Handball

Druck oder Euphorie - hohe Erwartungen an Co-Gastgeber Dänemark

Nikolaj Jacobsen hebt die Hand und wechselt ein

Handball-WM

Druck oder Euphorie - hohe Erwartungen an Co-Gastgeber Dänemark

Von Robin Tillenburg

Dänemark ist als Co-Gastgeber der Handball-Weltmeisterschaft einer der Topfavoriten auf den Titel. Das waren die Dänen bei großen Turnieren zuletzt eigentlich immer - der WM-Pokal fehlt noch im heimischen Trophäenschrank.

Bei der EM 2018 wurde man mit dem aktuellen Trainer Nikolaj Jacobsen Vierter, ein Jahr zuvor hatte das überraschende Achtelfinalaus bei der Weltmeisterschaft 2017 gegen Ungarn noch die Trennung von Olympia-Erfolgscoach Gudmundur Gudmundsson bedeutet.

Fan-Euphorie wie 2014?

Neben dem Olympiasieg 2016 war die Vize-Europameisterschaft 2014 die bislang letzte Medaillenplatzierung für "Danish Dynamite". Damals verlor man ebenfalls im eigenen Land das Finale mit 32:41 gegen Frankreich. Zuvor waren die Dänen ohne Niederlage oder Remis durch das Turnier marschiert, gingen im Endspiel in Herning - wo auch diesmal das Finale ausgetragen wird - aber dann ziemlich baden gegen eine übermächtige französische Mannschaft.

An der großen und zu kritischen Erwartungshaltung der Fans lag es damals eigentlich nicht. Die Supporter von der Tribüne hatten das Team, das noch von Ulrik Wilbek trainiert wurde, durch das Turnier getragen. Ähnliches erhofft man sich auch diesmal - die Dänen werden im Falle des so gut wie sicheren Weiterkommens in die Hauptrunde definitiv all ihre Spiele in der Herninger Arena austragen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Instagram. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Nicht alles rosarot

Jacobsen, der mit den Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga zweimal Meister wurde und noch bis zum Saisonende dort Cheftrainer ist, hat zwar den Heimvorteil und eine schlagkräftige Mannschaft gespickt mit Topspielern auf Weltklasse-Niveau zur Verfügung - aber auch ein paar Baustellen. Und dazu gehört erst einmal nicht primär die hohe Erwartungshaltung der so handballbegeisterten Fans, die man im dänischen Lager ohnehin kennt.

Baustellen: Verletzungen und die halbrechte Position

Der Kader ist zwar mit Top-Leuten wie Rückraumshooter Mikkel Hansen (31 Jahre, Paris), Spielmacher Rasmus Lauge (27, Flensburg) oder den Rechtsaußen Hans Lindberg (37, Berlin) und Lasse Svan (35, Flensburg) sowie dem herausragenden Torhüterduo Jannick Green (29, Magdeburg) und Niklas Landin (30, Kiel) besetzt, aber er ist auch nicht unbedingt der jüngste. Viele Leistungsträger sind jenseits der 30, und da zwickt es natürlich gerade bei der hohen Belastung eines internationalen Turniers dann doch schon mal etwas mehr.

Lindberg und Landin verpassten beispielsweise angeschlagen zuletzt das Testspiel gegen Ungarn, sollten aber zum Turnierstart wieder einsatzfähig sein. Bei Kreisläufer Henrik Toft Hansen, der vorne und hinten eine wichtige Säule ist, sieht die Prognose etwas schlechter aus. Der 32-Jährige von Paris Saint-Germain wird wegen einer Muskelverletzung die ersten Spiele definitiv verpassen. Man hofft auf das letzte Vorrundenspiel gegen Norwegen am 17. Januar, auch ein längerer Ausfall ist aber möglich.

Henrik Toft Hansen ballt verbissen die Faust

Wichtige Säule zunächst verletzt: Henrik Toft Hansen

Schon Mitte Dezember hatte eines der Toptalente, Niclas Kirkelokke, der im Sommer zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln wird und eigentlich die große Hoffnung für die halbrechte Position sein sollte, verletzungsbedingt absagen müssen. Gerade im rechten Rückraum ist Jacobsens Auswahl daher nicht wirklich üppig.

Spielminuten klug verteilen

Grundsätzlich hat der Kader für einen Angriff auf den Titel immer noch etliche Topspieler und einen passablen Altersschnitt, noch mehr Leistungsträger sollten sich aber nicht mehr verletzen. Die Dänen haben den Vorteil, dass sie die ersten Vorrundenspiele wohl auch zur Belastungssteuerung nutzen können. Von den ersten drei Gegnern (Chile, Tunesien und Saudi-Arabien) sind nur die Tunesier ein wirklicher potenzieller Stolperstein.

In den letzten beiden Gruppenspielen gegen Österreich und vor allem Mitfavorit Norwegen gilt es dann aber für die Rot-Weißen. Bei einer Niederlage gegen die Norweger würde die Hauptrunde mit einem herben Dämpfer starten und die (möglicherweise) bis dahin tragende Euphorie könnte dann schnell ins Gegenteil umschlagen: in großen Druck. Schließlich darf man sich eigentlich für eine Halbfinalteilnahme in aller Regel in diesem Turniermodus keine zwei Niederlagen erlauben - schon gar nicht als ambitioniertes Gastgeberland.

Sieben Spieler von 2014

Sollten die Dänen aber die Vorrunde dominieren und auch das Topspiel an deren Ende gewinnen, dürfte die Unterstützung von Außen wie schon 2014 noch weiter wachsen. Sportlich ist das mit diesem Kader (in weitgehend gesunder Verfassung), dem Heimvorteil und dem titelerfahrenen Cheftrainer absolut möglich.

Dass es dann in einem potenziellen Finale wie eben 2014 erneut eine Niederlage geben würde, darf zumindest bezweifelt werden: Sieben Akteure aus dem aktuellen Kader standen damals bereits im Endspiel, kennen den "Druck" eines Heimturniers und dürften alles daran setzen, dass es diesmal anders ausgeht. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Stand: 09.01.2019, 09:30

Darstellung: