Handball

Team Korea bei der Handball-WM - Es wird historisch

Koreas Handballer beim Training

Handball-WM

Team Korea bei der Handball-WM - Es wird historisch

Zum ersten Mal tritt bei einer Handball-WM eine gesamtkoreanische Mannschaft an. 16 Spieler aus Süd- und vier Spieler aus Nordkorea sind im Kader, der eigens dafür vergrößert werden durfte.

Wenn die deutschen Handballer am Donnerstag (10.01.2019) bei der Heim-WM gegen Korea antreten, schaut die ganze Welt hin. Doch sie tut das nicht unbedingt, um den ersten Sieg der Mannschaft um Uwe Gensheimer zu erleben. Und sie tut das auch nicht, weil sie vielleicht auf einen Ausrutscher des Mitfavoriten hofft.

Es geht um mehr als um ein Eröffnungsspiel bei einer Handball-WM. Erstmals in der WM-Geschichte tritt eine gesamtkoreanische Mannschaft an. Das ist historisch und hat Symbolkraft.

"Weg des Friedens"

Das liegt auch am Ort des Geschehens, der ehemaligen Mauerstadt Berlin im früher geteilten Deutschland. "Mit dem Fall der Mauer ist man den Weg des Friedens gegangen. Deshalb möchten wir als gemeinsames Team zeigen, dass wir als Koreaner auch diesen Weg gehen können", sagte der südkoreanische Cheftrainer Cho Young-shin.

Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann fühlt sich "aufgrund unserer eigenen Geschichte sehr berührt", und als Gäste haben sich in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und IOC-Präsident Thomas Bach angekündigt.

Handball-WM - Vorfreude bei Deutschlands Spielern Morgenmagazin 08.01.2019 01:04 Min. Verfügbar bis 08.01.2020 Das Erste

Vier Spieler aus Nordkorea dabei

Vier Spieler aus Nordkorea verstärken das südkoreanische Team, das sich regulär für die WM qualifiziert hatte - Pak Jong-gon, Ri Kyong-song, Ri Yong-myong und Ri Song-jin. Deshalb erlaubte der Weltverband IHF auch, dass der koreanische Kader 20 statt 16 Spieler umfassen darf.

Hauptinitiator der Aktion war IHF-Präsident Hassan Moustafa. Bei den Olympischen Winterspielen war ein vereintes koreanisches Eishockey-Frauenteam angetreten und trotz des letzten Platzes eine der großen Attraktionen in Pyeongchang.

Das will der Ägypter auch im Handball sehen. Korea wird mit dem Länderkürzel COR und der weiß-blauen Flagge, die das vereinte Land symbolisiert, antreten. Dahinter steckt auch, dass sich Nord- und Südkorea gemeinsam um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032 bewerben wollen.

Zunächst "ungewohnt" und "befremdlich"

Seit dem 22. Dezember bereitet sich Korea in Deutschland auf die WM vor. "Als wir die Nordkoreaner kennengelernt haben, war es etwas befremdlich", sagte Trainer Cho: "Aber mit jedem Abend im Hotel, mit jedem Training, jedem Essen kamen wir uns näher und sind nun freundschaftlich miteinander verbunden."

Ihm steht in Sin Myong-chol der nordkoreanische Auswahl-Trainer als Assistent zur Seite. "Es gab ein offizielles Kennenlern-Treffen. Das war alles ungewohnt, aber mittlerweile ist es sehr harmonisch zwischen uns", sagte Sin.

Keine Spieler aus Armeeklubs

Cho verspricht, "dass in jeder Partie mindestens ein Nordkoreaner zum Einsatz kommt. Wir hatten zwar nur zwei Wochen Zeit, aber die hat ausgereicht, die Stärken und Schwächen der Spieler zu sehen."

Er nominierte keine südkoreanischen Spieler aus einem Armeeklub, weil alle Nordkoreaner Soldaten sind und sich beide Länder formal im Kriegszustand befinden. Ob das Quartett aus Nordkorea wirklich eine Verstärkung ist, wird sich zeigen. Doch des Friedens wegen nehmen die Südkoreaner sogar eine Schwächung in Kauf.

In der Außenseiterrolle

Für Bundestrainer Christian Prokop sind die Asiaten eine Wundertüte. Von den vier Spielern aus Nordkorea gibt es nur wenig Videomaterial. "Sie spielen einen schnellen Ball und sind taktisch diszipliniert. Das wird ein echter Prüfstein für uns", sagte er. Gegen Südkorea ist Deutschland noch ungeschlagen. In fünf Spielen gab es vier Siege und ein Remis.

Korea qualifizierte sich als Dritter der Asienmeisterschaft 2018, die vormals dominierende Nation Asiens hatte zuletzt 2015 und 2017 aber die Qualifikation für die WM-Endrunde verpasst. Der größte Erfolg gelang 1988, als bei den Olympischen Spielen in Seoul die Frauen Gold und die Männer Silber gewannen. Beste WM-Platzierung war Rang acht 1997 bei der Endrunde in Japan.

"Werden das Beste geben"

Auch das Team selbst sieht sich als Außenseiter. "Wir sind in der Todesgruppe", sagte Trainer Cho. Dem Auftakt gegen Deutschland sehen die Asiaten mit Spannung entgegen. "Das wird ein sehr schweres Spiel, aber wir sind ein junges Team, haben eine große Leidenschaft und werden das Beste geben", sagte Kapitän Jung Su-young. Doch auch wenn es am Ende die erwartete Niederlage gibt - es geht um viel mehr als nur um Handball.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 8.1., ab 22.50 Uhr

vdv/sid/dpa | Stand: 08.01.2019, 14:13

Darstellung: