Handball

Handball-WM - Alles schaut auf Fäth

Deutschlands Steffen Fäth (l.) bei einem Sprungwurf aus der Distanz

Handball-WM

Handball-WM - Alles schaut auf Fäth

Von Robin Tillenburg

Steffen Fäth kann bei der Handball-WM der X-Faktor für die deutsche Handball-Nationalmannschaft sein. Sie braucht ihren Halblinken für die "einfachen Tore".

Es war beinahe zu hören. Zu sehen war es definitiv. Das kollektive Aufatmen, das Handball-Deutschland und vor allem die Zuschauer und deutschen Spieler in Berlin um 18:32 Uhr am Donnerstagabend (10.01.2019) aus ihren Lungen pusteten. Was war passiert? Steffen Fäth hatte gegen Korea zum 4:2 getroffen.

Soweit nichts Besonderes, Fäth ist 28 Jahre alt, kein Youngster. Es war bei weitem nicht sein erstes Länderspieltor und der Halblinke hat ja auch schon beispielsweise bei der so erfolgreichen Europameisterschaft 2016 bewiesen, dass er echte Torgefahr ausstrahlen kann.

Fäths Formtief

Doch Fäth war ein großes Fragezeichen im deutschen Kader. Sein Potenzial war stets unumstritten, allerdings war seine Form seit seinem Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen in diesem Sommer mit "mau" noch relativ milde betitelt. Zwar sitzt der 1,94 m große "Shooter" bei den Löwen viel auf der Bank, doch auch bei seinen kurzen Einsatzzeiten wirkte sein Spiel lange nicht so spritzig und selbstverständlich wie in den Jahren zuvor bei den Füchsen Berlin und der HSG Wetzlar.

Weil in Julius Kühn der stärkste deutsche Distanzwerfer verletzt bei diesem Turnier fehlt, und Kai Häfner nur im erweiterten Aufgebot steht, ist Fäth so ziemlich der einzige, der mit Sprungwürfen aus großer Entfernung zuverlässig viele Tore erzielen kann. Kann. Wenn er denn in Form ist. Ansonsten schießt auch der gebürtige Frankfurter - so wie jeder "Shooter" im Handball - gerne auch mal diverse Fahrkarten. Das alles wäre kein Problem, wenn dieses Element der Distanztore nicht so elementar wäre für das deutsche Spiel.

Seine Tore schaffen Platz

Die Kreisläufer und Nebenleute von Fäth brauchen nämlich allesamt Platz, um ihre Stärken zu entfalten. Den kann er ihnen liefern, wenn er verlässlich trifft und somit seine Gegenspieler zwingt, weit auf ihn herauszutreten.

Dass auch Fäth selbst weiß, wie wichtig seine Rolle und wie groß der damit einhergehende Druck auf ihn ist, zeigte sich an der Reaktion auf seinen ersten der vier Treffer: An der Auswechselbank angekommen, schrie er seinen Jubel heraus und fiel seinen Kollegen beinahe in die Arme. Solche Jubelszenen kamen in seinen elf Bundesligajahren in etwa so selten vor wie ein Spiel, das Silvio Heinevetter komplett schweigend verbringt.

X-Faktor für das deutsche Team

Fäths Einsatzzeit gegen Korea war begrenzt, weil der Bundestrainer auch andere Optionen im Rückraum ausprobieren konnte, wollte und musste. Aber in den Minuten, in denen die deutsche Nummer 23 auf der Platte stand, wirkte sie belebend auf das deutsche Spiel. Die "einfachen Tore" aus großer Distanz sind so wichtig für die DHB-Auswahl - und wenn Fäth sie in diesem Turnier konsequent liefern kann, steigen die Chancen auf einen positiven Turnierverlauf enorm.

Stand: 11.01.2019, 18:01

Darstellung: