Handball

Handball-WM - Deutschland kämpft sich ins Halbfinale

Kroatien - Deutschland 21:22

Handball-WM - Deutschland kämpft sich ins Halbfinale

Von Christian Hornung und Frank van der Velden

Die deutschen Handballer haben dank einer kämpferisch überragenden Leistung mit einem Zittersieg gegen Kroatien vorzeitig das Halbfinale der Heim-WM erreicht.

Andreas Wolff jubelt

Das 22:21 (11:11) am Montag (21.01.2019) war bis zur letzten Sekunde gefährdet, doch mit einer enormen Energieleistung und auch etwas Glück retteten die Deutschen den Erfolg über die Zeit. Mit nun 7:1 Punkten auf dem Konto kann sich das DHB-Team im abschließenden Hauptrundenspiel gegen Spanien am Mittwoch (ab 20.15 Uhr live im Ersten und bei sportschau.de) sogar eine Niederlage erlauben.

Wiede übernahm Verantwortung

Torhüter Andreas Wolff stellte nach der Partie Rückraumspieler Fabian Wiede heraus: "Fabi hat ein unglaubliches Spiel gemacht, er hat wahnsinnig gespielt." Sechs Abschlüsse hatte der Berliner am Ende - alle sechs waren drin.

Wiede sagte anschließend am ARD-Mikrofon: "Wer mich kennt, weiß, dass ich gern in entscheidenden Situationen Verantwortung übernehme. Vor so einer Kulisse hier so etwas abzuliefern, das macht uns einfach nur happy." Wiede blickte dann noch voraus: "Wenn man im Halbfinale ist, will man auch ins Finale und dann den Pokal hochstemmen."

Prokop "unheimlich stolz"

Bundestrainer Christian Propkop war kurz nach der Schlusssirene erleichtert: "Das war heute eine ganz harte Prüfung. So eine Drucksituation zu bestehen, darauf bin ich unheimlich stolz. Für uns ist das momentan die geilste Zeit im Job. Es ist schön, dass wir derzeit auf der Sonnenseite stehen."

Gegner am Freitag in Hamburg wird Dänemark, Schweden oder Norwegen sein. Auch die Franzosen stehen durch den Sieg der deutschen Mannschaft bereits als Halbfinalist fest.

Die Partie hatte hochemotional auf beiden Seiten begonnen - mit jeweils herausragenden Torhütern und Defensivreihen. Kroatien hatte den etwas besseren Start, doch mit seinem dritten Tor zum 6:6 schaffte Wiede nach einer knappen Viertelstunde erstmals den Ausgleich.

Strobel schwer am Knie verletzt

Ganz bitter: Zu diesem Zeitpunkt hatte das DHB-Team bereits einen seiner Führungsspieler verloren. Martin Strobel hatte sich ohne Gegnereinwirkung in der neunten Minute das Knie verdreht. Er erlitt einen Innenbandriss sowie einen Riss des vorderen Kreuzbandes, was gleichbedeutend mit dem Turnier-Aus für den Spielmacher von Zweitligist Balingen-Weilstetten ist.

Die Deutschen behielten dennoch ihren Fokus und rissen immer wieder die mit 19.250 Zuschauern ausverkaufte Kölner Arena mit. Nach 20 Minuten gelang Hendrik Pekeler zum 8:7 erstmals die Führung, wenig später eroberte der überragende Abwehrchef Patrick Wiencek hinten den Ball und traf zum 10:8 ins leere Tor.

Pekeler und Groetzki früh rot-gefährdet

Doch bis zur Pause kämpften sich die von ihrer Überraschungs-Pleite gegen Brasilien bestens erholten Kroaten zurück ins Match. Deutschland musste neben dem Ausgleich zum 11:11 auch noch verkraften, dass Pekeler nach einem harten Foul an Domagoj Duvnjak und Patrick Groetzki nach einer Fehlentscheidung der Schiedsrichter jeweils bereits ihre zweite Zeitstrafe kassiert hatten - die dritte zieht automatisch die Rote Karte nach sich.

Die Partie blieb auch im zweiten Durchgang extrem spannend und intensiv. Doch so langsam machte sich der Kräfteverschleiß bei Kroatien bemerkbar, das nach seinem ersten Gruppenspiel im Gegensatz zu Deutschland keinen Ruhetag hatten. Vor allem der erst für Franz Semper nachnominierte Kai Häfner drehte nun auf, er sorgte mit Jannik Kohlbacher und erneut Wiede nach 45 Minuten erstmals für eine Drei-Tore-Führung: 18:15.

Zehn Minuten ohne Tor

Statt dann allerdings in einer Phase, in der sich bei den Kroaten auch die technischen Fehler häuften und Wolff auf allerhöchstem Niveau agierte, die Entscheidung herbeizuführen, strauchelten die Deutschen. Eine Chance nach der anderen wurde verballert, Kroatiens Keeper Marin Sego lief zu Höchstform auf. Fast zehn Minuten lang gelang dem DHB-Team kein Tor mehr, Kroatien holte auf und ging sogar mit 19:18 in Führung, ehe Wiede fünf Minuten vor Schluss wieder ausglich.

Eine Parade von Wolff gegen Duvnjak zwei Minuten vor Schluss brachte Deutschland letztlich auf die Siegerstraße, Pekeler mit einem Tempogegenstoß und Kapitän Uwe Gensheimer warfen am Ende die entscheidenden Tore. Kroatien haderte noch mit den Schiedsrichtern, in der Tat war kurz vor Schluss die Entscheidung für ein Stürmerfoul an Kohlbacher sehr zweifelhaft.

Cervar fühlt sich "betrogen"

Coach Lino Cervar gab anschließend seinen Ärger deutlich kund: "Die Schiedsrichter haben ihren Job nicht gut gemacht. Unser Team hatte heute nicht die gleichen Chancen wie Deutschland. Das ist die dritte WM, bei der wir um unsere Chance betrogen wurden."

Bei abgelaufener Uhr gab es dann noch einen Freiwurf für den Weltmeister von 2003, doch als Wolff den über die Latte lenkte, war der Jubel in Köln grenzenlos.

Statistik

Handball · Weltmeisterschaft · Gruppe 1

Montag, 21.01.2019 | 20.30 Uhr

Flagge Kroatien

Kroatien

Sego, I. Stevanovic – Stepancic (2), Vrankovic (1), Duvnjak (2), Karacic (4/1), Bicanic, Blazevic, Sliskovic – Horvat (2), Vida, Mandic (1), Musa (2), Strlek (4) – Beciri, Sipic (3)

21
Flagge Deutschland

Deutschland

Heinevetter, Wolff – K. Häfner (2), Weinhold, Wiede (6), Strobel, Böhm (2), Drux, Fäth (2), F. Lemke – Groetzki, Gensheimer (4/2), Musche – Kohlbacher (2), Pekeler (3), Wiencek (1)

22

Fakten und Zahlen zum Spiel

Kroatien Deutschland
Siebenmeter 2 Würfe, 1 Treffer 3 Würfe, 2 Treffer
Strafminuten 8 Min. 10 Min.

Zuschauer:

  • 19.250

Schiedsrichter:

  • Gjeding (Dänemark), Hansen (Dänemark)

Stand: Montag, 21.01.2019, 22:26 Uhr

Stand: 21.01.2019, 23:11

Darstellung: