Handball-WM - das bringt das Viertelfinale

Kentin Mahé, Jim Gottfridsson, Niklas Landin und Sander Sagosen

Favoriten, Bauchschmerzen, Bundesligastars

Handball-WM - das bringt das Viertelfinale

Von Robin Tillenburg

Bei der Handball-WM geht es jetzt in die heiße Phase. Am Mittwochabend (27.01.2021) stehen die Viertelfinale an. Wer sind die Favoriten? Wer könnte überraschen?

Dänemark – Ägypten: Keine "Bauchschmerzen" beim Favoriten

Nur zwei Teams sind mit einer Bilanz von sechs Siegen aus sechs Spielen durch das Turnier marschiert. Dänemark ist eines davon. Der Titelverteidiger hatte allerdings auch noch keinen Titelaspiranten als Gegner. Die Kroaten sind weit von ihrem Potenzial entfernt und wurden entsprechend demontiert. Katar und Argentinien schlugen sich lediglich achtbar.

So konnten die Dänen einige Spieler wie Superstar Mikkel Hansen schonen. Der eine oder andere habe Magenprobleme gehabt, hieß es. Diese "Magenprobleme" sind ein heikler Punkt. Slowenien, das im letzten Hauptrundenspiel gegen Ägypten unentschieden spielte und deshalb die Hauptrunde verpasste, hatte nach eigenen Angaben zwölf Akteure, die vor der Partie ebenfalls unter Magenproblemen litten. Die Slowenen sagten danach, man sei sich sicher, dass dies "kein Zufall" sei.

Dänemark dominiert Kroatien - die Zusammenfassung Sportschau 25.01.2021 04:06 Min. Verfügbar bis 25.01.2022 Das Erste

Der Viertelfinaleinzug der Ägypter ist in jedem Fall ein großer Erfolg. Nur gegen Schweden gab es eine hauchdünne Niederlage. Der in Frankreich aktive Mohammad Sanad auf Rechtsaußen ist mit 32 Toren und davon neun Siebenmetern bester Werfer, ihm folgen Bukarests Kreisläufer Mohamed Mamdouh mit 29, Veszprems Yahia Omar im rechten Rückraum mit 22 und der ehemalige Flensburger und Routinier Ahmed El-Ahmar mit 19 Treffern. Auch wenn die Ägypter bisher wirklich tolle Leistungen zeigen, wäre ein Erfolg über die Dänen eine Handball-Sensation.

Video: Ägypten zieht ins Viertelfinale ein Sportschau 24.01.2021 05:00 Min. Verfügbar bis 24.01.2022 Das Erste

Schweden – Katar: Schwedens Tempospiel ist ein Problem

Durch eine Energieleistung sicherte sich Katar im letzten Hauptrundenspiel den Viertelfinaleinzug gegen Argentinien. Entscheidender Mann mal wieder: Frankis Carol Marzo. Der Halblinke von Sporting Portugal spielt das Turnier seines Lebens und hat sagenhafte 53 Tore auf dem Konto. Mehr als jeder andere im Turnier. Den deutschen Fans dürfte vor allem Rafael Capote noch ein Begriff sein. Er war schon 2015 Teil der Mannschaft, die Vizeweltmeister wurde. Unter den acht Viertelfinalisten ist das Team auf dem Papier das schwächste. Chancenlos ist es aber nicht.

Gegner Schweden ist zwar mit vier Siegen und zwei Remis noch ungeschlagen und begeistert mit erfrischendem Tempospiel, zeigte aber durchaus schwankende Leistungen. Gegen Belarus rettete man gerade noch einen Punkt und auch gegen die Slowenen taten die Skandinavier sich extrem schwer, ehe dann im letzten Hauptrundenspiel Russland förmlich an die Wand gespielt wurde.

