Handball

Norwegen - der Phönix aus der Asche

Der norwegische Trainer Christian Berge

Halbfinale gegen Deutschland

Norwegen - der Phönix aus der Asche

Im Halbfinale der Handball-WM muss das deutsche Team gegen Norwegen ran. Der Vizeweltmeister stieg 2016 wie Phönix aus der Asche in die Weltspitze auf - dank Trainer Christian Berge.

Jahrelang standen die norwegischen Handballer im Schatten der viel erfolgreicheren Frauen. Die gewannen auf internationaler Bühne schon alles, was es zu gewinnen gab. Sie wurden dreimal Weltmeister, siebenmal Europameister und zweimal Olympiasieger. Für die Männer galt bei großen Turnieren das Motto "dabei sein ist alles" - falls sie sich überhaupt qualifiziert hatten.

Das änderte sich im Februar 2014. Da übernahm Christian Berge das Traineramt. Der ehemalige Profi brauchte nur zwei Jahre, um aus einer mittelmäßigen Mannschaft ein Topteam zu formen.

2017 Vizeweltmeister geworden

Erstmals aufhorchen ließen die Norweger bei der EM 2016 in Polen. Da zogen sie sensationell ins Halbfinale ein, wo sie erst nach Verlängerung gegen den späteren Europameister Deutschland verloren. Ein Jahr später, bei der WM 2017, kamen sie sogar bis ins Endspiel, mussten sich dort aber Gastgeber Frankreich geschlagen geben. Die Silbermedaille war dennoch das erste Edelmetall überhaupt für Norwegens Männer.

Nachdem es bei der EM 2018 nur zu Platz sieben reichte, sind die Skandinavier jetzt wieder ganz vorne mit dabei. Bei der WM in Deutschland und Dänemark kämpfen sie am Freitag (25.01.2019, ab 20.30 Uhr live im Ersten und bei sportschau.de) gegen Deutschland um den Einzug ins Finale. Den Sprung dorthin hat das Team als Zweiter seiner Hauptrunden-Gruppe geschafft. Im gesamten Turnier kassierte Norwegen bisher nur eine Niederlage gegen Dänemark.

Sagosen der Topstar

Star des aktuellen Vize-Weltmeisters ist Sander Sagosen. Der Rückraumspieler steht bei Paris Saint-Germain unter Vertrag. Im Dezember 2018 wurde der 23-Jährige vom Portal "Handball-Planet" zum weltbesten Spieler gekürt. Sein Stern ging bei der EM 2016 auf. Da spielte er im Halbfinale gegen Deutschland und im Spiel um Platz drei gegen Kroatien trotz einer gebrochenen Mittelhand.

42 Tore hat Sagosen bei der WM schon erzielt. Markus Jondal von der SG Flensburg-Handewitt hat sogar 46 Treffer auf dem Konto. Damit ist Norwegen der einzige Halbfinalist, der zwei Spieler unter den Top 10 der Torschützenliste hat. Dänemark (Mikkel Hansen) und Deutschland (Uwe Gensheimer) haben da jeweils nur einen.

Elf Spieler aus der Bundesliga

Ansonsten ist der Kader ausgeglichen besetzt. Neben Jondal verdienen noch zehn weitere Spieler ihr Geld in der Bundesliga - unter anderem Torwart Torbjorn Bergerud, der ebenfalls in Flensburg spielt. Kapitän und Führungsfigur Bjarte Myrhol spielte viele Jahre in Nordhorn und bei den Rhein-Neckar Löwen. Acht Norweger laufen für aktuelle Champions-League-Vereine auf. Nur Alexander Blonz vom HC Viking spielt in Norwegen.

Ein weiterer Faktor ist Espen Christensen von GWD Minden. Mit 42 Prozent abgewehrter Würfe ist der 33-Jährige bislang der statistisch beste Torhüter des Turniers.

Viel Lob und Respekt

"Sie kommen wie wir über den Teamgeist", sagt der deutsche Bundestrainer Christian Prokop. "Wenn wir das Halbfinale gewinnen wollen, brauchen wir alles am Optimum", sagt der 40-Jährige. Norwegen sei eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt habe und mit Rückraumspieler Sagosen über einen Weltstar verfüge.

"Norwegen hat eine starke Mannschaft. Die meisten Spieler haben schon in der Bundesliga gespielt. Das wird sehr, sehr schwierig", prophezeit auch Torwart Andreas Wolff. Und DHB-Vizepräsident Bob Hanning sagt: "Wir müssen gut auf den Beinen sein, in die Zweikämpfe kommen, immer doppeln, so dass es keine Durchbrüche in die Nahwurfzone gibt."

Stärkste Offensive

Denn Norwegen steht für Tempohandball und ist vor allem für seine schnellen Tempogegenstöße nach Balleroberung berüchtigt. Das Offensivspiel ist enorm variabel. So hat das Team mit 157 Toren die meisten aller zwölf Hauptrundenteams auf dem Konto.

Eingeimpft hat ihnen das Trainer Berge. Auch der kennt die Bundesliga bestens. Von 1999 bis 2006 zog er im Rückraum der Flensburger die Strippen, wurde Meister, Pokalsieger und EHF-Pokal-Sieger mit der SG.  "Er ist ein Meister seines Fachs, ein herausragender Trainer", sagt sein deutsches Pendant Prokop. Berge war heißer Kandidat auf die Nachfolge von Ljubomir Vranjes bei der SG Flensburg-Handewitt, doch der Verband gab ihn nicht frei.

Sollte es bei der WM zum ganz großen Coup, sprich zum Finale reichen, dann wären Norwegens Männer dann auch endlich den Frauen einen Schritt voraus. Die wurden bei der EM 2018 nur Fünfte.

vdv/sid/dpa | Stand: 24.01.2019, 14:02

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