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Österreichs junge Wilde und die Chance auf die Hauptrunde

Nikola Bilyk jubelt für Österreich

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Österreichs junge Wilde und die Chance auf die Hauptrunde

Von Robin Tillenburg

Österreich hat es mit seinem jungen Team nach kürzlich vollzogenem Umbruch nun schon zum zweiten Mal in Serie zu einem großen Turnier geschafft. Wenn alles passt, ist vielleicht sogar die Hauptrunde drin.

Aus dem Kader, den der aus Island stammende Cheftrainer Patrekur Jóhannesson zur Verfügung hat, sind nur sechs Akteure älter als 26 Jahre (Stand: 10.01.2019). Damit ist die österreichische Auswahl eines der jüngsten Teams im Turnier.

Nachdem Jóhannesson, der seit 2011 für die Geschicke der Mannschaft verantwortlich ist, 2016 einen Umbruch eingeleitet hat, ist die Tendenz positiv. Nach zuvor nur drei WM- und zwei EM-Teilnahmen überhaupt wurde danach nur noch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2017 verpasst. Bei der EM 2018 und eben auch jetzt bei der Weltmeisterschaft waren, beziehungsweise sind, die "Ösis" am Start.

EM 2018: Lehrgeld - WM 2019: Abkassieren

Während das junge Team bei der Euro 2018 noch Lehrgeld zahlte und die Vorrundengruppe als punktloser Letzter hinter Frankreich Norwegen und Weißrussland abschloss, sind die Aussichten ein Jahr später nun deutlich besser. Hatte man gegen die Weißrussen im Turnier eben noch verloren, setzte sich das Team um Kiels Ausnahmespieler Nikola Bilyk diesmal in den Qualifikations-Play-offs gegen ebendiese Weißrussen durch.

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Nun darf es sogar ruhig etwas mehr sein als die Vorrunde. Kapitän Bilyk zur Zielsetzung: "Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, dann werden wir zusammen noch sehr weit nach oben kommen. Unser Ziel ist, Dritter zu werden." Das würde bedeuten, dass die Mannschaft die Hauptrunde erreichen und um die Halbfinalteilnahme spielen würde. Ein enormer Erfolg. Vor diesem steht aber eine harte Vorrundengruppe in Herning an. In Co-Gastgeber Dänemark und Norwegen gehören gleich zwei Titelanwärter zu den Kontrahenten in Gruppe C.

"Finale" um die Hauptrunde gegen Tunesien?

Realistischerweise streitet Österreich sich um den Platz dahinter wahrscheinlich vor allem mit Tunesien. Chile und Saudi-Arabien sind zwar weltmeisterschaftserfahrene Teams und müssten auch mit voller Konzentration bespielt werden, wie auch Jóhannesson unlängst anmahnte, auf dem Papier wird es für Rang drei aber wohl heißen: Nordafrika oder Alpenrepublik.

Passenderweise findet genau diese Begegnung am letzten Gruppenspieltag statt, am 17. Januar. Bis dahin müssen gegen Auftaktgegner Saudi-Arabien (Freitag, 11.01.2019) und den zweiten Kontrahenten Chile jeweils Siege eingefahren werden, ehe es gegen Norwegen und Dänemark um "Bonuspunkte" geht.

Topleute spielen in Deutschland

Die Topspieler des Teams sind in Deutschland aktiv: Der erst 22 Jahre alte Bilyk ist in Kiel längst Leistungsträger und im Rückraum die unumstrittene Gallionsfigur. Der kurzfristige Ausfall von Alexander Hermann (HSG Wetzlar), der ihn dort eigentlich unterstützen sollte, tut weh. Für ihn wurde sein Zwillingsbruder Maximilian (früher Bergischer HC und Gummersbach, inzwischen Alpla HC Hard in Österreich) nachnominiert.

Auf den Außenpositionen sind Magdeburgs Vereinsikone Robert Weber und Leipzigs Sprungwunder Raul Santos die Stammbesetzung. Ein weiterer erfahrener Mann im Rückraum ist Janko Bozovic, der auf Halbrechts für Zweitligist TV Emsdetten auf Torejagd geht. Der Rest des Aufgebots besteht größtenteils aus Talenten, die in der Heimat oder der Schweiz aktiv sind.

Prominenter Torwarttrainer

Zwischen den Pfosten stehen der für den werdenden Vater Thomas Bauer nachnominierte 42-Jährige Nikola Marinovic (bis vor kurzem HSG Wetzlar) und Kristian Pilipovic (24, Kadetten Schaffhausen). Beide sind Keeper auf ordentlichem internationalen Niveau. Der Star ist hier aber der Torwarttrainer: Der Schwede Mattias Andersson war bis zum Sommer 2018 etwa 15 Jahre lang eine der prägenden Figuren des Welthandballs auf dieser Position.

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Blick auf Euro 2020

Gerade im Hinblick auf die Europameisterschaft 2020, bei der die Österreicher neben Schweden und Norwegen Ausrichter sind, wäre das Erreichen der Hauptrunde ein wichtiger Fingerzeig dafür, dass es sportlich gesehen in die richtige Richtung geht. Um Bilyk, der ja seinen Zenit altersmäßig noch weit vor sich hat und zu einem der prägenden Spieler im Welthandball werden kann, soll bis dahin ein schlagkräftiges Team stehen, das sich auch in Hauptrundenspielen nicht verstecken muss.

Robert Weber zieht zum Tor

Optimistisch: Robert Weber

Weber, sieht jedenfalls keinen Grund, aus dem das nicht schon diesmal gelingen soll: "Wir haben uns seit der EM in Kroatien weiterentwickelt. Wir waren damals noch eine relative junge, unerfahrene Mannschaft. All die 16 Männer die jetzt mit an Bord sind, haben sich in ihren Vereinen weiterentwickelt. Deshalb bin ich guter Dinge, dass wir unser Ziel erreichen." 

Stand: 11.01.2019, 06:00

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