Handball

Einzelkritik nach der Vorrunde: Wiencek und Gensheimer ragen heraus

Uwe Gensheimer holt aus zum Wurf im Spiel gegen Russland

Einzelkritik nach der Vorrunde: Wiencek und Gensheimer ragen heraus

Von Volker Schulte

Aus dem geschlossen starken Team Deutschlands bei der Handball-WM haben Patrick Wiencek und vor allem Uwe Gensheimer ein Sonderlob verdient. Wer noch Luft nach oben hat, verrät unsere Einzelkritik nach der Vorrunde.

Tor

Andreas Wolff: Ging als Nummer eins ins Turnier und festigte diesen Status im Auftaktspiel gegen Korea. In Erinnerung bleibt auch die überragende Anfangsphase gegen Brasilien, Wolff ist schon jetzt eines der Gesichter der WM. Dass er gegen Korea leichtes Spiel hatte und gegen Frankreich schwächelte, fällt in der Öffentlichkeit weniger ins Gewicht.

Silvio Heinevetter: In seiner Rolle als Ersatztorwart kam er nur schwer ins Turnier, blieb bei seinen kurzen Einsätzen (meist bei Siebenmetern) glücklos. Auch im bedeutungslosen letzten Spiel gegen Serbien gelang ihm zunächst wenig. Doch dann steigerte sich der Berliner vor heimischem Publikum enorm und brachte sich in WM-Form.

Kreisläufer

Patrick Wiencek: Einer der überragenden Spieler der Vorrunde, seine Abwehrarbeit im Verbund mit Hendrik Pekeler ist die Basis des deutschen Erfolgs. Wiencek ist trotz seiner Masse extrem beweglich, lieferte die meisten Blocks (8) und Ballgewinne (5).  

Hendrik Pekeler: Kommt in der Defensive nicht auf die Statistikwerte seines Kieler Teamkollegen Wiencek, ist aber genauso wertvoll. Pekelers lange Arme sind ein Alptraum für die gegnerischen Angreifer. Im Angriff sehr effizient: Zwölf seiner 17 Würfe waren drin.

Jannick Kohlbacher: Bestätigte seinen Ruf als wendige Tormaschine mit dem Trefferquoten-Bestwert von 78 Prozent. Mit 14 Toren zweitbester deutscher Schütze - und immer eine gute Alternative zu den deutlich größeren Kreis-Kollegen Wiencek und Pekeler.

Rechtsaußen

Patrick Groetzki: Als einziger Rechtsaußen mit großem Vertrauen ausgestattet - und mit entsprechend hohen Erwartungen. In den ersten drei Spielen schien ihn der Druck zu lähmen, Groetzki traf zu selten und bekam Russlands Dibirov nicht in den Griff. Gerade als die Diskussionen um eine mögliche Nachnominierung von Tobias Reichmann lauter zu werden drohten, glänzte Groetzki gegen Frankreich. Gegen Serbien geschont, trotzdem mit den meisten Spielminuten (238).

Linksaußen

Uwe Gensheimer: Zur rechten Zeit in Topform. Einer der besten Schützen des Turniers (31 Tore), trickreiche Würfe, zuverlässig von der Siebenmeterlinie wenn es darauf ankommt - nur im bedeutungslosem Spiel gegen Serbien leistete er sich zwei Fehlwürfe. Will unbedingt seinen ersten großen Titel, lebt Begeisterung vor, kämpft um jeden Ball - der ideale Kapitän.

Matthias Musche: Hinter dem überragenden Gensheimer nur mit wenig Einsatzzeit, dann aber stets zur Stelle. Der beste Schütze der Bundesliga ist ein Luxus-Joker, etablierte sich mit seinen zwei verwandelten Siebenmetern gegen Serbien auch als zweiter Schütze von der Linie.

Rückraum rechts

Steffen Weinhold: Gewohnt viel Einsatz in der Defensive, wichtige Treffer in der Offensive, bringt seine Erfahrung bestens ein. Ob er nach seiner Zerrung noch einmal zurückkommt, ist offen.   

Fabian Wiede: Galt vor der WM als einer der Schlüsselspieler, übernimmt erwartungsgemäß viel Verantwortung im Spielaufbau, auch in der Mitte. Mit Abstand bester deutscher Vorlagengeber (13), auch für spektakuläre Aktionen gut. Rechtfertigt das Vertrauen.

Franz Semper: Der Youngster und WM-Neuling durfte gleich im ersten Spiel seinen ersten Treffer bejubeln, danach stoppte ihn eine Erkältung. Im letzten Vorrundenspiel gegen Serbien durfte Semper dann ausgiebig WM-Atmosphäre genießen, wichtige Erfahrungen sammeln. Dass er schon bei diesem Turnier ein effektiver Joker ist, hat er allerdings noch nicht zeigen können.

Rückraum Mitte

Martin Strobel: Rechtfertigt seine Reaktivierung mit der Ruhe und Übersicht im Spielaufbau, die Bundestrainer Christian Prokop von ihm erwartet. Dazu überraschend torgefährlich mit acht Treffern bei zwölf Würfen.

Steffen Fäth: In Abwesenheit des verletzten Julius Kühn ist Fäth als Shooter gefragt, bringt seine Qualitäten auch phasenweise stark ein. Drittbester Schütze im Team (12) mit einer ausbaufähigen Quote von 50 Prozent.

Rückraum links

Paul Drux: Ackert in der Defensive unermüdlich, damit sehr wertvoll für das Team. Auch offensiv eine starke Option, seinen fatalen Fehlpass gegen Russland hat er gut verdaut.

Fabian Böhm: Zahlt das Vertrauen des Bundestrainers mit mutigen Auftritten zurück, übernimmt Verantwortung wie etwa bei seinem Tor gegen Russland in der Schlussminute. Ermöglichte allerdings Frankreich mit seinem Fehlpass noch den späten Ausgleich.

Finn Lemke: Der Abwehrspezialist spielt hinter dem stark auftrumpfenden Kieler Duo Wiencek/Pekeler nur eine Nebenrolle, ist als Option und Motivator aber wichtiger Bestandteil des Teams. Seine Blocks sind gefürchtet - auch wenn Frankreichs Last-Second-Ausgleich zwischen seinen langen Armen hindurchflog.

Stand: 18.01.2019, 11:58

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