Handball

Deutsche Handballer gegen "schlummerndes" Island

Islands Aron Palmarsson im WM-Spiel gegen Japan

Erster Hauptrundenspieltag

Deutsche Handballer gegen "schlummerndes" Island

Von Robin Tillenburg

Deutschland trifft zum Auftakt der Hauptrunde der Handball-WM am Samstagabend (19.01.2019, 20.30 Uhr, live im Ersten und auf Sportschau.de) auf Island.

Die Isländer landeten in Gruppe B auf Rang drei hinter Kroatien und Spanien und vor Mazedonien, Bahrain und Japan. Allerdings nehmen sie aufgrund ihrer Niederlagen gegen die beiden Topteams keine Punkte mit nach Köln und haben somit kaum noch Chancen auf das Halbfinale. Die DHB-Auswahl ist mit drei Punkten sogar das zweitbeste Team der Gruppe und somit ein legitimer Anwärter auf das Weiterkommen.

Palmarsson und viel Potenzial

Aron Palmarsson ist aber allein schon ein Grund, aus dem die DHB-Auswahl sich in dieser Partie auf keinen Fall schonen sollte. Der Spielmacher vom FC Barcelona dürfte deutschen Handballfans noch ein Begriff sein, schließlich spielte er einige sehr erfolgreiche Jahre beim THW Kiel. Im Rückraum läuft alles über den Rechtshänder, der mit seinen 28 Jahren im besten Handballalter ist.

Star, Bilanz, Duelle - Deutschlands Hauptrunden-Gegner Sportschau 18.01.2019 01:13 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

Neben Palmarsson stehen einige junge, spannende Akteure mit viel Potenzial im Kader - Kiels Gisli Kristjansson oder Elvar Örn Jonsson (beide Rückraum) sind zwei davon. Trainer Gudmundur Gudmundsson hat bei Amtsantritt im Februar 2018 einen Umbruch eingeleitet, dessen Ziel die Olympischen Spiele 2020 sind. Noch tragen in diesem Turnier bisher aber die arrivierteren Spieler wie Palmarsson, Keeper Björgvin Pall Gustavsson oder Rechtsaußen Arnor Gunnarsson, der beim Bergischen HC spielt und zu den besten Torschützen des Turniers gehört, die Hauptlast. Gerade das Tempogegenstoßspiel über Gunnarsson und die individuelle Gefahr von Palmarsson wird die deutsche Abwehr beachten müssen.

Gegner-Check Island: Abhängig von Star-Spieler Palmarsson Sportschau 19.01.2019 00:54 Min. Verfügbar bis 19.01.2020 Das Erste

Überzeugender Schlussspurt gegen Mazedonien

Das Problem, das die Mannschaft von Gudmundsson in diesem Turnier aber hat: Die Stärken des Teams sind ausrechenbar und nicht so vielfältig wie die von anderen Topmannschaften mit ähnlichem Potenzial im Kader. Island wurde nicht "nur" Gruppendritter, weil es deutlich schwächere Spieler hat als Kroatien oder Spanien, sondern weil es in den direkten Duellen vor allem offensiv aus dem gebundenen Spiel etwas an Durchschlagskraft vermissen ließ und den ein oder anderen Fehler zu viel machte.

Islands Gudmundsson über WM-Spielplan: "Das ist gefährlich" Sportschau 18.01.2019 03:29 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

So richtig überzeugend waren eigentlich nur der Kantersieg gegen Bahrain und die zweite Halbzeit gegen Mazedonien, als man aus einem Zwei-Tore-Rückstand noch einen knappen Sieg machte und somit die Hauptrunde sicherte. Gerät das Tempospiel ins Stocken, wird es schwierig, weil eben einige der jungen Spieler ihr Potenzial auf höchstem Niveau noch nicht konstant abrufen.

Deutschlands Erfolgsrezept: Defensive und sichere Siebenmeter?

Gegen das abwehrstarke Deutschland dürfte das nicht unbedingt einfacher werden, schließlich hat die DHB-Auswahl die Vorrunde als zweitbestes Defensivteam beendet, nur Dänemark kassierte weniger Tore. Die isländische Defensive war nicht schlecht, kam aber in vielen Zweikämpfen zu spät - 17 Siebenmeter bekam Gustavsson schon auf sein Tor, allerdings hielt er davon auch starke sieben. Es ist also zu erwarten, dass Uwe Gensheimer und gegebenenfalls Matthias Musche den ein oder anderen Auftritt an der Strafwurfmarke haben werden - es wird allerdings keine leichte Aufgabe gegen den ehemaligen Bundesligatorwart.

Die deutschen Gegner in Köln

Sportschau 18.01.2019 00:39 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 ARD

Schwieriger als ohnehin schon wäre es wohl auch geworden, wenn Gudjon Valur Sigurdsson auf der Linksaußenposition im Kader stünde, doch der Rekordländerspieltorschütze der Welt musste verletzt kurz vor dem Turnierstart absagen. Bei den Deutschen wird sich wohl kurzfristig entscheiden, ob der verletzte Steffen Weinhold oder der bereits zum Team gereiste Kai Häfner den 16er-Kader komplettieren werden.

Auf den Ball aufpassen

Insgesamt gehen die Deutschen mit den über 19.000 Zuschauern in Köln im Rücken und ihrem starken Innenblock, an dem sich die Isländer aufreiben werden, als Favorit in die Begegnung. Wenn sie vorne verantwortungsvoll mit dem Ball umgehen und den Isländern somit keine Möglichkeit geben, konsequent ins Gegenstoßspiel zu kommen, stehen die Chancen gut. Dafür muss aber gerade das Spiel mit dem siebten Feldspieler besser funktionieren als gegen Serbien - oder weniger genutzt werden.

Palmarsson allerdings ist in der Lage, ein Spiel allein zu entscheiden, wenn ihm die gegnerische Defensive die Möglichkeit dazu gibt. Individuell wird er am Samstagabend wohl der stärkste Spieler sein, der in der Partie auf der Platte steht. Wenn er zu gewohnter Weltklasse aufläuft und die Youngster im isländischen Team ihre Startschwierigkeiten ablegen und ins Turnier finden können, kann auch die deutsche Deckung Probleme bekommen.

Deutschland mit der längeren Pause

Gudmundsson schlug nach Abschluss der Vorrunde Alarm: Die Belastung in diesem Turnier sei aufgrund des engen Spielplans zu hoch - seine Spieler mussten zuletzt viermal in fünf Tagen antreten. Die Deutschen hatten in dieser Zeit einen Tag mehr zur Regeneration und konnten im letzten Gruppenspiel gegen Serbien munter durchwechseln, während es für die Nordmänner gegen Mazedonien noch um alles ging. Ein entscheidender Faktor?

Stand: 19.01.2019, 08:30

Darstellung: