Handball

Mem, Kohlbacher, Solé - worauf man bei der Handball-WM achten sollte

Dika Mem feiert ein Tor

Weltrekordhalter und Kronprinzen

Mem, Kohlbacher, Solé - worauf man bei der Handball-WM achten sollte

Von Robin Tillenburg

Auf wen (und was) man neben den Titelfavoriten und der deutschen Mannschaft bei der Handball-WM noch achten sollte? Sportschau.de liefert eine kleine Auswahl.

Dika Mem

Frankreich sucht einen neuen "Go-To-Guy" im Angriff. Nikola Karabatic, der jahrelang die Geschicke der Franzosen vor allem in engen Situationen leitete, ist verletzt und nicht beim Turnier dabei. Dika Mem ist zwar kein Neuling auf höchstem internationalen Parkett und wurde 2017 unter anderem Weltmeister, doch der Rückraum-Rechte vom FC Barcelona ist jetzt in Abwesenheit von Karabatic noch mehr im Fokus. Mit seinen immer noch erst 21 Jahren ist der 1,94-m-Mann, der auch auf der Spielmacherposition schon gute Spiele für die Franzosen gemacht hat, nun schon einer der absoluten Topspieler im Aufgebot von Didier Dinart. Ihn und seine Dynamik müssen auch die Deutschen und Bundestrainer Christian Prokop in der Vorrunde unbedingt auf dem Zettel haben. Dass in Nedim Remili (23) und Melvyn Richardson (21) zwei weitere junge Topspieler als Linkshänder im Team stehen, erhöht die Chance, dass Mem häufiger auf der Mitteposition zu sehen sein wird.

Jannik Kohlbacher

Deutschland hat am Kreis ein Überangebot: Patrick Wiencek (29 Jahre), Hendrik Pekeler (27) und Jannik Kohlbacher (23) können allesamt sowohl vorne als auch hinten auf höchstem internationalen Niveau agieren. Kohlbacher ist dabei bei noch leichten Abstrichen in der Defensivarbeit gegenüber den Top-Verteidigern Wiencek und Pekeler ein unglaubliches Offensivtalent - sogar eines der größten im Welthandball. Fängt er mit seiner enormen Physis und Dynamik den Ball, gibt es eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Tor oder Siebenmeter. Schon in den Vorbereitungsspielen war zu sehen, dass seine Mitspieler ihn, vielleicht sogar etwas zu oft, mit ihren Anspielen suchten. Da in Martin Strobel nun auch wieder ein klassischer Spielmacher im Kader steht, könnte Kohlbachers Rolle noch größer werden.

Ferrán Solé

Ferrán Solé beim Sprungwurf gegen Mazedonien

Ferrán Solé beim Sprungwurf gegen Mazedonien

Der spanische Rechtsaußen Ferrán Solé ist vielen Handballfans noch nicht so richtig ein Begriff. Zumindest denen nicht, die die EM 2018 nur am Rande verfolgt haben. Denn dort war der 26-Jährige bester Schütze der Spanier - 36 Treffer brachten ihn auf Rang fünf und die Iberer zum Europameistertitel. Als Siebenmeterwerfer und Flügelflitzer ist der Mann von Fenix Toulouse in Frankreich ein ganz wichtiges Element im Spiel der Spanier (gewesen). Die Zeiten, in denen Victor Tomás das Gesicht auf der Rechtsaußenposition der Spanier war, sind vorbei. Der international lange unbekannte Solé hat ein schweres Erbe einer Ikone angetreten und füllt es sportlich absolut aus. Holen die Iberer mit ihm den nächsten Titel?

Sander Sagosen

Sander Sagosen ist natürlich schon längst ein Weltstar. Mit seinen erst 23 Jahren spielt der Norweger beim möglicherweise am besten besetzten Klub Europas Paris Saint-Germain und ist dort eine der Schlüsselfiguren. Bei Norwegen ist der Spielmacher auch der unumstrittene Anführer des Offensivspiels. Über 300 Länderspieltore hat Sagosen bereits erzielt und ist so ein bisschen der vermeintliche Nachfolger seines Pariser Teamkollegen Nikola Karabatic, nicht nur bei Paris, sondern im Welthandball. Weil Karabatic bei diesem Turnier eben nicht am Start ist, könnte Sagosen der WM seinen Stempel noch mehr aufdrücken und seiner Rolle als "Kronprinz" endgültig auch auf internationalem Parkett entwachsen. Die Norweger sind mit ihrem spannenden und ausgewogenen Kader übrigens auch einer der legitimen Titelanwärter.

