Handball

Die Gegner der deutschen Handballer im Check

Drasko Nenadic im Spiel gegen Deutschland

Handball-WM

Die Gegner der deutschen Handballer im Check

Von Robin Tillenburg

Bei der Handball-WM trifft die DHB-Auswahl in der Vorrunde in Gruppe A auf Frankreich, Russland, Serbien, Brasilien und Korea.

Korea sammelt Erfahrung

Auftaktgegner Korea (10. Januar) tritt erstmals bei einer Handball-Weltmeisterschaft mit einer vereinten Auswahl aus Südkorea und Nordkorea an und darf dafür sogar einen etwas vergößerten Kader nominieren. Der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von 1988 hat nur Spieler aus den heimischen Ligen im Aufgebot und ist kein echter Kandidat auf die Hauptrunde. Daran ändert auch die Anwesenheit von Bundesligalegende Kyung Shin Yoon nichts, der dem Trainerstab angehört.

Die bislang letzte WM-Teilnahme im Jahr 2013 endete auf dem 21. Platz, bei der Asienmeisterschaft belegte die südkoreanische Mannschaft zuletzt den dritten Rang und holte somit die Qualifikation für 2019. Bei allem Respekt kann es für das junge Team von Trainer Young-shin Co bei diesem Turnier aber vor allem nur darum gehen, Erfahrung auf höchstem Niveau zu sammeln und ein Fundament für die Zukunft zu bauen. Jeder Punkt wäre ein großer Achtungserfolg, zumal die vier Nordkoreaner im Aufgebot wohl erst langsam an höheres Niveau herangeführt werden müssen. Ein bisschen unangenehm dürfte die Mannschaft aber trotzdem werden - eine konkrete Vorbereitung auf ihre Stärken und Schwächen ist für die Gegner mangels Informationsmaterial schwierig.

Brasilien bringt ein paar spannende Talente mit

Am 12. Januar geht es für die DHB-Auswahl gegen Brasilien. Der panamerikanische Vizemeister ist schon eine andere Hausnummer und deutlich stärker einzuschätzen als Korea. Trainer Washington Nunes hatte nach den Olympischen Spielen 2016, als man ins Viertelfinale einzog, einen Umbruch eingeleitet, der bei der WM 2017 schon Früchte trug: Im Achtelfinale scheiterte man nur hauchdünn an Spanien. Mit Spielern wie Linksaußen Felipe Borges (33 Jahre), der es auf über 700 Länderspieltreffer bringt und in Frankreich für Tremblay spielt, sowie dem talentierten Rückraumspieler Haniel Langaro (23, Dunkerque) verfügt Nunes über eine gefährliche linke Seite und einen durchaus schlagkräftigen Kader mit viel Europa-Erfahrung. In Gustavo Rodrigues (23, US Creteil) spielt zudem ein interessanter Mann im rechten Rückraum. Auf Leonardo Sampaio Santos und Rogerio Moraes Ferreira - zwei wichtige Säulen - muss der Trainer jedoch verzichten.

Obwohl die Brasilianer vor zwei Jahren die Polen besiegten und aus dem Turnier warfen, ist ein Sieg für Christian Prokops Team trotzdem Pflicht. Vor allem defensiv ist die Mannschaft nämlich durchaus verwundbar, wie das 35:32 zuletzt im Testspiel gegen die Niederlande zeigte. Insgesamt dürften sich die Südamerikaner, die gerne mal das Tempo verschleppen, zwar um den Einzug in die Hauptrunde streiten, sind aber im Vergleich zur Serbien und Russland eher schwächer. "Gegen Serbien, Korea und Russland spielen wir auf Augenhöhe und wenn wir einen guten Tag erwischen, dann können wir sie schlagen und die Hauptrunde erreichen", meint Nunes.

Russlands Vardar-Connection kann gefährlich werden

Russlands Gleb Kalarasch

Russlands Gleb Kalarasch beim Wurf

Die Russen haben sich in der Qualifikation gegen Tschechien in den Play-offs durchgesetzt. Das ist definitiv schon einmal eine Leistung, die zeigt, dass das Team von Eduard Kokscharow ein ernstzunehmender Gegner ist. Die Tschechen unterlagen Deutschland im Testspiel am Freitag (04.01.2019) zwar am Ende klar, hielten aber zwischenzeitlich doch ordentlich mit - somit lässt sich das Potenzial der Russen ganz gut einschätzen.

Kokscharow hat das Amt nach der verpassten EM-Qualifikation für 2018 übernommen und angefangen, einen leichten Umbruch zu vollziehen. Die Flügelspieler Timur Dibirow (35 Jahre) und Dimitri Kowaljow (36) sind aber immer noch da und absolute Routiniers. Eine starke Achse bilden zudem die Spieler von Vardar Skopje, wo Kokscharow Sportdirektor ist: Kreisläufer Gleb Kalarasch (28, früher SC Magdeburg), sowie die Außen Daniil Shishkarew (30), Dibirow und Rückraumspieler Dmitrii Kiselev (24) sind alle auf hohem internationalen Niveau unterwegs. Vor allem Kiselevs Torgefahr gilt es für die deutsche Abwehr zu beachten. Dass Deutschland-Legionär Pavel Atman (Hannover-Burgdorf) trotz langer Verletzungspause auf der Spielmacherposition möglicherweise rechtzeitig fit wird und helfen kann, schadet der Mannschaft auch nicht. Im rechten Rückraum ist Kiselev jedoch wohl der einzige Linkshänder - ein Aspekt, den Prokop sicherlich über die eigene Deckungsformation "angreifen" wird.

