Die DHB-Abwehr - viel Herz und Einsatz, etwas zu wenig Cleverness

Bence Banhidi (rechts) setzt sich gegen Kai Häfner durch

DHB hält auf Topniveau mit

Die DHB-Abwehr - viel Herz und Einsatz, etwas zu wenig Cleverness

Von Robin Tillenburg

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft zeigte gegen Ungarn eine couragierte Leistung. Die Deckung arbeitete engagiert, um die Physis und Cleverness der Ungarn aber auszugleichen, fehlte im Innenblock etwas.

Es fehlte der Kopf. In einigen wenigen Szenen. Nämlich in genau denen, in denen Ungarns erfahrener Spielmacher Mate Lekai und der so unfassbar physische Bence Banhidi in den Mittelpunkt traten.

Dass man nicht jeden Rückraumschuss der großgewachsenen und guten Halbspieler blocken oder verhindern kann, liegt in der Natur des Handballs. Auch wenn da sicherlich in Einzelsituationen auch mal mehr möglich gewesen wäre.

Lekai-Banhidi-Achse tut richtig weh

Aber wenn Lekai in aller Seelenruhe, den Ball prellend, die deutsche Defensive anschaute, sezierte er sie teilweise mit den Augen. Und dann auch mit seinem schnellen ersten Schritt (manchmal auch mit dem dritten oder dem unerlaubten vierten). Immer wenn der deutsche Innenblock zu passiv blieb, bestrafte Lekai das, machte Druck, "fixierte" die Abwehr hinten am Wurfkreis und fand dann blitzschnell den richtigen Nebenmann. Wenn die Defensive sich zu viel bewegte, suchte er den isolierten Abwehrspieler und ging gegen die unerfahrenen Deutschen in den Zweikampf. Den er meistens gewann, oder aus dem er das Foul zog.

Der Grund, aus dem Lekai aber oftmals diese Entscheidungen überhaupt treffen durfte, und nicht vorher schon kollektiv vom Abwehr-Innenblock so gestellt wurde, dass er mit seinen Nachteilen in Sachen Kraft das Duell nicht mehr gewinnen konnte, war vor allem Bence Banhidi. Denn gegen den 206 Zentimeter langen und über 120 Kilogramm schweren Kreisläufer mussten die Deutschen immer mit zwei Mann verteidigen. War es nur einer - oft war Kai Häfner auf Halbrechts der Leidtragende - bekam Banhidi den Ball von Lekai oder einem anderen Rückraumspieler. Waren es mehr als zwei, weil einer der Halbspieler zu energisch half, fand Lekai im Rückraum einen Kollegen, der einen Bewegungsvorsprung hatte.

Entscheidungsverhalten im Innenblock noch nicht auf Topniveau

Diese Kombination aus cleverer Entscheidungsfindung von Lekai und dieser unglaublichen Physis von Banhidi ist nur durch ein perfekt abgestimmtes Kollektiv zu verteidigen. Das hat die DHB-Auswahl im erst sechsten Spiel unter Bundestrainer Alfred Gislason und ohne die etatmäßigen Abwehrchefs Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und auch ohne Finn Lemke einfach noch nicht. Kann sie auch kaum, mit einem 23-Jährigen Johannes Golla und einem 26-Jährigen Sebastian Firnhaber mit wenig Länderspielerfahrung im Abwehrzentrum. Durch die Hereinnahme von Fabian Böhm bekam der Bundestrainer etwas mehr Übersicht und Aggressivität in die Deckungszentrale, und auch auf den Halbpositionen stabilisierte die Mannschaft sich gegen Ende der Begegnung.

Einsatz, der Wille, sich auch körperlich gegen sehr unangenehme Gegenspieler voll in die Zweikämpfe zu werfen, gemeinsames Arbeiten gegen den Ball, das war spätestens ab der etwa 22. Minute alles da. Aber das reichte eben nicht. "Wir müssen in der Hauptrunde einen deutlich besseren Innenblock hinbekommen", sagte Gislason

Schneller Lerneffekt wäre wichtig

Ziel des Bundestrainers muss es dann eben jetzt sein, seinen Spielern die richtigen Kleinigkeiten mit an die Hand zu geben, um auch so entscheidungsstarke Spieler wie Lekai und solche "Waffen" wie Banhidi gemeinsam verteidigen zu können. Das Grundgerüst dafür war über weite Strecken absolut gegeben und Gislason hat in Kiel bewiesen, dass er Abwehrspieler auf ein Top-Niveau heben kann. Dass das Team zu Anpassungen fähig ist, hat es innerhalb der Partie mehrfach bewiesen. Auch wenn das Endergebnis unglücklich war, muss sich diese ersatzgeschwächte DHB-Auswahl keinesfalls verstecken. Wenn sie den Innenblock stabilisiert bekommt, ist auch gegen Spanien in der Hauptrunde alles möglich.

Statistik

Handball · Weltmeisterschaft · Gruppe A

Dienstag, 19.01.2021 | 20.30 Uhr

Flagge Deutschland

Deutschland

Bitter, Wolff – K. Häfner (3), Metzner, D. Schmidt, Knorr, Ph. Weber (5), Kühn (3), Böhm (2), Drux (3) – Groetzki (1), Kastening (2), Gensheimer (1), Schiller (7/4) – Golla (1), S. Firnhaber

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Flagge Ungarn

Ungarn

Szekely, Mikler – Balogh (1/1), Mathe (8/2), Ancsin (2), Lekai (4), B. Nagy, Szita (3), Bodo (2) – Rodriguez, Hornyak, Boka, Sunajko – Sipos, Rosta (1), Banhidi (8)

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Fakten und Zahlen zum Spiel

Deutschland Ungarn
Siebenmeter 4 Würfe, 4 Treffer 4 Würfe, 3 Treffer
Strafminuten 14 Min. 14 Min.

Schiedsrichter:

  • Gubica (Kroatien), Milosevic (Kroatien)

Stand der Statistik: Samstag, 30.01.2021, 22:11 Uhr

Stand: 19.01.2021, 23:00

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