Juri Knorr im Trikot der deutschen Handball-Nationalmannschaft

Handball | WM 2023 Handball: Knorr mit neuer Chance nach verpasster EM

Stand: 12.04.2022 11:24 Uhr

Juri Knorr verpasste im Januar die Handball-EM, weil er sich nicht gegen das Coronavirus impfen ließ. Derzeit gelten solche Einschränkungen nicht mehr - und Knorr ist bei der WM-Qualifikation gegen Färöer wieder eine Option.

Von Chaled Nahar

Er habe sich selbst "aus einer schwierigen Phase herausgearbeitet", sagte Knorr bei einer Pressekonferenz des Deutschen Handballbundes (DHB) vor dem Hinspiel der WM-Playoffs gegen Färöer in Kiel am Mittwoch (13.04.2022, 18.15 Uhr). "In erster Linie ist es natürlich schön, wieder bei der Mannschaft dabei zu sein. Es war für mich auch keine einfache Zeit", sagte der 21-jährige Spielmacher der Rhein Neckar Löwen und spielte auf die Diskussion um die EM an: "Auch abseits vom Handballfeld war es nicht einfach."

Die EM in Ungarn und der Slowakei zu Beginn des Jahres hatte Knorr verpasst, weil er sich nicht gegen das Coronavirus impfen ließ. Bei dem Turnier galt für die Teilnahme eine 2G-plus-Regelung.

Knorr betonte: Bin kein Corona-Leugner

Knorr erfuhr damals viel Unverständnis für seine Entscheidung. Er betonte aber, kein Leugner des Virus zu sein. Nach eigenen Angaben war Knorr im November 2020 infiziert. Es habe ihn "schwerer erwischt als andere in meinem Alter", berichtete er im Dezember 2021 im "Mannheimer Morgen". Impfen lassen wollte er sich trotzdem nicht und für eine Teilnahme an der EM lag die Erkrankung schon zu lange zurück, um den Status als Genesener einzunehmen.

Zur Begründung sagte Knorr damals, er vertraue auf eine "natürliche Immunität" nach seiner Genesung. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bestätigt, dass sich bei einer Infektion mit dem Coronavirus Antikörper sowie bestimmte Immunzellen bilden, die das Virus bekämpfen können. Dadurch seien infizierte Menschen zunächst teilweise immun, "allerdings nimmt die Anzahl der Antikörper mit der Zeit wieder ab". Eine erneute Ansteckung Geimpfter und Genesener und ein Übertragungsrisiko auf andere Personen seien damit möglich, so die Bundeszentrale. Knorr aber sagte, dass er die Werte wie den seiner Antikörper regelmäßig ärztlich bestimmen lassen wolle, um eine längerfristige "natürliche Immunität" in Anspruch zu nehmen.

Keine Angabe zum Impfstatus

Das Robert Koch-Institut informiert auf seiner Website, dass die Covid-19-Impfung "der sicherste Weg ist, um einen Schutz vor Covid-19 aufzubauen".

Auf die Frage, ob sich an seinem Impfstatus inzwischen etwas geändert hat, wollte sich Knorr laut DHB auf Nachfrage der Sportschau nicht äußern. Für eine Teilnahme an den Spielen gegen Färöer ist der Impfstatus aber seit der Aufhebung vieler Coronaschutzmaßnahmen in Deutschland vorerst nicht mehr erheblich. Knorr ist sportlich uneingeschränkt eine Option.

Gislason lobt Knorr: "Er hat sehr gut gespielt"

Knorr wurde bereits im März gegen Ungarn angesichts zahlreicher Absagen zumindest nachnominiert und ist nun Teil der Mannschaft, die in den beiden Spielen gegen Färöer die Teilnahme Deutschlands an der WM 2023 in Polen und Schweden sichern will. "Er hat sehr gut gespielt und Akzente gesetzt", sagte Bundestrainer Alfred Gislason zu Knorrs Leistungen gegen Ungarn.

Zuvor hatte Knorr, der im Sommer 2021 von GWD Minden zu den Löwen gewechselt war, für seine teilweise schwankenden sportlichen Leistungen Kritik einstecken müssen. DHB-Sportvorstand Axel Kromer betonte im Umfeld der EM, dass Knorr auch geimpft nicht sicher dabei gewesen wäre.

"Juri muss schauen, dass er seine Spielanteile im Verein erhöht und sich wieder für die Nationalmannschaft empfiehlt", sagte Kromer damals. Die Chance gegen Ungarn hat Knorr genutzt. Er habe eine "tolle Spielsteuerung im Angriff" gezeigt, sagte Kromer nach den beiden Spielen. Für die Spiele gegen Färöer wurde er direkt berufen, nicht nachnominiert.

WM im Januar 2023 mit 32 Teams

Die Handball-WM der Männer 2023 findet vom 11. bis 29. Januar in Polen und Schweden statt. 32 Teams nehmen teil, darunter 15 aus Europa. Zu den europäischen Teams kommen Teilnehmer aus Afrika (5), Asien (5), Mittel-/Südamerika (4), Nordamerika/Karibik (1) sowie per Wildcard (2).

Aus Europa ist neben den beiden Gastgeberländern auch Titelverteidiger Dänemark direkt qualifiziert. Über ihre Leistungen bei der EM 2022 sind zudem Spanien, Frankreich und Norwegen dabei. Hinzu kommen neun weitere europäische Mannschaften. Deutschland spielt am 13. und 16. April gegen Färöer, die Sieger der neun Playoff-Begegnungen sind für die WM qualifiziert.

WM-Playoffs Europa
Begegnung Hinspiel Rückspiel
Deutschland - Färöer 13.4. 16.4.
Finnland - Kroatien 13.4. 16.4.
Slowenien - Serbien 13.4. 16.4.
Portugal - Niederlande 13.4. 16.4.
Österreich - Island 13.4. 16.4.
Griechenland - Montenegro 13.4. 16.4.
Tschechien - Nordmazedonien 13.4. 16.4.
Israel - Ungarn 13.4. 16.4.
Russland - Belgien* 0:10* 0:10*

*Wegen des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine schloss die EHF alle russischen Teams aus, die Spiele wurden gewertet.