Handball

Karabatic - der Erfolgsgarant beflügelt Frankreich

Nikola Karabatic: "Ich bin fit" Sportschau 13.01.2019 04:06 Min. Verfügbar bis 13.01.2020 Das Erste

Überraschendes Comeback

Karabatic - der Erfolgsgarant beflügelt Frankreich

Nikola Karabatic scheint Frankreichs Handballer allein durch seine Anwesenheit zu beflügeln. Durch das plötzliche Comeback des Superstars steigt die Zuversicht der "Equipe Tricolore", den Titel verteidigen zu können.  

Nikola Karabatic betrat die Halle - und sofort waren alle Augen auf ihn gerichtet. Fans bestürmten den Handball-Superstar und baten um Autogramme und Selfies. Journalisten verfolgten jede Reaktion des Franzosen auf der Tribüne. Beim 32:21-Sieg des Titelverteidigers gegen Serbien jubelte Karabatic, er klatschte, er schlug sich die Hände vors Gesicht. Keine Frage: Karabatic hätte am liebsten selbst mitgespielt. Und bald kann er das wohl auch.

Eigentlich abgesagt

Karabatic, der vor drei Monaten wegen eines Schiefstandes des großen Zehs am linken Fuß operiert worden war und seine WM-Teilnahme eigentlich bereits abgesagt hatte, steht Turnierfavorit Frankreich plötzlich doch zur Verfügung. Ob seine Fitness schon für das Vorrundenspiel am Dienstag (15.01.2019) gegen die deutsche Nationalmannschaft reicht, ist offen.

Klein: "Karabatic wird Frankreich unfassbar helfen" Sportschau 13.01.2019 01:10 Min. Verfügbar bis 13.01.2020 Das Erste

"Im Leben ist alles vorstellbar, aber wir haben noch keinen Plan", sagte der frühere Kieler vor seinem ersten WM-Training am Sonntag: "Dem Fuß geht es gut, ich bin fit." Für ihn sei es "schon ein Riesensieg, nur dabei zu sein", ergänzte der Rückraumspieler: "Wenn ich jetzt auch noch spielen kann, wäre das der Himmel für mich." Der ARD-Experte und ehemalige Nationalspieler Dominik Klein rechnet allerdings mit einem Einsatz gegen Deutschland. "Das ist das wichtigste Spiel in der Gruppe. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er schon gegen uns spielen wird", sagte Klein.

Unzählige Titel

Karabatic hat die große Ära der französischen Handballer in den vergangenen 16 Jahren maßgeblich mitgestaltet. Für den gebürtigen Serben, der 2012 in eine Wettmanipulationsaffäre verstrickt war, wäre ein WM-Start in Deutschland das 21. große Turnier in Folge und die achte WM. Der 34-Jährige holte mit der "Equipe Tricolore" zweimal Olympiagold (2008 und 2012), wurde zwischen 2006 und 2018 viermal Welt- und dreimal Europameister.

Dazu kommen auf Vereinsebene drei Siege in der Champions League sowie 16 Meisterschaften und zwölf Pokalsiege in Frankreich, Deutschland und Spanien. Der dreimalige Welthandballer steht in Frankreich wie kein Zweiter für Erfolg und wird dort wegen seines Titelhungers "der Kannibale" genannt.

Frankreichs Handballer legen gegen Serbien deutlich zu Sportschau 12.01.2019 01:52 Min. Verfügbar bis 12.01.2020 Das Erste

"Extrem viel Erfahrung"

Uwe Gensheimer, Karabatics Teamkollege bei Paris Saint-Germain, musste "schmunzeln", als er von der Nachricht hörte. Ganz überrascht war der DHB-Kapitän aber nicht, obwohl sein Klub von einer vier- bis sechsmonatigen Verletzungspause ausgegangen war. "Er hat im Dezember schon erste Laufeinheiten gemacht und bei PSG in der zweiten Mannschaft mittrainiert", sagte Gensheimer.

In Frankreich genießt Karabatic einen ähnlichen Promistatus wie die großen Fußballstars von PSG. Die Rückkehr des Kapitäns wurde euphorisch aufgenommen. Schon die Nachricht von seinem Comeback schien Frankreichs Handballer zu beflügeln. Denn die lieferten beim 32:21-Sieg gegen Serbien eine weitaus bessere Leistung ab als beim mühevollen 24:22-Auftakterfolg gegen Brasilien.

"Fakt ist, dass er extrem viel Erfahrung hat und mit seiner Präsenz in Abwehr und Angriff eine Stütze ist", sagte Gensheimer. Und Torhüter Andreas Wolff erklärte: "Ich denke, das macht den Kader der Franzosen, der ja ohnehin nicht schlecht besetzt ist, ganz sicher nicht schwächer."

Gensheimer sieht kleines Risiko für Frankreich

Die hatten sich vor dem Turnierstart ohne ihren Star nicht unbedingt als der große Favorit gesehen. Es war dem Team anzumerken, dass es nicht so recht weiß, wo es steht. "Natürlich ist das ein Ausfall, der nicht zu ersetzen ist. Das wird eine Riesenaufgabe für uns, das irgendwie zu kompensieren", sagte Trainer Guillaume Gille, der das Team gemeinsam mit Didier Dinart betreut, vor dem Start. Jetzt sind die Zuversicht und das Selbstbewusstsein, den Titel verteidigen zu können, gewiss gestiegen.

Uwe Gensheimer sieht aber auch einen Nachteil für die Franzosen. "Es kann auch sein, dass die anderen Spieler in kritischen Phasen die Verantwortung an ihn abgeben und dass man sich als Gegner besser darauf einstellt", sagte er.

vdv/sid/dpa | Stand: 13.01.2019, 19:32

Darstellung: