DHB-Kapitän Gensheimer angefressen: Kritiker seien "neidisch"

Uwe Gensheimer bei der 2021 IHF Handball-Weltmeisterschaft

Nach Aus bei WM in Ägypten

DHB-Kapitän Gensheimer angefressen: Kritiker seien "neidisch"

Uwe Gensheimer wirft seinen Kritikern "Neid und Missgunst" vor. Der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft war nach dem bedeutungslosen Sieg bei der WM gegen Brasilien genervt.

Schon wieder dieses Thema, schon wieder stand er im Fokus. "Och, eigentlich habe ich gar keinen Bock, auf die Frage zu antworten", moserte Gensheimer, als er im ZDF auf die Kritik aus der Heimat angesprochen wurde: "Die Statistiken sprechen für sich. Ich weiß, dass ich besser Handball spielen kann."

Dann aber stoppte Gensheimer nicht. Der Linksaußen, dessen Leistungen bei der Handball-WM in Ägypten wieder einmal nicht höchsten Ansprüchen genügten, legte nach dem verpassten Viertelfinale am Mikrofon erst so richtig los. "Ich weiß nicht, ob es der Vereinszugehörigkeit geschuldet ist irgendwo, Missgunst und Neid sind da manchmal schon ein bisschen da", sagte er nach dem sportlich bedeutungslosen 31:24 gegen Brasilien.

"Nach wie vor Rückhalt der Mannschaft"

"Nichtsdestotrotz glaube ich", ergänzte er mit Blick auf sein Amt als DHB-Anführer, "dass ich nach wie vor noch den Rückhalt der Mannschaft habe".

Abseits des Feldes befindet sich Gensheimer im Verteidigungsmodus. Mal wieder. Auf der Platte wirkt er auch in seinem siebten großen Turnier als Kapitän seltsam gehemmt.

"Vielleicht ist es zu viel für ihn: ein wichtiger Spieler zu sein und Kapitän der Mannschaft. Seine Körpersprache erstaunt mich", hatte jüngst Markus Baur, DHB-Kapitän beim deutschen WM-Titel 2007, der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten gesagt und damit Zweifel gesät, ob Gensheimer in seiner Rolle als Kapitän noch der Richtige ist.

Bundestrainer steht hinter seinem Kapitän

Bundestrainer Alfred Gislason will solche Diskussionen erst gar nicht aufkommen lassen. Gensheimers Amt stehe "überhaupt nicht zur Diskussion - im Gegenteil: Er macht seinen Job intern als Kapitän sehr gut", sagte der DHB-Coach am Sonntag (24.01.2021).

Auch Teamkollege Kai Häfner sprang "Gense" zur Seite: "Er ist in der Mannschaft absolut angesehen als Kapitän, er füllt das Amt sensationell aus." Häfner kann sich "keinen besseren Kapitän vorstellen".

Leise Kritik an Mitspielern

Gensheimer ist genervt von dieser seit Jahren schwelenden Debatte. Seine elf Turniertore in den bisherigen vier WM-Spielen entsprechen nicht seiner gewohnten Trefferquote. "Hier und da könnte unser Spiel auch noch ein bisschen mehr auf die Linksaußenposition ausgerichtet werden von den Halben", sagte Gensheimer und übte damit leise Kritik an seinen Mitspielern: "Da kommt auf der rechten Seite mehr an. Aber manchmal ist es halt so. Es ist, wie es ist."

Zu diesem Thema äußerte sich auch ARD-Experte Dominik Klein aus eigener Erfahrung ebenfalls: "Ich habe jahrelang unter Alfred Gislason in Kiel gespielt, sein Spielsystem ist jetzt gerade nicht auf Linksaußen ausgerichtet. Grundsätzlich möchte er, dass die Spielzüge bis zum Ende durchgespielt werden, aber ich hab auch immer sehr lange warten müssen, bis mal einer auf Linksaußen ankam."

Erfolgreiche EM 2016 wegen Verletzung verpasst

Seit 2014 ist der hochbegabte Uwe Gensheimer, der auf Klubebene haufenweise Titel gewonnen hat, Kapitän der deutschen Mannschaft. In Ägypten bestreitet er sein siebtes Turnier als Anführer des Teams.

Seine Qualitäten sind unbestritten, in 194 Länderspielen traf er sage und schreibe 934 Mal - doch der ganz große Wurf will ihm mit der Nationalmannschaft bislang einfach nicht gelingen. Beim EM-Titel 2016 fehlte Gensheimer verletzt, und auch das Turnier am Nil war nicht seines. Daran dürfte auch der WM-Abschluss gegen Polen am Montag (20.30 Uhr/live im Ersten) nichts ändern.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 24.01.2021, 18.30 Uhr.

sid/red | Stand: 24.01.2021, 13:30

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