Video: Debakel für russisches Team gegen Schweden Sportschau 24.01.2021 04:41 Min. Verfügbar bis 24.01.2022 Das Erste

Das Erfolgsrezept der Schweden sind vor allem die Tempogegenstöße über Flensburgs Hampus Wanne auf Linksaußen, die nach Palicka-Paraden am besten funktionieren. Aus dem gebundenen Spiel hängt alles an Wannes Flensburger Teamkollegen Jim Gottfridsson. Der ist mit 26 Assists einer der Top-Vorbereiter des Turniers und hat dazu selbst auch noch 17 Mal getroffen. Wenn das Tempospiel der Schweden funktioniert, dürfte es für Katar schwer werden.

Spanien – Norwegen: Weltklasse trifft auf Weltklasse

Niemand würde sich wundern, wenn das hier das WM-Finale wäre. Doch weil Norwegen in der Vorrunde gegen Frankreich eiskalt erwischt wurde, muss der EM-Dritte sich schon jetzt mit dem Europameister auseinandersetzen. Spanien und Norwegen sind neben den Dänen die beiden heißesten Titelanwärter. Dabei ist die Ausgangslage unterschiedlich: Die Iberer setzen mit ihrer in die Jahre gekommenen "goldenen Generation" in diesem Jahr alles daran, bei WM und Olympia noch zwei letzte Titel mitzunehmen.

Die Norweger sind eigentlich auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Die Leistungsträger rund um Superstar Sander Sagosen vom THW Kiel, der mit 50 Toren und 37 Assists mit riesigem Vorsprung Topscorer dieses Turniers ist, sind allesamt Mitte 20 bis Anfang 30 und sollten langsam mal einen Titel anstreben.

Doch wer gegen Spanien ein paar Fehler zu viel macht, kann nicht gewinnen. Das exzellente Torhüterduo sowie die variable und unangenehme Defensive ermöglichen viele blitzschnelle Tempogegenstöße. Dementsprechend sind auch die drei besten Torschützen der Iberer im Turnier schnelle Außenspieler. Darüber hinaus ist der Rückraum so erfahren, dass auch aus dem gebundenen Spiel immer wieder Lösungen gefunden werden. Eine Vorhersage fällt schwer. Der wohl beste Individualist der Welt, Sander Sagosen, bekommt es als Anführer einer wirklich guten Mannschaft mit dem wohl cleversten Team zu tun.

Frankreich – Ungarn: Mahé gegen Mathé

Die Franzosen sind nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2020 auch ohne Nikola Karabatic früher zurück in der Weltspitze als erwartet. Die Mannschaft von Ex-Bundesligaprofi Guillaume Gille hat alle sechs Begegnungen für sich entschieden und dabei Norwegen, das ambitionierte Portugal, die unangenehmen Schweizer und Isländer bezwingen können. Dreh- und Angelpunkt ist Kentin Mahé. Auf der Mitteposition lenkt er das Spiel bisher überragend, ist Top-Torschütze und zweitbester Vorbereiter seines Teams. Vor allem auf der rechten Seite hat er in den Rückraum-Assen Dika Mem und Nedim Remili zwei gefährliche Partner, aber das gesamte Team wirkt homogen.

Video: Frankreich auch gegen Portugal souverän Sportschau 24.01.2021 03:53 Min. Verfügbar bis 24.01.2022 Das Erste

Die Ungarn sind eine der positiven Überraschungen des Turniers. Die Mannschaft spielt erfrischend, hat in Dominik Mathé im rechten Rückraum eines der größten Talente auf dieser Position überhaupt in seinen Reihen und mit Spielmacher Mathe Lekai und Kreisläufer-Kolos Bence Banhidi eine ganz gefährliche Achse. Torhüter Roland Mikler gehört außerdem ebenfalls zu den besten seiner Zunft.

Auch wenn dem ziemlich jungen Team wohl die Stabilität fehlt, um eine Titelchance zu haben, ist es doch in der Lage, für jeden Gegner zum Problem zu werden. Die physische Defensivarbeit der Magyaren muss schließlich erst einmal verkraftet werden. Gut möglich, dass sie den Franzosen eine Partie auf Augenhöhe liefern.

Stand: 27.01.2021, 07:00

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