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Handball-WM - der DHB-Kader im (Form-)Check

Handball-WM in Deutschland - goldene Momente? Sportschau 21.12.2018 00:30 Min. Verfügbar bis 21.12.2019 Das Erste

Fragezeichen im Rückraum

Handball-WM - der DHB-Kader im (Form-)Check

Von Robin Tillenburg

Für die deutsche Handball-Nationalmannschaft beginnt mit einem Kurz-Lehrgang die Vorbereitung auf die Heim-WM. Wie ist das Team aufgestellt? Wie ist die Form? Wo sind die Baustellen?

18 Spieler sind im engeren Kader, der zu Beginn des Turniers noch einmal ein klein wenig enger wird und zum Start am 10. Januar auf 16 Akteure reduziert werden muss. Maximal drei Wechsel kann Bundestrainer Christian Prokop während des Turniers noch vornehmen und sich dafür auch aus dem erweiterten 28er-Aufgebot bedienen, das er am 10. Dezember benannt hatte.

Tor - keine Sorgen

Für 18er-Kader nominiert: Silvio Heinevetter und Andreas Wolff - Reserve: Dario Quenstedt, Johannes Bitter

Im Tor muss sich Prokop kaum Sorgen machen. Wolff (27 Jahre), der wohl als Nummer Eins in die WM starten wird, und Heinevetter (34) sind turniererfahren, spielen beide auf höchstem internationalen Niveau und kommen ordentlich miteinander aus. Beide können emotionale Leader sein und sind sportlich verschiedene Torwarttypen, die gegnerische Schützen also vor unterschiedliche Aufgaben stellen können. Die Reserve ist mit 2007er-Weltmeister Bitter und Magdeburgs Quenstedt ebenfalls gut bestückt.

Roggisch sieht guten Kader: "Wir vertrauen den Jungs" Sportschau 28.12.2018 02:44 Min. Verfügbar bis 28.12.2019 Das Erste

Kreisläufer - die Paradeposition

Für 18er-Kader nominiert: Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Jannik Kohlbacher - Reserve: Erik Schmidt, Johannes Golla

Auf der Kreisposition dürfte Deutschland mit Frankreich und Dänemark die beste Auswahl im Turnier stellen. Die Kieler Wiencek und Pekeler sind ein maximal eingespieltes Abwehrduo und auch im Angriff für jede Deckung unangenehm zu verteidigen.

Jannik Kohlbacher

113 Kilogramm Torgefahr: Jannik Kohlbacher

Der 23 Jahre alte Kohlbacher hat sich in der Deckungsarbeit stark verbessert und ist mit seiner Physis und seiner herausragenden Trefferquote offensiv eine echte Waffe. Er gehört hier zu den Besten seines Fachs. Fängt er den Ball, gibt es eigentlich immer einen Siebenmeter oder Torerfolg. Mit 90 Treffern hat der Neuzugang der Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga bisher 26 Tore mehr erzielt als der zweitplatzierte Kreisspieler. Wohl jeder Trainer eines deutschen Gegners dürfte seine Abwehr darauf hinweisen, dass Anspiele an den Kreis zu verhindern sind.

Linksaußen - zwei Goalgetter

Für 18er-Kader nominiert: Uwe Gensheimer, Matthias Musche - Reserve: Marcel Schiller

Uwe Gensheimer ist seit Jahren einer der besten Linksaußen der Welt. Für seinen Klub Paris Saint-Germain ist der 32-Jährige zuletzt zweimal in Serie Torschützenkönig der Champions League geworden. Zudem ist er in der französischen Liga unter den besten 30 Torjägern derjenige, der die beste Wurfquote aufweist. Sein Pendant Musche spielt die beste Saison seines Lebens. Mit sagenhaften 162 Treffern in 19 Partien führt der Magdeburger die Torschützenliste der Bundesliga an. Auch wenn Gensheimer gesetzt ist, sollte er einen schlechten Tag haben oder geschont werden, steht mit Musche ein Top-Mann bereit.

Rechtsaußen - ausgeglichenes Duo

Für 18er-Kader nominiert: Tobias Reichmann, Patrick Groetzki - Reserve: Keiner

Groetzki (29 Jahre) und Reichmann (30) genügen hohen Ansprüchen auf der Rechtsaußenposition. Beide sind international erfahren, haben Titel geholt und sind echte Teamplayer. In der Formfrage dürfte der Melsunger Reichmann vorne liegen, Groetzkis Saison verläuft eher durchwachsen.

Tobias Reichmann (Nr. 9, Deutschland) im Konter gegen Mateusz Kornecki (Nr. 12, Polen).

