Handballverband will Zuschauerfrage bei WM überdenken

Hassan Moustafa, Präsident des Internationalen Handballverbandes

Nach Kritik aus Spielerkreisen

Handballverband will Zuschauerfrage bei WM überdenken

Nach Kritik aus Spielerkreisen an der geplanten Zulassung von Fans bei der Handball-WM in Ägypten wird sich der Weltverband noch einmal mit dem Thema beschäftigen. In einem Brief hatten zuvor Spielführer aus 14 Nationen den IHF-Präsidenten Hassan Moustafa aufgefordert, keine Zuschauer zuzulassen.

Die Zuschauerfrage werde am Sonntag (10.01.2021) mit dem ägyptischen Premierminister und Vertretern des Gesundheitsministeriums diskutiert, teilte die IHF auf Anfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit. Das Turnier (13. bis 31. Januar) beginnt in der kommenden Woche.

"Schreiben wird berücksichtigt werden"

Das Spitzentreffen und die erneute Bewertung der Lage sei ohnehin geplant gewesen. Es gebe eine "kontinuierliche Evaluierung der Gesundheitssituation in Ägypten" durch die Behörden. Die IHF habe nun "die Bedenken hinsichtlich der Zuschauer bei der WM zur Kenntnis genommen" und respektiere sie: "Das Schreiben, das in dieser Angelegenheit von der European Handball Players Union gesendet worden ist, wird im Entscheidungsprozess berücksichtigt werden."

Nachdenkliche Zeiten: Uwe Gensheimer und sein Appell an die Kollegen zum Gehaltsverzicht in der Corona-Pandemie.

Uwe Gensheimer

Die 14 Spielführer der europäischen Top-Nationen hatten zuvor in einem gemeinsamen Brief an den Weltverbands-Chef Moustafa aufgefordert, keine Fans zu den WM-Spielen zuzulassen. "Wir sind äußerst besorgt über die Corona-Situation und die Entscheidung, dass die Zuschauer an den Spielen teilnehmen dürfen. Unsere Besorgnis hat aufgrund der jüngsten Eskalation in den europäischen Ländern zugenommen. Für uns hat dies Bedenken hinsichtlich des Turniers ausgelöst. Wir möchten Sie daher bitten, zu prüfen, ob dies der sicherste Weg ist, die WM zu organisieren, und wie Sie die Zuschauerzulassung bei den Spielen organisieren können, um das Blasenkonzept für die Teams aufrechtzuerhalten."

"Wir als Spieler haben eine Verantwortung"

Neben Gensheimer unterzeichneten unter anderem Dänemarks Welthandballer Niklas Landin und Domagoj Duvnjak aus Kroatien, beide in Diensten des THW Kiel, den Brief. "Wir empfehlen dringend, dieses Thema zu überdenken", schrieben die 14 Spieler. Weiter hieß es: "Wir als Spieler haben eine Verantwortung als Vorbild für alle Anhänger des Handballs, den Empfehlungen unserer Regierung zu folgen, und dies kann einige symbolische Probleme verursachen, die dazu führen, dass wir in unseren Ländern so starke Einschränkungen haben und gleichzeitig zu einem Turnier reisen, bei dem eine große Anzahl von Zuschauern zugelassen wird."

Sagosen: "Völlig peinlich"

Die IHF hatte unter der Woche bekräftigt, die vier WM-Hallen bis zu 20 Prozent mit Zuschauern zu füllen. Damit wurde die Hallenkapazität beim Mega-Turnier am Nil etwas reduziert, zuvor war von einer 30-prozentigen Auslastung die Rede gewesen. Bereits vor Bekanntwerden des Briefs hatten sich mehrere Spieler kritisch zur Zulassung von Fans geäußert. Norwegens Ausnahmespieler Sander Sagosen bezeichnete die Pläne beispielsweise als "völlig peinlich".

sid | Stand: 09.01.2021, 10:24

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