschaft muss schleunigst in allen Mannschaftsteilen Lösungen finden, soll die Europameisterschaft für sie ein zufriedenstellendes Ende finden.

"Die Abwehr muss wieder ihr WM-Niveau erreichen und die Torhüter müssen stabiler werden. Dazu wollen wir ein schnelleres und disziplinierteres Angriffsspiel hinbekommen", umriss Coach Christian Prokop die Aufgaben, die schon in der Partie gegen die Weißrussen gelöst werden müssen, und verkündete das Motto für die Hauptrunde: "Wenn wir uns als Team verbessern, werden wir eine kontinuierlich stärkere Leistung bieten. Dann werden wir in unseren Flow kommen." Da war es wieder, das "Wenn".

Kapitän Uwe Gensheimer betonte die Zuversicht, nach einer schwachen Vorrunde in Trondheim im ersten von vier "Endspielen" für das deutsche Team endlich in Gang zu kommen. "Wir wissen alle, dass wir mehr können. Deswegen ist der Glaube da", sagte der Linksaußen: "Wir haben ja nicht verlernt, Handball zu spielen."

"Müssen Fehler provozieren"

Sollten sie auch nicht, denn Weißrussland ist beileibe kein Handball-Entwicklungsland mehr. Nach Rang zwölf 2014 und zwei zehnten Plätzen bei den vergangenen beiden Europameisterschaften qualifizierte sich das Team von Bundesliga-Legende Juri Schewzow nun schon zum vierten Mal hintereinander für die Hauptrunde und peilt die beste Platzierung seiner EM-Geschichte an.

In der Vorrunde gelangen Siege gegen Serbien (35:30) und Montenegro (36:27). "Wir werden richtig Kraft und Energie brauchen. Denn das ist eine Geschwindigkeitsmannschaft, die ein hohes Tempo anschlägt", sagte Prokop.

Handball-EM - Deutsche Handballer wollen Neustart in Wien Sportschau 14.01.2020 02:05 Min. Verfügbar bis 14.01.2021 Das Erste

"Wir müssen Fehler provozieren, aggressiver verteidigen, sie zu Würfen aus der zweiten Reihe zwingen", gab Kühn die taktische Marschrichtung vor. Vor allem das gute Zusammenspiel der Weißrussen mit ihrem Kreisläufer gilt es zu unterbinden. Und dann über eine starke Defensive ins Tempospiel zu kommen - um damit die Vorgabe, durchschnittlich zehn Treffer übers Tempospiel zu erzielen, auch mal umzusetzen.

Mehr Emotionalität

Als weiteren potenziellen Erfolgsfaktor hat das deutsche Team die Emotionalität ausgemacht. "Ich bin voller Vorfreude, in einer gut gefüllten Halle mit vielen tausend deutschen Fans zu spielen", sagt Torwart-Routinier Johannes Bitter: "Das wird uns sicherlich tragen." Auch Prokop und forderte "mehr Emotionalität" von seinen Spielern. "Wir müssen uns gegenseitig noch mehr pushen und gelungene Aktionen feiern", erklärte Gensheimer. "Daran müssen wir uns hochziehen."

Handball-EM: Die dürftige Vorrundenbilanz des DHB-Teams

Sportschau 14.01.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 14.01.2021 ARD Von Daniel Neuhaus

Wenn das den deutschen Handballern gelingt und Weißrussland geschlagen wird, warten noch die Duelle mit Kroatien (Samstag), Gastgeber Österreich (Montag) und Tschechien (Mittwoch). Allesamt Duelle, in denen sich das Prokop-Team kein "Wenn" mehr erlauben darf.

Kühn: "Es ist nicht alles schlecht" Sportschau 15.01.2020 00:38 Min. Verfügbar bis 15.01.2021 Das Erste

red/sid/dpa | Stand: 16.01.2020, 02:00

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