Starke Airtime: Tobias Reichmann

Obwohl Reichmann wahrscheinlich momentan der stärkere Mann ist, gibt es keine klare Nummer eins auf dieser Position, beide dürften sich die Spielzeit teilen. Dass Lemgos Tim Hornke, aktuell Zweiter in der Bundesligatorschützenliste, nicht einmal für die Reserve nominiert wurde, ist allerdings überraschend. Auch wenn Tore allein natürlich nichts über die Klasse aussagen, hat Hornke 21 Saisontreffer mehr auf dem Konto als Groetzki (32) und Reichmann (84) zusammen.

Rückraum links - Wer macht's aus der Distanz?

Für 18er-Kader nominiert: Fabian Böhm, Steffen Fäth, Finn Lemke - Reserve: Philipp Weber, Sebastian Heymann

Der Rückraum ist ein wenig das "Sorgenkind" im Kader. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Julius Kühn fehlt der (deutlich) beste Distanzschütze. Kühns Positionskollege Fäth kann diese Rolle ausfüllen - wenn er in Form ist. Das war der 28-Jährige in dieser Spielzeit allerdings zu selten. Dementsprechend ist der Hannoveraner Böhm momentan wohl erste Wahl in der Offensive. Der 29-Jährige, der "erst" 13 Länderspiele absolviert hat, ist kein ausgewiesener Torjäger, wurde von Prokop aber mit dem Beinamen "absoluter Krieger" geadelt. Bei den in der Liga enttäuschenden Hannoveranern war er jedenfalls bisher einer der Lichtblicke und kann auch defensiv eine Rolle spielen.

Lemke dürfte vor allem für die Abwehrmitte eingeplant sein. Dass er aber mit seinen 2,10 Metern Körperlänge durchaus auch eine Rolle in der Offensive spielen kann, hat er in dieser Saison für Melsungen punktuell bewiesen.

Rückraum zentral - Wiede als Hoffnungsträger

Für 18er-Kader nominiert: Martin Strobel, Fabian Wiede, Tim Suton, Paul Drux - Reserve: Niclas Pieczkowski

Fabian Wiede (l.) am Ball

Gutes Auge: Fabian Wiede

Während Suton und Drux auch auf der halblinken und Wiede auf der halbrechten Position eingesetzt werden können, ist Strobel der einzige "klassische" Spielmacher im Team. Auch wenn der Europameister von 2016 "nur" beim Tabellenführer der 2. Bundesliga HBW Balingen-Weilstetten aktiv ist, bringt er Erfahrung und viel Übersicht mit, die der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft fehlten. Auch Wiede verfügt über große Qualitäten auf der zentralen Rückraumposition, ist bester Vorbereiter der Bundesliga und könnte als Linkshänder auch den Gegner zu Defensivumstellungen zwingen. Dass der Berliner rechtzeitig fit geworden und in Topform gekommen ist, könnte ein Schlüssel für Prokop und sein Team werden.

Die jungen Suton (22) und Drux (23) haben definitiv ihre Qualitäten, doch vor allem Drux merkt man an, dass die vielen Verletzungen ihn in seiner Entwicklung etwas zurückgeworfen haben. Falls Prokop ihn aber integrieren kann, könnte der Berliner durchaus eine Rolle spielen. Suton hat mit erst sieben Länderspielen noch einen weiten Weg vor sich, kann aber jedes Training und jedes Spiel nutzen, um zu lernen und sich zu empfehlen. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass einer der beiden es zu Beginn noch nicht in den 16er-Kader schafft.

Rückraum rechts - zwei unterschiedliche Spielertypen

Für 18er-Kader nominiert: Steffen Weinhold, Franz Semper - Reserve: Kai Häfner, Christoph Steinert

Franz Semper hat Europameister Häfner aus dem 18er-Kader verdrängt. Allein das ist schon einmal eine Leistung und war wohl die größte Überraschung bei der Bekanntgabe. Der "Rohdiamant" des SC DHfK Leipzig kann dank seiner Wurfstärke und Unbekümmertheit ein ganz wichtiger Mann in Prokops Plänen werden. Der drittbeste Feldtorschütze der Bundesliga bringt mit seinen 21 Jahren viel Dynamik mit, seine Wurfauswahl ist allerdings manchmal noch etwas wild.

Sein Positionskollege Weinhold (32) ist extrem erfahren, sein Spiel unaufgeregt und seine Abwehrarbeit zuverlässig. Auf dieser Position hat Prokop zwei ganz verschiedene Spieler, die gegebenenfalls durch die sehr torgefährlichen Häfner und Steinert noch ergänzt werden können. Häfner scheint wie schon 2016 der wahrscheinlichste Kandidat für eine Nachnominierung zu sein.

Stand: 28.12.2018, 11:51

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