Bei der Handball-WM beginnt nun der heiße Tanz

Sander Sagosen geht in die Abwehr

Nach Abschluss der Vorrunde

Bei der Handball-WM beginnt nun der heiße Tanz

Von Robin Tillenburg

Von 32 Teams sind noch 24 Nationen im Turnier. Wer hat in der Hauptrunde die besten Chancen aufs Viertelfinale bei der Handball-WM?

Vier Hauptrundengruppen mit jeweils sechs Teams sind noch übrig - jede Hauptrundengruppe setzt sich aus den besten drei Nationen von zwei Vorrundengruppen zusammen.

Alle Mannschaften haben die Punkte aus der Vorrunde mitgenommen, die sie gegen die ebenfalls qualifizierten Mannschaften eingefahren haben.

Ein Beispiel: Japan ist mit drei Punkten (einem Sieg und einem Unentschieden bei einer Niederlage) aus der Gruppenphase gegangen, nimmt aber nur einen Punkt mit in die Hauptrunde. Der Grund: Der Sieg erfolgte gegen Angola, das als Gruppenletzter nicht für die nächste Runde qualifiziert ist.

In der Hauptrunde spielt jedes Team nun gegen alle drei Kontrahenten aus der anderen Vorrundengruppe. Die beiden punktbesten Mannschaften jeder Hauptrundengruppe ziehen ins Viertelfinale ein. Bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich.

Gruppe 1: Ungarn, Spanien, Deutschland, Polen, Brasilien, Uruguay

Ungarn (vier Punkte) und Spanien (drei) sind die Favoriten auf das Weiterkommen in Gruppe 1. Dahinter lauern die DHB-Auswahl und Polen mit je zwei Zählern. Für Brasilien muss mit bisher nur einem Punkt schon alles optimal laufen, damit es noch ins Viertelfinale geht. Uruguay, das ja ohne einen Punktgewinn aufgrund des Rückzugs von Kap Verde weiterkam, wird in dieser Gruppe keinen Punkt holen und wohl noch drei weitere deutliche Niederlagen hinnehmen.

Schlüsselspiel für die deutsche Mannschaft, die sich wohl keine Niederlage mehr erlauben kann, weil auch der direkte Vergleich gegen Ungarn ja verloren ist, ist direkt der Auftakt gegen Europameister Spanien. Die Partie darf auf keinen Fall verloren werden, denn die Spanier werden gegen Uruguay gewinnen und dann gegen die Ungarn maximal noch zwei Punkte abgeben.

Ein Unentschieden würde noch ein kleines Törchen offen lassen, eine Niederlage wäre fast gleichbedeutend mit dem Ausscheiden, auch wenn rechnerisch noch alles möglich wäre.

Sehr ausgeglichene Gruppe

Dass die sehr erfahrenen, aber eben auch leicht in die Jahre gekommenen Spanier nicht unschlagbar sind, war in der Vorrunde zu sehen. Gegen Brasilien gab es ein Remis, gegen Polen einen Sieg mit nur einem Tor Differenz. Das heißt aber auch: Brasilien und Polen sind keine Laufkundschaft und können auch gegen Ungarn und Deutschland gewinnen. Es wird ein enges Rennen.

Gruppe 2: Dänemark, Kroatien, Katar, Japan, Argentinien, Bahrain

Dänemark sieht mit vier Punkten und einem sehr guten Torverhältnis wie der klare Favorit in der Gruppe aus. Das sind Niklas Landin, Mikkel Hansen und Co. auch. Aber: Die Vorrundengruppe der Dänen war eine der einfachsten. Argentinien, Bahrain und die DR Kongo waren keine Prüfsteine, Dänemark schonte viele Stars.

Dementsprechend sind Argentinien und Bahrain in dieser Gruppe wohl auch chancenlos in Sachen Viertelfinale. Kroatien und Katar sind andere Kaliber und auch die Japaner von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson haben mit einem Remis gegen Kroatien und einer Ein-Tore-Niederlage gegen Katar aufhorchen lassen.

