Handball-WM - Offenbar hielt die Bubble in Ägypten

Nach mehreren Corona-Fällen hat Neuling Kap Verde seine Teilnahme an der Handball-WM zurückgezogen. Bild: Sascha Klahn/dpa

Handball-WM - Rückblick

Handball-WM - Offenbar hielt die Bubble in Ägypten

Von Robin Tillenburg

Die Sportwelt schaute gebannt auf die Handball-WM und ihr Hygienekonzept. Jetzt ist das Turnier vorbei, und es stellt sich die Frage: Hat die Blase gehalten?

Es war kein wirklich günstiger Zeitpunkt, um eine Team-Sport-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften auszurichten. Das dürften auch all die so gesehen haben, die die Austragung befürworteten.

Chart mit den aktiven Corona-Fällen weltweit

Am 13. Januar gab es weltweit rund 24,5 Millionen aktive Corona-Fälle

Die Corona-Pandemie war und ist nahezu weltweit weiter auf dem Vormarsch, Impfungen liefen und laufen gerade erst langsam an, und hochansteckende Mutationen breiteten und breiten sich aus. Natürlich hätte jeder sich eine andere Situation gewünscht. Natürlich ist eine WM mit begeisterungsfähigen Zuschauern viel stimmungsvoller. Aber am 13. Januar zum Turnierstart gab es eben weltweit rund 24,5 Millionen aktive Corona-Fälle. Bis dahin ein Höchststand.

Große Probleme zum Start - dann Verbesserungen

Doch das Turnier wurde, der Situation und aller Kritik zum Trotz, abgehalten. Eine sichere Blase für alle am Turnierverlauf Beteiligten sollte geschaffen werden, um das Virus aus dem Turnier auszuschließen. Doch das Turnier hatte noch nicht angefangen, da trudelten die Nachrichten ein: Die USA und die Tschechen zogen wegen zu vieler Coronafälle im Team schon vor der Anreise zurück. Brasilien hatte Fälle, änderte den Kader und reiste mit den gesunden Spielern an. Kap Verde, das ebenfalls schon vor Beginn einige Fälle im Team hatte, absolvierte ein Spiel und musste dann ebenfalls wegen zu vieler positiver Tests zurückziehen.

Direkt nach der Ankunft gab es teils massive Kritik der Teams an der räumlichen Situation in den Hotels, Sander Sagosen bezeichnete die Situation gar als "Wilder Westen". Im Nachhinein war es auf Sportschau-Anfrage an alle Teilnehmer vor allem die Essens-Situation, bei der sich mehrere Teams ein Buffet teilen mussten, die für Irritationen gesorgt hatte, aber zeitnah behoben worden sei. Der slowenische Verband empfand zudem auch die Anzahl an anwesenden Personen in der Halle als zu hoch. Insgesamt fiel das Feedback zur Organisation flächendeckend aber eher positiv aus. Auch vom DHB.

DHB lobt die Organisation

Über allem stand aber zu Beginn eben die Frage: War das Virus in die Blase gelangt? Hatte es Ansteckungsketten gegeben? Letzteres hätte, so Hygiene-Experte Florian Kainzinger im Sportschau-Interview damals, ein Problem für das Turnier werden können. Nach dem Bekanntwerden von aktiven Fällen bei kapverdischen Spielern, die bereits im Turnier gespielt hatten, begann das große Zittern.

Kainzinger nannte damals den Zeitraum der nächsten Tage entscheidend. Würden dann vermehrt Fälle in der Blase auftreten, wäre das ein Beweis, dass das Konzept der geschlosenen Bubble nicht mehr aufrechtzuerhalten wäre. Die Turnierorganisatoren waren bemüht, maximale Sicherheit zu liefern und auch nach Außen hin zu suggerieren. Verbesserungen an der Buffet-Situation wurden vorgenommen, zusätzliche Räumlichkeiten geöffnet. Beim Deutschen Handballbund war man nach anfänglicher Kritik sehr zufrieden: "Unter den besonderen Umständen der Corona-Pandemie haben wir keinen Grund, Kritik an Abläufen zu üben. Ägypten hat das gut gelöst", hieß es vom Deutschen Handballbund. Vizepräsident Bob Hanning ging sogar noch weiter und bezeichnete die WM als "sicherer als Straßenbahn fahren und Einkaufen."

