Michael Roth zur WM: "Ich hoffe, ich werde positiv überrascht"

Michael Roth an der Seitenlinie

Handball-WM in Ägypten

Michael Roth zur WM: "Ich hoffe, ich werde positiv überrascht"

Michael Roth hätte eigentlich als Nationaltrainer von Bahrain an der Handball-WM in Ägypten teilgenommen. Auch wegen der Eindrücke, die er, der im März am Coronavirus erkrankt war, vor einigen Monaten dort gewann, hat er sein Amt aber niedergelegt.

Sportschau: Michael Roth, Sie waren ja im November mit der Nationalmannschaft Bahrains in Ägypten, welche Eindrücke haben Sie da für sich mitgenommen?

Roth: Wir waren dort zu zwei Testspielen. Ich war da ein bisschen naiv. Ich dachte natürlich, dass die Ägypter probieren, bei zwei Länderspielen das Hygienekonzept schon einmal ausprobieren. Ich bin sehr überrascht gewesen, wie lax und wie unvorsichtig man dort mit dem Thema Corona umgeht.

Sportschau: Was genau war da "lax", was Sie jetzt kritisieren würden?

Roth: Die Menschen schienen dort wenig sensibilisiert zu sein. Das war in Bahrain ganz anders. Die Ägypter waren da etwas chaotischer. Viele junge Menschen liefen ohne Maske herum. Es wurde wenig kontrolliert. Bei uns im Hotel waren drei große Hochzeiten ohne Maske. Es war schon so, dass man sagen kann, dass das weit weg von dem war, was wir hier bei uns haben.

Sportschau: Trauen Sie dem Verbandskomitee rund um Hassan Moustafa zu, dass jetzt, wenn er es sagt, tatsächlich alles optimiert ist?

Roth: Das kann ich nur hoffen. Ich war damals bei der IHF-Videkonferenz dabei, wo es um das Blasenkonzept ging, weil ich damals ja auch dachte, dass ich da als Trainer hinfahre. Das hört sich alles toll an, aber die Umsetzung wird, denke ich, schwierig sein. Wenn das nur annähernd so ist, wie ich es erlebt habe, dann könnte das ganz böse Folgen haben. Andererseits ist die Entscheidung, Zuschauer rauszulassen, natürlich genau richtig für dieses Blasenkonzept. Ich hoffe, ich werde positiv überrascht.

Sportschau: Wie stehen Sie generell dazu, dass diese WM so jetzt in Ägypten stattfindet?

Roth: Ich habe meinen Job als Nationaltrainer aus dem Grund aufgegeben, dass ich gemerkt habe, dass momentan nicht die Zeit ist, um in der Weltgeschichte rumzufliegen. Ich habe meine letzte Entscheidung dann auch nach dem Ägypten-Trip gefällt, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, da drei Wochen in so einer Blase zu leben. Dass die WM stattfindet, ist für den Handball wichtig, man hätte aber auch darüber nachdenken können, die ganze Sache zu verschieben, wie andere es auch gemacht haben.

Sportschau: Einige Spieler aus der deutschen Nationalmannschaft haben ja aus verschiedenen Gründen abgesagt. Können Sie deren Absagen verstehen und auch nachvollziehen, dass sie sonst mit einem mulmigen Gefühl dahin geflogen wären?

Roth: Die Spieler, die ein gewisses Alter und eine gewisse Erfahrung haben und Familienväter sind, haben natürlich länger darüber nachgedacht, ob man ein solches Risiko eingeht. Andererseits sind die Spieler aber natürlich auch in einer ganz seltsamen Situation. Es geht da um Karrieren und auch um Geld und Marktwert eines Spielers. Da hätte ich mir gewünscht, dass man den Spielern die Entscheidung abnimmt und die WM verschiebt. So musste jetzt jeder Spieler für sich selber entscheiden.

Sportschau: Was trauen Sie denn dieser neu formierten deutschen Mannschaft bei diesem Turnier zu?

Roth: Es ist ja oft so, dass man als Trainer, wenn wichtige Spieler ausfallen, auf Ideen kommt, die man sonst gar nicht gehabt hätte, weil man sonst auf vertraute Spieler zurückgreift. Jetzt haben wir einen sehr guten und sehr erfahrenen Bundestrainer und der hat die Chance, jüngere Spieler heranzuführen. Das kann immer zu Überraschungen führen, wie man das auch bei der EM 2016 gesehen hat, als Deutschland Europameister geworden ist. Die Mannschaft ist immer noch gut genug, um ins Halbfinale zu kommen.

Das Gespräch führte Hendrik Deichmann.

Stand: 13.01.2021, 15:18

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