Philipp Weber mit Trainer Alfred Gislason

Handball | EM

Handball-EM: Deutschlands Hauptrunde hat begonnen

Stand: 18.01.2022, 09:48 Uhr

Das schwer corona-geplagte deutsche Handball-Team steht bereits als Teilnehmer der Hauptrunde fest. Deshalb verliert das letzte Vorrundenspiel gegen Polen aber nicht an Bedeutung.

Von Robin Tillenburg

Klar, hätten die Polen ihr zweites Gruppenspiel gegen Belarus verloren, wären die Deutschen rechnerisch noch nicht sicher in der Hauptrunde gewesen.

Das Spiel am Dienstag (18.01.2022), das die Deutschen nach den Hiobsbotschaften vom Montagabend ohne sieben positiv auf das Coronavirus getestete Akteure bestreiten müssen, hätte in der Theorie dann sogar noch zum EM-Aus für die Deutschen führen können.

Punkte aus der Vorrunde werden teilweise mitgenommen

Denn bei Punktgleichheit zwischen drei Teams die bei einer deutschen Niederlage gegen Polen sehr wahrscheinlich gewesen wäre, wäre es noch auf das Torverhältnis aus den direkten Duellen der drei betroffenen Nationen angekommen. Sehr wahrscheinlich hätte die DHB-Auswahl allerdings trotzdem das Ticket für die Hauptrunde gelöst.

Zur Erinnerung: Aus jeder der sechs Vorrundengruppen ziehen je zwei Nationen in eine von zwei Hauptrundengruppen ein. Dort trägt jedes Team noch die Spiele gegen die vier Mannschaften aus, gegen die es noch nicht gespielt hat. Die Punkte zwischen Deutschland und Polen werden also in die Hauptrunde mitgenommen. Gewinnt die DHB-Auswahl, startet sie also bereits mit zwei Zählern in die verbleibenden vier Spiele.

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Die Hauptrundengegner sind ein anderes Kaliber

Ein wichtiges Polster. Und andersherum: Ein Rückstand, der kaum aufzuholen wäre, wenn es nicht klappt. Denn: Die Polen haben zwar gegen Belarus (29:20) und Österreich (36:31) ihre Stärke unter Beweis gestellt, aber beim Blick auf die anderen potenziellen Hauptrundengegner zeigt sich: Wollen die Deutschen als eines von zwei Teams aus ihrer Hauptrundengruppe ins Halbfinale, müssen sie gegen Polen siegen. Der ewige Rivale Spanien steht bereits als Hauptrundengegner fest, dazu kommen nach den Partien am Montag (17.01.22) die Russen sowie die Norweger und die Schweden.

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Sechs Punkte könnten am Ende reichen

Dass die unerfahrene deutsche Mannschaft mit all den Ausfällen gegen den Titelverteidiger (Spanien), den Vizeweltmeister (Schweden), den EM-Dritten (Norwegen) und die überraschend starken Russen drei von vier Partien gewinnt, erscheint eher unwahrscheinlich. Zwei Erfolge aus diesen vier Begegnungen sind aber nicht unmöglich.

Und auch wenn das Halbfinale (diesmal) nicht das unbedingte Ziel des Teams von Alfred Gislason ist, würde man sich dagegen wohl auch nicht wehren. Deshalb: Schlägt man jetzt zuerst Polen und die Russen und holt dann noch einen Überraschungserfolg über einen der "Großen", ist das ein Szenario, in dem es mit sechs Punkten für das Halbfinale reichen kann. Bei der EM 2020 kamen beispielsweise die Slowenen mit sechs Zählern ins Halbfinale.

Wichtig gegen Polen: Wenig eigene Fehler machen

Was muss nun also passieren, damit dieser erste wichtige Schritt gegen die Polen getan werden kann? Die deutsche Auswahl darf sich vor allem nicht viele Fehler erlauben. Denn die Polen nutzen Ballverluste und unvorbereitete Würfe konsequent aus und sind in der Lage, aus Ballgewinnen und gelungenen Aktionen "Energie" zu gewinnen.

Als Belarus in der Schlussphase gegen sie viel riskieren musste, um die Begegnung noch zu drehen, bestrafte die polnische Defensive vor dem starken Torhüter Mateusz Kornecki das eiskalt und drehte auf - Gegenstöße und ein am Ende (zu) deutlicher Sieg waren das Resultat.

Parallelen zur deutschen Mannschaft von heute - und 2016

Polen muss auf acht Spieler verzichten, die einen positiven Coronabefund erhalten haben - sieben davon seit Ankunft in Bratislava. Trotzdem hat sich das Team von Trainer Patryk Rombel zu einer echten Einheit zusammengeschlossen. Der Spirit der jungen Mannschaft ähnelt augenscheinlich dem des deutschen Teams von der EM 2016. Die ganz große individuelle Klasse hat Rombel nicht im Kader, dafür aber ein hochmotiviertes und vielseitig besetztes Aufgebot. Ähnlich wie Alfred Gislason auf der anderen Seite.

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Starkes Turnier mit erst 20 Jahren

Abgesehen von der Flügelzange aus Arkadiusz Moryto und Przemyslaw Krajewski und Keeper Kornecki ist in diesem Turnier bisher auch Michal Daszek auf der halbrechten Position offensiv in Erscheinung getreten. Mit seiner Dynamik nutzt der "nur" 182 Zentimeter große Rückraumspieler die Lücken aus, die sich auftun, wenn die gegnerische Defensive sich auf den großgewachsenen Szymon Sicko auf der anderen Halbposition konzentrieren muss. Spielmacher Michal Olejniczak spielt mit seinen erst 20 Jahren bisher ebenfalls ein starkes Turnier.

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