Mögliches "Endspiel" Kroatien gegen Dänemark

Dass die Kroaten, die sich in den Vorrundenspielen etwas "rostig" präsentierten und vor allem von der Klasse einiger Akteure lebten, nur drei Punkte haben, dürfte Domagoj Duvnjak und Co. ärgern. So sind sie darauf angewiesen, dass die Dänen ihre Aufgabe gegen das unangenehme Katar zum Auftakt erfüllen. Ansonsten winkt am letzten Gruppenspieltag ein unerwünschtes Endspiel für die Kroaten gegen Dänemark.

Gruppe 3: Portugal, Frankreich, Island, Norwegen, Schweiz, Algerien

Dass Portugal mit weißer Weste in die Hauptrunde einziehen können würde, war nach den starken Leistungen bei der EM 2020 durchaus wahrscheinlich. Und tatsächlich wirkt die Mannschaft noch etwas weiterentwickelt. Gerade beim Auftaktspiel gegen Island (25:23) zeigten die Portugiesen ihre Reife.

Besonders stark bisher: Miguel Martins, der auf der Mitte die Fäden zieht und zweitbester Schütze ist, und Rechtsaußen Pedro Portela, mit 18 Toren bei 20 Versuchen einer der effektivsten Werfer des Turniers. Portugal hat direkt zu Beginn eine Art "Matchball" für das Viertelfinale: Am Mittwochabend (20.01.2021) gegen Norwegen, das mit 2:2 Punkten da steht, stünde man mit einem Erfolg schon mit einem Bein im Viertelfinale. Der direkte Vergleich gegen Island und Norwegen wäre bereits gewonnen, der Vorsprung somit schwer einzuholen.

Sagosen, Mahé, Schmid, Martins - die Gruppe der "Spielmacher"

Das wird gegen die Mannschaft um Sander Sagosen aber natürlich extrem schwer. Die Norweger stehen aufgrund ihrer Niederlage gegen Frankreich unter großem Druck. Gerade gegen Portugal muss Norwegen unbedingt gewinnen. Immerhin: Zum Vorrundenende gegen die Schweiz und Österreich waren die Nordmänner etwas besser in Form.

Frankreich hat durch den überraschenden Erfolg über Norwegen gezeigt, dass es auch ohne Nikola Karabatic in der Lage ist, den enttäuschenden 14. Platz bei der EM auszubügeln. Der ehemalige Bundesligaprofi Kentin Mahé zieht dabei auf der Mitteposition die Fäden. Ebenfalls stark: Nedim Remili im rechten Rückraum.

Gegen den Corona-Nachrücker aus der Schweiz, der in Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen einen der besten Spieler des Turniers in seinen Reihen hat, besteht noch eine kleine Stolpergefahr, aber die Franzosen sind definitiv der Topfavorit auf den Gruppensieg. Gerade weil Portugal noch gegen Norwegen antreten muss. Für Island wird es in den drei schweren Spielen gegen die Schweiz, Frankreich und Norwegen wahnsinnig schwer.

Gruppe 4: Schweden, Russische Handball Förderation, Ägypten, Slowenien, Belarus, Nordmazedonien

Die Schweden sind als einziges verlustpunktfreies Team dieser Gruppe der haushohe Favorit. Das Teilnehmerfeld ist zwar sehr ausgeglichen, aber möglicherweise das schwächste der Hauptrunde. Im ersten Spiel zwischen Ägypten und Russland dürfte sich bereits herauskristallisieren, wer mit den Schweden und den Slowenen um das Weiterkommen spielt. Die Russen haben drei, die Ägypter und die Slowenen zwei Zähler auf dem Konto.

Lazarov liefert immer noch

Besonderes Augenmerk liegt auch auf Nachrücker Nordmazedonien: Dort spielt Altstar Kiril Lazarov sein gefühlt 400. großes Turnier und ist mit 16 Toren und 16 Assists schon wieder einer der besten Scorer des Turniers. Möglicherweise sehen Handballfans den 40-Jährigen Ausnahme-Halbrechten zum letzten Mal bei einem internationalen Großevent. Andererseits ist dem Mann alles zuzutrauen.

Stand: 20.01.2021, 07:00

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