Handball

Turnier-Fazit - Was von der Handball-WM bleibt

Eine einsame Zuschauerin bei der Handball-WM in Hamburg

Turnier in Deutschland und Dänemark

Turnier-Fazit - Was von der Handball-WM bleibt

Von Volker Schulte

Ein starkes deutsches Team hat für eine mitreißende Heim-WM gesorgt. Aber es bleiben Aufreger und mal wieder die Frage: Wie nachhaltig ist die Handball-Begeisterung? Eine Turnier-Bilanz.

Wie war die Stimmung?

Großartig. Im handballverrückten Dänemark sowieso, aber auch an den deutschen Spielorten Berlin, Köln und Hamburg. Bemerkenswert war aber vor allem, dass die Ränge auch bei Spielen ohne deutsche Beteiligung gut gefüllt waren - selbst in München, wo das DHB-Team gar nicht aufgelaufen ist. Dass die WM erstmals zwei Gastgeber hatte, tat der Atmosphäre an den Spielorten keinen Abbruch.

Auch die Resonanz abseits der Arenen war enorm. Die TV-Einschaltquoten waren von Beginn an hoch und steigerten sich bis auf 11,91 Millionen Zuschauer im Ersten beim Halbfinale zwischen Deutschland und Norwegen. Handball war plötzlich wieder in aller Munde. Oder wie es DHB-Vize Bob Hanning formulierte: "Erst haben sich die Handballer für die WM interessiert, dann die Sportler - und jetzt sprechen alle darüber."

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Wie nachhaltig ist die Handball-Begeisterung?

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass die Deutschen den Handball ins Herz schließen. Vor allem die Titelgewinne bei der WM 2007 und der EM 2016 haben für Begeisterung und auch für Neu-Anmeldungen in den Handball-Vereinen gesorgt. Doch es blieb jeweils dabei, dass die Bundesliga hauptsächlich in ihren Hochburgen funktionierte, während die breite Masse den Handball bis zum nächsten großen Turnier wieder vergaß.

Die Bilanz - was bleibt nach der Handball-WM übrig? Sportschau 28.01.2019 03:06 Min. Verfügbar bis 28.01.2020 Das Erste

Für den DHB-Vorstandsvorsitzenden Mark Schober gibt es zwei Argumente, dass der Aufschwung dieses Mal von Dauer ist: ARD und ZDF werden bis mindestens 2025 alle Welt- und Europameisterschaften übertragen und Deutschland hat die Heim-EM 2024 vor Augen.

Wie ist das deutsche Abschneiden zu beurteilen?

Die unnötige Niederlage im Spiel um Platz drei ist zwar die lebendigste Erinnerung, aber das deutsche Team hat unter dem Strich voll überzeugt. Das ausgegebene Ziel "Halbfinale" war mutig, was das Erreichen dieser Vorgabe umso bemerkenswerter macht.

Die Leistungsträger Uwe Gensheimer und Fabian Wiede haben genauso überzeugt wie das Abwehr-Duo Patrick Wiencek/Hendrik Pekeler (Einzelkritik). Zudem sammelten junge Spieler wie Franz Semper und Tim Suton wichtige Erfahrungen. "Ziel ist es, bei Olympia 2020 um eine Goldmedaille zu kämpfen. Auf diesem Weg sind wir", sagt ARD-WM-Experte Dominik Klein.

Prokop und die Nationalmannschaft - funktioniert das?

Das war die große Frage vor dem Turnier. Die Antwort lautet ja. Es funktioniert, wenn persönliche Eitelkeiten dem gemeinsamen Ziel untergeordnet werden. Bei dem großen Abenteuer Heim-WM traten Bundestrainer und Mannschaft als Einheit auf, Christian Prokop wirkte deutlich lockerer. Die beiden Niederlagen zum Ende des Turniers waren allerdings extrem bitter und die nächsten Aufgaben werden weniger emotional. Team und Trainer müssen dann zeigen, dass ihre Zusammenarbeit mehr als nur eine Zweck-Ehe ist.

Gelungener Turnierstart - Prokops Änderungen greifen Sportschau 14.01.2019 01:19 Min. Verfügbar bis 14.01.2020 Das Erste

Gab es auch Verlierer im deutschen Team?

Ja, Tobias Reichmann. Seine Nicht-Nominierung war ein großes Thema, viele Experten hätten den EM-Helden von 2016 gerne im Kader gesehen. Doch Reichmann verspielte sich Sympathien, als er kurz vor Turnierbeginn ins weit entfernte Orlando (USA) verschwand und ein Foto vom Abflug mit dem trotzigen Hashthag #sorrynotsorry postete. "Charaktertest nicht bestanden", befand ARD-Kommentator Alexander Bommes.

Reichmann betonte im Anschluss zwar immer wieder seine Verbundenheit mit dem Team und besuchte auch die Spiele. Es ist aber gut möglich, dass ihn sein Trotz eine Nachnominierung gekostet hat. Denn Bundestrainer Prokop hätte angesichts der schwachen Auftritte von Patrick Groetzki, dem einzig verbliebenen Rechtsaußen, durchaus Bedarf gehabt.

Was war das Aufregerthema?

Die Belastung. Deutschland musste in der Vorrunde drei Spiele in vier Tagen bestreiten. Noch schlimmer erwischte es Island mit vier Spielen in fünf Tagen und einer weiten Reise am vermeintlichen Ruhetag. "Das ist gefährlich", sagte Trainer Gudmundur Gudmundsson. ARD-Kommentator Florian Naß wählte die Worte "unmenschlich und abartig. Wir reden seit Jahren über diese Überbelastung. Es muss endlich einmal etwas im Sinne der Sportler passieren."

Islands Gudmundsson über WM-Spielplan: "Das ist gefährlich" Sportschau 18.01.2019 03:29 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

DHB-Vorstandschef Schober zeigte sich im ARD-Interview selbstkritisch: "Wir hätten zwei Pausentage mehr einbauen und mit dem Eröffnungsspiel schon am Dienstag beginnen müssen." Auch der mächtige IHF-Präsident Hassan Moustafa kündigte mehr Ruhetage an. Ob es tatsächlich so kommt, ist offen. Sicher dagegen ist: Die Zahl der Mannschaften steigt bei der nächsten WM von 24 auf 32.

DHB-Vorstandschef Schober gibt Fehlplanung beim Spielplan zu Sportschau 27.01.2019 00:41 Min. Verfügbar bis 27.01.2020 Das Erste

Was gab es sonst noch?

Pullover. DHB-Vize Hanning stahl allen bei der Auftakt-Pressekonferenz in Berlin mit einem schrillen, teuren Markenpulli die Show - nachdem er zuvor stets die Bodenständigkeit des Handballs betont hatte. Die Aufregung verflog schnell, Hanning ließ weiter Modelle folgen - und sorgte so immerhin für Farbtupfer.

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Wie geht es weiter?

Mit einem Testpiel gegen die Schweiz am 9. März in Düsseldorf, Anfang April startet das DHB-Team dann in die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 in Norwegen, Österreich und Schweden. Im selben Jahr stehen die Olympischen Spiele in Tokio an, die nächste WM findet 2021 in Ägypten statt.

Handball-WM - Deutschland wird Vierter, doch was bleibt?

Sportschau 28.01.2019 03:25 Min. Verfügbar bis 28.01.2020 ARD

Stand: 26.01.2019, 17:52

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