Handball

Handball-WM - Von der Magerkost zum Wintermärchen

Trainer Vlado Stenzel (r.) und Erhard Wunderlich bei der WM 1982

Historie

Handball-WM - Von der Magerkost zum Wintermärchen

Zum siebten Mal findet eine Handball-WM auf deutschem Boden statt. sportschau.de blickt kurz auf die vergangenen Turniere zurück.

1938 Deutsches Reich: Nach zwei Tagen war alles vorbei

Nur vier Nationen, nur sechs Spiele, nur zwei Spieltage und nur 53 Tore: Die Handball-WM 1938 im Deutschen Reich war im Vergleich zu heutigen Turnieren Magerkost. Die WM wurde im Modus "Jeder gegen jeden" ausgetragen, alle Spiele fanden in Berlin statt, und die Spielzeit betrug 2 × 15 Minuten. Am Ende setzten sich die Deutschen um ihren "Star" Hans Theilig vor Österreich, Schweden und Dänemark durch. Es war die erste Handball-Weltmeisterschaft überhaupt.

1958 DDR: Gesamtdeutsches Team nicht eingespielt

20 Jahre später sah es in der Deutschen Demokratischen Republik schon anders aus. 16 Teams waren am Start, gespielt wurde in Erfurt, Ost-Berlin, Magdeburg, Rostock und Leipzig. Die Bundesrepublik und die DDR traten wie schon 1954 mit einer gesamtdeutschen Mannschaft an.

Weltmeister wurde Schweden vor der Tschechoslowakei, Deutschland wurde am Ende Dritter. Zu mehr reichte es damals nicht, weil die Spieler aus Ost und West unterschiedliche Spielsysteme und nicht genügend gemeinsame Vorbereitungszeit hatten. Mit im Team war unter anderem Peter Kretzschmar, Vater des späteren Nationalspielers Stefan. Betreut wurde die Mannschaft von zwei Trainern.

1961 BR Deutschland: Der vorerst letzte gemeinsame Auftritt

Auch die vierte WM fand auf deutschem Boden statt. Und sie war eine Besondere, denn die Bundesrepublik und die DDR traten zum letzten Mal vor der Wiedervereinigung mit einer gemeinsamen Mannschaft an.

Zwölf Teams waren dabei, es gab 16 Spielorte - unter anderem Haßloch und Sankt Ingbert. Das Finale von Dortmund gewann Rumänien gegen die Tschechoslowakei, Deutschland wurde Vierter.

1974 DDR: Titel knapp verpasst

1974 verpasste die Auswahl der DDR bei ihrer Heim-WM den Titel nur knapp. Im Finale von Ost-Berlin musste sich das Team von Trainer Heinz Seiler mit 12:14 Rumänien geschlagen geben. Das Team aus der Bundesrepublik verpasste die Hauptrunde und wurde Neunter. Elf Spielorte gab es damals, unter anderem auch Gera, Schwerin und Dessau.

1982 BR Deutschland: Als Wunderlichs Treffer nicht ausreichten

Die Heim-WM im Jahr 1982 sollte ein großes Fest für die Handballer der Bundesrepublik werden. 16 Teams waren dabei, und die Verantwortlichen hatten damals wohl eine WM für das gesamte Land im Blick. Gespielt wurde in mehr als 20 Städten - unter anderem in Homburg, Eppelheim, Sindelfingen, Elsenfeld, Haltern und Brake.

Doch es kam anders. Das Team von Trainer Vlado Stenzel ging als Titelverteidiger ins Turnier, wurde am Ende aber nur Siebter. Schon in der Vorrunde hatte man gegen die UdSSR keine Chance. In der Hauptrunde setzte es zudem eine Pleite gegen die DDR. Gegen die Schweiz reichte es nur zu einem Remis. Im Finale von Dortmund feierte die UdSSR einen Sieg gegen Jugoslawien.

Grund für das bescheidene Abschneiden war ein Umbruch im Team. Etliche Weltmeister von 1978 in Dänemark waren nicht mehr dabei - unter anderem Heiner Brand, Joachim Deckarm, Arno Ehret und Kurt Klühspies. Bester Mann und Allzweckwaffe des deutschen Teams war Erhard Wunderlich. Doch "Sepp" war im Grunde in der Offensive der Alleinunterhalter, seine  40 Tore reichten am Ende nicht zum Erfolg. Das Team aus der DDR wurde Sechster.

2007 Deutschland: Das Wintermärchen von Köln

"Drei", "Zwei", "Eins": 20.000 völlig euphorisierte Zuschauer zählten lauthals die letzten Sekunden herunter, dann gab es kein Halten mehr. Die Spieler hüpften völlig losgelöst über das Parkett, Trainer Heiner Brand verfolgte sichtlich gerührt das Treiben auf den Tribünen - und aus den Lautsprechern in Köln erklang der WM-Hit: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Die deutschen Handballer krönten am 4. Februar 2007 durch den 29:24-Finalerfolg gegen Polen ihr Wintermärchen und verzückten mit dem dritten WM-Titel für die DHB-Auswahl ein ganzes Land.

Dabei hatte die DHB-Auswahl zu Turnierbeginn wenig überzeugt. In der Vorrunde gab es gegen den späteren Finalgegner Polen noch eine Niederlage. Erst mit drei Siegen in der Hauptrunde und dem Viertelfinal-Erfolg gegen Spanien nahm die Mannschaft so richtig Fahrt auf und die Fans in Deutschland mit. Unvergessen ist der epische Halbfinal-Krimi gegen Frankreich. Nach dem 32:31 nach zwei Verlängerungen kochte die Arena in Köln. Im Finale ließ das Team gegen Polen beim 29:24 dann nichts anbrennen.

vdv | Stand: 05.01.2019, 10:00

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