Handball-WM: Letztes "Testspiel" gegen Polen

DHB-Vizepräsident Bob Hanning

Vor Olympia-Qualifikationsturnier

Handball-WM: Letztes "Testspiel" gegen Polen

Von Robin Tillenburg

Verbands-Vize Bob Hanning bezeichnete die letzte WM-Partie der deutschen Handballer gegen Polen als "Vorbereitungsspiel für die Olympia-Qualifikation". Gerade die Defensive sollte einen Schritt nach vorn machen.

Nein, es sei kein Freundschaftsspiel mehr im Terminkalender möglich. Die Bundesliga müsse jetzt ihren Terminplan einhalten, stellte Hanning in der Pressekonferenz des DHB-Teams am Tag vor der Polen-Partie am Montag (25.01.2021, live im Ersten) klar.

Kader-Puzzle und viele Fragen

Damit ist auch klar: Es wird die letzte Chance für Alfred Gislason sein, seine Akteure unter Wettkampfbedingungen zu testen, ehe es am 12. März in das Qualifikationsturnier mit Schweden, Slowenien und Algerien geht. Zwei der vier Nationen sichern sich das Ticket für die Spiele in Tokio.

Auch wenn das Kader-Puzzle erst nach dem Turnier in den Vordergrund rücken wird, dürfte Gislason sich schon jetzt damit beschäftigen. Wen will er nochmal einige Minuten länger ausprobieren, den er im Turnier noch nicht so oft gesehen hat? Oder will er seine Stammformation um Philipp Weber, Kai Häfner und Co., die ihren Kaderplatz relativ sicher haben dürften, nochmal möglichst viel Zeit zum Einspielen geben?

Und wie wichtig ist ein Erfolg in diesem sportlich wertlosen Spiel für die Entwicklung der Mannschaft? Gibt er Andreas Wolff im Tor nochmal die Chance, sich zurück in die Form zu spielen, in der die Nationalmannschaft ihn braucht?

Abwehr im Fokus

All diese Fragen dürften in der Ausarbeitung des Matchplans eine Rolle spielen. Was im März anders besetzt sein wird, ist die Abwehr, die in diesem Turnier größere Probleme zeigte als die Offensive. Hendrik Pekeler, seines Zeichens wertvollster Spieler des Champions-League-Final-Four, und Patrick Wiencek vom THW Kiel sind wohl die beiden stärksten deutschen Spieler im Deckungszentrum und eben auch eingespielt.

Auch Johannes Golla, immer noch ja erst 23 Jahre alt, hat in diesem Turnier im Mittelblock der 6-0-Formation gezeigt, dass er in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. Der Melsunger Finn Lemke spielt sicherlich auch eine Rolle in den Überlegungen des Bundestrainers.

Wiencek und Pekeler im Moment top

Und aus dem aktuellen Kader? Sebastian Firnhaber, in der Bundesliga defensiv eine prägende Säule beim HC Erlangen, hat auf Topniveau noch Probleme. Gegen Brasilien wurde er kaum eingesetzt. Fabian Böhm machte seinen Job neben Golla solide und brachte Aggressivität ins Zentrum. An Pekeler und Wiencek vorbeizukommen dürfte aber schwierig werden.

Dass Golla allein schon aufgrund seines Alters und seiner daran gemessenen bereits durchaus großen Erfahrung auf Topniveau die Zukunft der deutschen Abwehr sein wird, gilt als sicher. Das Szenario einer Innenblock-Rotation aus Pekeler, Wiencek und Golla mit den Alternativen Lemke und Böhm und vielleicht in einiger Zeit Firnhaber klingt nicht allzu verkehrt.

Polnisches Team: Groß gewachsen und schnell

Gegen die Polen darf sich die DHB-Auswahl, die vor allem über den Kreis zu viele Tore kassierte - ein klares Zeichen von fehlender Abstimmung - nochmal auf eine andere Art von Offensivspiel einstellen. Die Polen sind nicht ganz so kreativ wie Ungarn oder Spanien, sondern suchen ihren Abschluss oft aus dem (erweiterten) Gegenstoß. Ein schnelles Rückzugsverhalten und eine schnelle Zuordnung sind da besonders wichtig.

Deutschlands WM-Gegner Polen im Check 00:45 Min. Verfügbar bis 24.01.2022

Steht die deutsche Deckung einmal und hat das Tempospiel unterbunden, wird die größte Herausforderung sein, die Halben rund um den 212 Zentimeter langen Tomasz Gebala oder den zwölf Zentimeter "kleineren" Szymon Sicko nicht zu einfachen Rückraumwürfen kommen zu lassen. Dafür bedarf es einer aggressiven Abwehrarbeit, wie sie gegen Brasilien zumindest über weite Strecken zu sehen war. Passivität und reines Blockspiel wird gegen die Polen nicht zum Erfolg führen.

Chance für Drux?

Offensiv erwartet die Deutschen ähnlich wie gegen Ungarn eine physische und groß gewachsene Deckung, die wohl eher über konsequentes und geduldiges Ausspielen und viel Bewegung zu überwinden sein wird, als über Rückraumschüsse. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit für den zweikampfstarken Paul Drux.

Der Berliner hat seine in der Offensive nicht extrem großen Spielanteile in diesem Turnier bisher für Eigenwerbung genutzt und sich die Anerkennung des Bundestrainers erspielt. Auch im Hinblick auf den März wäre ein starker Drux ein wichtiges Pfund, mit dem die DHB-Auswahl wuchern könnte.

Stand: 24.01.2021, 16:59

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