Die Russen sind dennoch der erste echte mögliche Fallstrick für das DHB-Team. Vor allem, wenn die Partie lange eng bleiben sollte, könnte es gegen die abgeklärte Mannschaft schwierig werden. Gerade in dieser Begegnung gegen eine kompakte Abwehr muss das Tempospiel funktionieren, ansonsten könnte es ein zähes Ringen geben, zumal Kokschwarow zuletzt verlauten ließ, man habe seinerseits am eigenen Umschaltspiel gearbeitet und wolle mehr Tempo machen. Favorit ist der Europameister von 2016 gegen die "Sbornaja", die seit Olympia 2004 auf eine Halbfinalteilnahme bei einem großen Turnier wartet, dennoch.

Frankreich auch ohne Nikola Karabatic der Favorit auf den Gruppensieg (und mehr)

Luc Abalo beim Sprungwurf

Immernoch mit Sprungfedern in den Beinen: Luc Abalo

Gegen Frankreich ist das definitiv nicht der Fall. Der Weltmeister von 2015 und 2017, Olympiasieger 2012 und 2016 sowie EM-Dritter von 2018 verfügt trotz des von Trainer Didier Dinart vor einiger Zeit eingeleiteten Umbruchs über einen spektakulären Kader. Erfahrene Säulen gibt es im Team schließlich noch genug: Rechtsaußen Luc Abalo fliegt trotz seiner 34 Jahre immer noch meterweit durch die Luft, Linksaußen Michael Gouigou (36) hat bald 1.000 Länderspieltore geworfen und im Abwehrzentrum steht in Cédric Sorhaindo (34) und Luka Karabatic (30) ein eingespieltes Duo, das es erst einmal zu überwinden gilt.

Dazu kommen einige der größten Talente im Welthandball: Rückraum-Shooter Dika Mem (21), der kaum zu verteidigende Ludovic Fabregas (22) am Kreis (beide Barcelona) und Nedim Remili (23, Paris), der mit Mem und Melvyn Richardson (21, Montpellier) ein unglaubliches Linkshänder-Ensemble auf den Rückraumpositionen bildet. Spieler wie der Ex-Flensburger Kentin Mahé und das starke Keeper-Duo aus Cyril Dumoulin und Vincent Gerard sind da noch gar nicht genannt.

Die Franzosen sind wieder der Top-Favorit - nicht nur in der Gruppe, sondern auch auf den Titel. Eine Sache gibt es dann aber doch, die Deutschland und Co. zumindest ein wenig Hoffnung machen kann: Nikola Karabatic, die vergangenen 15 Jahre prägender Mann des Welthandballs und Frankreichs unbestrittener Anführer in der Goldenen Ära, fehlt verletzt. In engen Spielen war er stets der Mann, der das Spiel an sich riss. Auch wenn die jungen Spieler im Rückraum das Talent dazu haben, ist die Position des "Go-To-Guys" und offensiven Anführers in engen Situationen vakant. Auf den Rechtshänderpositionen im Rückraum hat der Luxuskader jedenfalls eine kleine Schwachstelle, die Dinart irgendwie lösen muss. Aber es bleibt dabei: Das wohl einzige Team, das beim Ausfall eines Spielers wie Nikola Karabatic trotzdem der Topfavorit auf den Titel bleibt, ist Frankreich.

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Serbiens junge Truppe mit Schwankungen in beide Richtungen

Das EM-Silber im Jahr 2012 war das bislang letzte große Lebenszeichen, das Deutschlands letzter Gruppengegner Serbien bei großen Turnieren sendete, danach reichte es trotz durchaus vorhandener Ambitionen nicht mehr zu Top-Platzierungen. Diesmal ist das erklärte (Minimal-)Ziel der Mannschaft, die seit vergangenem Jahr vom langjährigen Bundesligaspieler Nenad Perunicic trainiert wird, das Erreichen Hauptrunde. Das ist durchaus nicht unrealistisch, in den Play-offs schaltete das Team um die Bundesligaspieler Bogdan Radivojevic (Rhein-Neckar Löwen), Nemanja Zelenovic (Frisch Auf Göppingen), Mijajlo Marsenic (Füchse Berlin) und Mindens Miljan Pusica immerhin Portugal aus, das zuvor Polen hinter sich gelassen hatte.

Grundsätzlich stellen die Serben eine insgesamt noch relativ junge und unerfahrene Truppe, die durch ihre Unbekümmertheit und das durchaus vorhandene Talent aber keineswegs nur anreist, um Erfahrungen zu sammeln. In Testspielen gegen Tunesien gab es einen relativ klaren Sieg und eine relativ klare Niederlage - das beschreibt ganz gut das Vermögen des Kaders. Insgesamt sind sie mit ihrer ersten Sieben durchaus in der Lage, auch die deutsche Mannschaft zu gefährden, an einem schwächeren Tag der Leistungsträger kann es aber definitiv auch gegen Brasilien eng werden. Dass Deutschland die Serben durchaus auch deutlicher schlagen kann, hat es zuletzt in zwei Testspielen jedenfalls bewiesen.

Sportschau.de-Prognose: Gruppensieger wird Frankreich, die deutsche Mannschaft landet auf Rang zwei. Russland, Serbien und Brasilien kämpfen um die Plätze dahinter und kommen auch in dieser Reihenfolge ins Ziel. Korea sammelt vor allem Erfahrung.

Stand: 08.01.2019, 08:30

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