Testfrequenz erhöht - Ergebnisse kaum nach Außen kommuniziert

Organisationschef Hussein Labib erklärte gegenüber der Sportschau: "Das Hygienekonzept von uns und der IHF sah im Vorhinein vor, dass wir alle Personen alle 48 Stunden testen. Während des Turniers mussten wir feststellen, dass einige Personen aber alle 24 Stunden getestet werden sollten. Das Gesundheitsministerium hat uns dann zugestimmt, und wir haben die Frequenz geändert." Tatsächlich wurde die "Corona-Nachrichtenlage" danach ruhiger.

Turnierdirektor Labib: "Haben auf jede Kritik reagiert" Sportschau 31.01.2021 01:21 Min. Verfügbar bis 31.01.2022 Das Erste

Die Kommunikation der Testergebnisse drang aber nur selten nach Außen. Und auch nur, wenn man danach suchte. Labib erklärte: "Ich erfahre jeden Tag, wer positiv und negativ ist und sende die Ergebnisse dann an die IHF. Die schickt sie an die Teams. Das sind persönliche und vertrauliche Informationen, die ich nicht veröffentlichen kann."

Slowenische Schiedsrichter positiv

Tatsächlich wurden die slowenischen Schiedsrichter David Sok und Bojan Lah nach ihrem ersten und einzigen Einsatz positiv getestet und pfiffen fortan nicht mehr. Der dänische Handballverband vermeldete zudem, dass auch Schiedsrichter Mads Hansen positiv getestet und dementsprechend aus dem Turnier gestrichen wurde. Weitere Fälle innerhalb der Blase Ägypten sind, Stand 31.01.2021, nicht bekannt.

Entscheidend: Bleibt Golla ein Einzelfall?

Allerdings wurde der deutsche Kreisläufer Johannes Golla nach seiner Rückkehr in Deutschland positiv getestet. Dierk Schmäschke, Geschäftsführer von Gollas Verein SG Flensburg-Handewitt, erklärte gegenüber dem SID: "Da wir die Inkubationszeit betrachten müssen, gehen wir und Experten von der sehr hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass er sich noch in Ägypten angesteckt hat."

Aber die ganz großen Nachrichten, die großen Ansteckungsketten innerhalb der Blase - sie blieben aus. Auch die Rückmeldungen der Mannschaften an die Sportschau vermitteln ein Bild, das die Mühen der Organisatoren in ein positives Licht rückt. Sogar Corona-konforme Ausflüge zu den Pyramiden organisierten Labib und Co., um die "Isolations-Gefühle" der Mannschaften zu verringern. Selbst das Betanken der Teambusse an Tankstellen außerhalb der Bubble sei durch große Anstrengungen an die Hygienebestimmungen angepasst worden, erklärte Labib.

Und auch wenn natürlich noch weiter abgewartet werden muss, ob der "Fall Golla", bei dem bisher ja noch unklar ist, wo die Infektion tatsächlich stattgefunden hat, ein Einzelfall bleibt, legt die momentane Situation nahe, dass das Hygienekonzept vor Ort wohl größtenteils funktioniert hat. Eine Vor-Isolation, wie sie auch Kainzinger gegenüber der Sportschau als mögliche Option ins Spiel gebracht hatte, hätte wahrscheinlich die Sicherheit noch ein wenig erhöht. Doch die allergrößten Zweifel an der "Bubble" haben sich nicht bestätigt. Die Organisatoren der kommenden sportlichen Großereignisse dürften das wohlwollend zur Kenntnis genommen haben.

Stand: 31.01.2021, 19:24

Darstellung: