Handball

DHB-Gegner Spanien - Angeschlagenes Weltklasse-Team

Spaniens Nationaltrainer Jordi Ribera (M.) im Gespräch mit seinen Spielern

Handball-WM, Hauptrunde

DHB-Gegner Spanien - Angeschlagenes Weltklasse-Team

Von Marco Schyns

Im letzten Hauptrunden-Spiel trifft Deutschland auf Spanien. Als das DHB-Team die Spanier zum bislang letzten Mal bei einer WM besiegte, feierte es wenig später den Weltmeister-Titel. Von ihrer Bestform sind die Iberer aber ein gutes Stück entfernt.

Vor dem Duell zwischen Deutschland und Spanien bei der Handball-WM stehen zwei Dinge schon fest: Das DHB-Team hat das Halbfinale erreicht und Gegner Spanien enttäuscht zum zweiten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft. Das Weltklasse-Team ist angeschlagen.

Dabei waren die Ambitionen vor dem Turnier groß beim Europameister von 2018. Seit gut zwei Jahrzehnten gehört man zur Weltspitze im Handball. Doch auch 2019 reicht es zum zweiten Mal in Folge nicht für das WM-Halbfinale. Ein Überblick.

Bisheriger WM-Verlauf

Der 17. und 19. Januar wurden den Spaniern bei diesem Turnier zum Verhängnis. Dabei hatte alles so gut begonnen. Dem souveränen Auftaktsieg gegen Bahrain (33:23) folgten drei weitere, kaum gefährdete Erfolge gegen Island (32:25), Japan (26:22) und Mazedonien (32:21). 123 Treffer in vier Spielen, also mehr als 30 pro Partie im Schnitt - ein überragender Wert.

Stark am Kreis: Spanien in Kleins Gegner-Check Sportschau 22.01.2019 00:39 Min. Verfügbar bis 22.01.2020 Das Erste

Dann aber folgte das letzte Vorrunden-Spiel gegen Kroatien. Beide Teams hatten sich bereits für die Hauptrunde qualifiziert - es ging um den Gruppensieg und wichtige Punkte für die nächste Runde. Beim Stand von 7:7 gelang den Kroaten eine Serie von fünf Toren in Folge. Davon erholten sich die Spanier nicht mehr. Sie verloren die Partie mit 19:23 und standen gleich im ersten Hauptrundenspiel gegen Frankreich unter Druck.

Die beiden Handball-Schwergewichte lieferten sich in Köln ein gleichwertiges Duell - mit dem schlechteren Ende für die Spanier. Nach der 30:33-Pleite war für sie klar: Es braucht Schützenhilfe für das Erreichen des Halbfinales. Den Gefallen aber taten ihnen weder die Deutschen noch die Franzosen. Gegen die Brasilianer, dem ehemaligen Team von Spaniens Nationaltrainer Jordi Ribera, gab es zwar nochmal ein Offensiv-Feuerwerk (36:24), für das Halbfinale reicht es aber nicht. Dennoch: Vor diesem Angriff sollte das DHB-Team gewarnt sein.

Schlüsselspieler

Spaniens Ferrán Solé im Angriff gegen Frankreich

Spaniens Ferrán Solé im Angriff gegen Frankreich

Die Mannschaft ist etwas in die Jahre gekommen und zählt mit einem Durchschnittsalter von knapp 31 Jahren zu ältesten Teams bei der WM. Fünf Akteure aus dem aktuellen Kader wurden bereits 2013 Weltmeister. Doch die Spanier verfügen noch immer über Weltklasse-Spieler in ihren Reihen, allen voran Alex Dujshebaev und Ferrán Solé. Der 26-jähirge Dujshebaev spielt seit 2017 beim polnischen Topklub KS Kielce und wird damit ab kommendem Sommer Teamkollege von Deutschlands Torhüter Andreas Wolff. Gegen Deutschland bestreitet der Rechtsaußen sein 74. Länderspiel. Bisher kommt er auf 185 Tore.

Der zuletzt überragende Solé steht bei 81 Treffern für die Nationalmannschaft. Auch er ist 26 Jahre jung, auch er spielt Rechtsaußen. Der Profi von Fenix Toulouse lieferte gegen die Franzosen eine Fabel-Leistung ab und hielt sein Team mit insgesamt elf Treffern im Spiel. Sechs weitere ließ er gegen Brasilien folgen.

Direkter Vergleich

65 Spiele hat Deutschland bislang gegen Spanien absolviert. Die Bilanz: 26 Siege, fünf Unentschieden und 34 Niederlagen. Bei Weltmeisterschaften gab es zuletzt zwei Pleiten gegen die Iberer - 2011 (24:26) in der Vorrunde und 2013 (24:28) im Viertelfinale. Spanien wurde anschließend Weltmeister.

Im WM-Viertelfinale 2007 lief es genau andersrum. Damals besiegte das DHB-Team Spanien knapp mit 27:25 und holte kurze Zeit später den Titel. Ebenfalls in Köln - ein gutes Omen?

Prognose und Ausblick

Mit vier Punkten stehen die Spanier punktgleich (aber mit besserer Tordifferenz) mit Kroatien auf dem dritten Rang. Dieser würde für das Spiel um Platz fünf berechtigen, wie schon bei der letzten WM. Werden sie Vierter, spielen sie um Platz sieben.

Prokop über Halbfinalgegner: "Wir nehmen es so wie es kommt" Sportschau 22.01.2019 00:52 Min. Verfügbar bis 22.01.2020 Das Erste

Obwohl beides nicht dem Anspruch der Spanier genügt, dürften sie alles für einen Sieg im letzten Hauptrunden-Spiel in die Waagschale werfen. Für Deutschland zählt vor allem, weiter ungeschlagen zu bleiben und die positive Stimmung mitzunehmen. Außerdem geht es im Fernduell mit Frankreich um den Gruppensieg, der aber - angesichts der Tatsache, dass in der anderen Gruppe noch Dänemark, Schweden und Norwegen um das Weiterkommen kämpfen - keinen eindeutigen Vorteil bieten muss.

Vieles spricht für eine ähnlich spannende und ausgeglichene Partie wie zuletzt gegen Kroatien oder in der Vorrunde gegen Frankreich. Wenn es die beste Abwehr im Turnier (Deutschland, 86 Gegentore) schafft, die zweitbeste Offensive (Spanien, 117 Tore) in die Schranken zu weisen, dürfte dem nächsten Sieg nichts im Weg stehen.

Christian Prokop nominiert Tim Suton nach Sportschau 22.01.2019 00:21 Min. Verfügbar bis 22.01.2020 Das Erste

Stand: 23.01.2019, 06:00

Darstellung: