Wer wird Meister: THW Kiel oder doch die SG Flensburg-Handewitt?

Kiels Sander Sagosen setzt im Derby gegen Flensburg zum Wurf an.

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Wer wird Meister: THW Kiel oder doch die SG Flensburg-Handewitt?

In der Handball-Bundesliga steht die Woche der Entscheidung an. An den kommenden beiden Spieltagen klärt sich, wer deutscher Meister wird. Titelverteidiger THW Kiel hat es selbst in der Hand, die SG Flensburg-Handewitt muss auf Hilfe hoffen.

In normalen Zeiten wären sie jetzt, Ende Juni, alle längst woanders. Irgendwo im Süden am Strand, vielleicht in den Bergen oder in der Natur Skandinaviens. Mit Sicherheit aber nicht mehr in einer Handballhalle. Aber was ist schon normal in Zeiten der Corona-Pandemie? Durch die Aufstockung der Bundesliga im vergangenen Sommer auf 20 Teams sind es in dieser Serie 38 Spieltage und nicht wie sonst 34. Zwei letzte Runden stehen also noch an in dieser Mammutsaison, die nicht nur aufgrund ihrer Dimension eine ganz besondere ist.

Sie ist auch an der Tabellenspitze außergewöhnlich spannend, mit Achterbahnfahrten der Gefühle für beide Titelanwärter - für den Rekordmeister THW Kiel wie für den ewigen Rivalen SG Flensburg-Handewitt. Nach anstrengenden Monaten beginnt nun die Woche der Entscheidung: Spätestens am Sonntag gegen 17 Uhr steht der Meister 2021 fest.

Kiel vorn, aber mit schwierigerem Restprogramm

Die besseren Aussichten haben die Kieler "Zebras", die bis Mitte der vergangenen Woche noch wie designierte Verlierer des Fernduells ausgesehen hatten. Dann aber patzte die SG gegen die Füchse Berlin - und verlor den Platz an der Sonne. Zwei Spieltage vor Saisonende liegt Titelverteidiger Kiel nun mit 65:7 Punkten auf Rang eins, Flensburg-Handewitt ist mit 64:8 Zählern Zweiter.

Restprogramm der Titelkandidaten

THW Kiel:
Heimspiel gegen den TBV Lemgo-Lippe (Donnerstag, 19 Uhr)
Auswärts bei den Rhein-Neckar Löwen (Sonntag, 15.30 Uhr)
SG Flensburg-Handewitt:
Auswärts beim HC Erlangen (Mittwoch, 19 Uhr)
Heimspiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten (Sonntag, 15.30 Uhr)

Holt das Team von THW-Trainer Filip Jicha aus seinen letzten beiden Spielen drei Punkte, könnte Flensburg wegen des schlechteren direkten Vergleichs mit dem Landesrivalen selbst mit zwei Siegen nach dem letzten Spieltag nicht ganz oben stehen.

THW-Profi Weinhold: "Kleinigkeiten sind entscheidend"

"Wir freuen uns über die Ausgangslage, die wir uns erarbeitet haben", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi dem NDR. "Es werden mit Sicherheit noch zwei intensive Spiele, aber es liegt an uns, ob wir am Ende etwas zu feiern haben werden." So gut die Perspektiven auf den Gewinn der 22. deutschen Meisterschaft sind, so bergen die beiden abschließenden Hürden doch einige Stolpergefahr.

Schließlich hat Kiel gegen den kommenden Gegner Lemgo erst kürzlich im Halbfinale des DHB-Pokals eine schmerzliche Niederlage erlitten, und beim Tabellenfünften Rhein-Neckar Löwen (47:25) wird es per se kein leichter Gang. Das weiß auch Nationalspieler Steffen Weinhold. "Man sieht, dass nach einer langen Saison bei allen die Kräfte schwinden", sagte er mit Anspielung auf die eigene Bundesliga-Niederlage beim SC Madeburg und die überraschende Heimpleite der SG gegen die Füchse. "Am Ende ist es eine große Willensleistung. Kleinigkeiten sind entscheidend", so Weinhold.

SG hat es nicht mehr in der eigenen Hand

Die SG hofft darauf, dass das spannende Saison-Finale mit dem Auf und Ab an der Spitze noch ein weiteres Kapitel bereithält - dann letztlich zugunsten des eigenen Teams. "Wir wollen es bis zum letzten Spieltag so gestalten, dass wir die Möglichkeit haben, noch auf Platz eins zu landen", sagte Trainer Maik Machulla am Mittwoch. Allzu groß sind die Chancen, das wissen die Flensburger selbst, aber nicht mehr. Machulla: "Am liebsten stehen wir natürlich auf Rang eins, haben es selbst in der Hand und sind nicht von anderen abhängig. Aber jetzt müssen wir sehen, was am Ende dabei herauskommt."

Flensburgs Svan: "Leistung in der Saison ist einzigartig"

Das gesamte Team sei "unglaublich enttäuscht darüber, dass wir es gegen Berlin nicht geschafft haben", sagte der 37 Jahre alte Rechtsaußen Lasse Svan dem NDR. Der Däne richtete aber mit Stolz den Blick auf das große Ganze. "Was wir geleistet haben fast die ganz Saison lang, in jedem Fall aber die letzten Monate, ist für mich einzigartig." Selbst wenn es am Ende nichts werden sollte mit der Meisterschaft, "werde ich superzufrieden damit sein, wie wir aufgetreten sind", so der Routinier.

Es klang ein wenig so, als sei die Meisterschaft schon verloren. Aber dieses Gefühl gab es zuletzt schon öfter - auf beiden Seiten.

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport | 23.06.2021 | 23:03 Uhr

NDR | Stand: 22.06.2021, 15:43

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