Ádám Juhász

Auf der Linksaußenposition bei den Ungarn steht in Ádám Juhász ein spannender, 22 Jahre alter Flügelflitzer. Unter den lange so dringend gesuchten ungarischen Nachwuchsspielern ist Juhász gemeinsam mit Kreisläufer-Hüne Bence Bánhidi wohl der spannendste. Schon bei der WM 2017 hatte Juhász für die Magyaren aufgetrumpft und unter anderem gegen die DHB-Auswahl drei Treffer erzielt. Mit seinen Wurfvarianten, seinem Tempo und seiner Durchsetzungsfähigkeit auch im Gegenstoß dürfte er einer der Leistungsträger der Ungarn in dieser schwierigen Gruppe D werden.

Gudjon Valur Sigurdsson

Auf Linksaußen spielt auch Gudjon Valur Sigurdsson. Der könnte aber sogar der Vater etlicher Spieler im Turnier sein - das ist zwar extrem unwarscheinlich, ein echtes Vorbild für eigentlich jeden Handballer ist er aber definitiv. Der Linksaußen, der in der Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen aktiv ist, ist mit 39 Jahren der älteste Feldspieler der WM. Mit über 1.800 Treffern ist der Isländer längst Weltrekordhalter in Sachen Länderspieltoren.

Einen solchen Spieler noch einmal bei einem großen Turnier sehen zu dürfen, ist ein Privileg, das jeder Fan genießen sollte. Schließlich ist nicht sicher, wie lange er seine Länderspielkarriere noch fortsetzt. Die Isländer gehören zwar nicht zu den Topfavoriten, doch mit einem Mann im Kader, der in Island, Dänemark, Deutschland und Spanien teilweise mehrfach Meister wurde, die Champions League und den EHF-Pokal gewonnen und so viele Tore in einer Nationalmannschaft geworfen hat wie niemand vor ihm, ist alles möglich. Zum "alten Eisen" gehört "Goggi" übrigens noch lange nicht. Aktuell steht er auf Rang zehn der Torschützenliste der Bundesliga, und wer an seiner Fitness zweifelt, der darf gerne mal auf seiner Instagram-Seite vorbeischauen.

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Die schwedische "Bundesligaauswahl"

Als Schwedens isländischer Nationaltrainer Kristján Andrésson seinen Kader zusammenstellte, war er ligentechnisch nicht besonders einfallsreich. Von den 17 Mann, die (Stand: 05.01.2019) im vorläufigen Kader stehen, spielen 13 in der Bundesliga. Nur Andreas Nilsson (Veszprem, früher HSV Hamburg), Kim Andersson (Ystads IF, früher THW Kiel), Kim Ekdahl du Rietz (PSG, früher Rhein-Neckar Löwen) und der dritte Keeper Tobias Thulin (Redbergslids IK) sind bei keinem Bundesligisten unter Vertrag. Viermal Rhein-Neckar Löwen, dreimal Flensburg, je zweimal Bergischer HC und THW Kiel, sowie Mattias Zachrisson von den Füchsen Berlin und Albin Lagergren aus Magdeburg. Alles Teams aus den Top-Acht der Liga - kein Wunder also, dass die Schweden zu den Geheimfavoriten gehören. Insgesamt stellt die Bundesliga auch die meisten Spieler bei diesem Turnier - die Rhein-Neckar Löwen sind mit 13 abgestellten Akteuren das "Spitzenteam" in dieser Kategorie.

Spanische und isländische Trainerdominanz

Alle vier aktuellen Kontinentalmeister (Argentinien, Katar, Spanien, Tunesien) werden von Spaniern trainiert. Manolo Cadenas, Valero Rivera, Jordi Ribera und Toni Gerona sind aber nicht die einzigen spanischen Trainer bei diesem Turnier. Auch Ägypten (David Davis), Chile (Mateo Garralda) und Mazedonien (Raúl González) setzen auf einen Iberer an der Seitenlinie. Während beispielsweise Rivera und Ribera ähnliche Konzepte verfolgen und viel Isolationshandball spielen lassen, der auf die Entscheidungsfindung der jeweiligen Superstars in Zweikämpfen setzt, ist beispielsweise die Spielanlage der Argentinier oder Tunesier eine komplett andere.

Das einzige andere Land, das bei diesem Turnier mehr als einen Trainer stellt, ist übrigens Island. Trotz nicht einmal 400.000 Einwohnern sind die Nordmänner mit fünf Übungsleitern vertreten: Andrésson (Schweden), Gudmundur Gudmundsson (Island), Patrekur Jáhannesson (Österreich), Aron Kristjánsson (Bahrain) und eben Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson (Japan). Bis auf Andrésson, der aber eben de facto eine schwedische Bundesligaauswahl trainiert, haben alle isländischen Coaches als Spieler und/oder Trainer auch Deutschland-Erfahrung.

Stand: 07.01.2019, 08:30

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