Glück im Unglück - ein Kommentar zur Handball-WM

Paul Drux beim Aufwärmen

Handball-WM in Ägypten

Glück im Unglück - ein Kommentar zur Handball-WM

Von Thorsten vom Wege

Die Handball-WM in Ägypten geht ab jetzt ohne Deutschland weiter. Das ist schade, aber verschmerzbar - wenn alle aus dem DHB-Tross gesund geblieben sind. Ein Kommentar.

Eine Bewertung dieser WM vorzunehmen, ist alles andere als leicht. Denn es gibt eine Menge Aspekte, die es zu beleuchten gilt.

Da wäre auf der einen Seite das sportliche Abschneiden der deutschen Mannschaft: Ziel verfehlt - könnte man die Sache zwar mit zwei Worten abtun, das trifft es aber nicht genau. Denn in dieser personellen Zusammensetzung stand eigentlich von vornherein fest, dass man nur bedingt wettbewerbsfähig ins Turnier gezogen war. Und auch wenn nicht viel fehlte, so stand doch schon vor dem zweiten Hauptrundenspiel fest, dass das Turnier für die Deutschen sportlich gelaufen war.

"Ziel verfehlt" - so einfach ist es nicht

Klar ist aber auch - es geht mit den Herausforderungen praktisch ohne Pause weiter. Denn in reichlich sechs Wochen geht es in Berlin um die Tickets für Tokio - dann höchstwahrscheinlich wieder mit zurückkehrenden Leistungsträgern, mit Pekeler, Weinhold, Wiencek und Wiede.

DHB-Team: Glück im Unglück

Sportschau 25.01.2021 02:06 Min. Verfügbar bis 25.01.2022 ARD


Aber nur die besten zwei Teams von Berlin fahren nach Tokio - ein vorzeitiges Scheitern würde 2021 auch sportlich zum "Seuchenjahr" verkommen lassen. Womit wir direkt zum zweiten wesentlichen Aspekt der Welttitelkämpfe von Ägypten überleiten können - denn die WM war ein Turnier mit extremen Begleitumständen.

Fingerzeig für Olympische Spiele

Die WM findet in einer Bubble statt. Und die Gastgeber tun - und das ist äußerst lobenswert - tatsächlich alles, um diese Blase dicht zu halten. Aber trotzdem war und ist es ein Ritt auf der Rasierklinge, war es wohl einfach nur Glück, dass es im Spiel der Ungarn gegen Kap Verde offenbar keine Ansteckungen gab. Denn beim Afrika-Vertreter standen - wie sich erst anschließend herausstellte - vier positiv getestete Spieler im da noch elfköpfigen Aufgebot. Das nennt man wohl Glück im Unglück.

Man stelle sich vor, ungarische Spieler hätten sich angesteckt, die Blase wäre geplatzt. Da dies nicht geschehen ist, soll an dieser Stelle auch nicht weiter spekuliert werden. Aber wenn man über die Schwachstellen des Konzepts mit Blick auf mögliche weitere Großereignisse nachdenkt, dann dürfte klar sein: Olympische Spiele beispielsweise ergeben nur dann Sinn, wenn alle Beteiligten - nicht nur die Sportlerinnen und Sportler - entweder geimpft sind, oder so zeitig anreisen, dass man - wenn das Feuer entzündet wird - sicher sein kann, dass alle Beteiligten Corona-frei sind.

Ob das möglich sein wird, ist sicher auch eine Kosten-Frage. Die WM geht weiter, ab jetzt ohne Deutschland. Schade, aber verschmerzbar, wenn alle aus dem DHB-Tross gesund geblieben sind. Denn auch das war ein Ziel, das man vor der WM ausgegeben hat. Und zumindest dieser Wunsch sollte Wirklichkeit werden.

Wolff und Gensheimer im Fokus Sportschau 25.01.2021 03:42 Min. Verfügbar bis 25.01.2022 Das Erste

Stand: 25.01.2021, 22:30

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