Masters - Japaner Matsuyama siegt und schreibt Golf-Geschichte

Golfprofi Hideki Matsuyama nach dem Masters-Sieg in Augusta

Golf in Augusta

Masters - Japaner Matsuyama siegt und schreibt Golf-Geschichte

Golfprofi Hideki Matsuyama hat das 85. US Masters in Augusta/Georgia gewonnen und als erster japanischer Major-Sieger Geschichte geschrieben.

Der 29-jährige Matsuyama setzte sich am Sonntagabend (10.04.2021/Ortszeit) nach einer 73er-Runde auf dem Par-72-Kurs zum Abschluss mit insgesamt 278 Schlägen knapp vor dem Amerikaner Will Zalatoris (279) und Jordan Spieth und Xander Schauffele (beide 281) durch.

Nach seinem Triumph erhielt Matsuyama, Nummer 25 der Welt, das traditionelle grüne Sieger-Jackett von Vorjahressieger Dustin Johnson - und kassiert umgerechnet 1,74 Millionen Euro.

Matsuyama: "Hoffe, viele Japaner folgen mir"

"Hoffentlich bin ich ein Pionier und viele andere Japaner folgen mir", sagte Matsuyama: "Ich bin froh, dass ich die Schleuse geöffnet habe."

Matsuyama war sich der Bedeutung seines Triumphes für sein Land bewusst. Er hatte am Schlusstag nicht nur den Tücken des Kurses an der Magnolia Lane und den Angriffen der Konkurrenten standgehalten. Sondern vor allem dem Druck einer golfverrückten Nation, der seit Jahren alleine auf seinen Schultern lastet.

Hoffnung einer ganzen Golf-Nation

Dass mit Hinako Shibuno (British Open 2019) und Chako Higuchi (LPGA Championship 1977) zuvor zwei Golferinnen Major-Siege feierten, zählte in Japans Macho-Kultur wenig. Der Fokus von Fans und Medien lag schon immer auf den prestigeträchtigen Events auf der Männer-Tour - und auf Matsuyama.

Er galt schon früh als Golf-Wunderkind, sein Vater nahm den Vierjährigen Hideko mit auf die Driving Range, die inzwischen im Besitz der Familie ist. Matsuyama wurde in Japan schnell zum Star, wurde vom Premierminister eingeladen und golfte mit ausländischen Staatsgästen. Als Profi zog es ihn später in die USA, wohl auch um dem gewaltigen Medienrummel zu entfliehen. Eine Zeitlang hielt er sogar seine Hochzeit und die Geburt seines ersten Kindes geheim.

TV-Übertragung des Masters-Siegs von Golfprofi Hideki Matsuyama in einer japanischen Einkaufsstraße

Was fehlte, war der erste Major-Titel. 2017, bei der PGA Championship, war Japans Hoffnungsträger als Führender ganz nahe dran, verspielte den Sieg aber am Ende - und weinte im Anschluss im japanischen Fernsehen. Den ersehnten Triumph feierte er nun ausgerechet in Augusta, wo schon Dutzende Golf-Helden vor ihm am welligen, unberechenbaren Kurs und ihren Nerven gescheitert waren. Spätestens nachdem Matsuyama, der mit sieben Schlägen vorne lag, die berüchtigte Amen's Corner mit den Löchern 11 bis 13 schadlos überstanden hatte und Verfolger Schauffele am 16. Loch mit einem Triple-Bogey alles verspielte, war Matsuyama der Sieg nicht mehr zu nehmen.

In Japan, wo viele Menschen am Montag extra früh aufgestanden waren, um die Übertragung der 73er-Finalrunde im Augusta National Golf Club zu verfolgen, wurde Matsuyamas Sieg gefeiert.

Matsuyama habe die japanische Öffentlichkeit "in Anbetracht der anhaltenden Auswirkungen des neuartigen Coronavirus inspiriert und ermutigt", sagte Premierminister Yoshihide Suga. Die japanische Golflegende Tsuneyuki Nakajima, der beim Fernsehsender TBS kommentierte, rang nach Matsuyamas Erfolg nach Worten. "Ich bin wirklich glücklich, diesen Augenblick mitzuerleben. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Tag kommen würde", sagte Nakajima und an die Adresse des Augusta-Siegers. "Wenn du zurück nach Japan kommt, lass mich ins grüne Jacket schlüpfen."

Gratulation von Woods: "Historischer Masters-Sieg"

Im Anschluss gratulierte auch Superstar Tiger Woods, Matsuyamas erklärtes Vorbild: "Du machst Japan stolz, Hideki", twitterte Woods: "Glückwunsch zu einer großen Leistung an Dich und Dein Land", schrieb der US-Amerikaner. Dieser "historische Masters-Sieg" werde "die gesamte Golf-Welt beeinflussen".

Auch im Augusta National Golf Club jubelten ihm die Fans zu. Im Gegensatz zu 2020, als das Masters wegen der Corona-Krise in den November verschoben wurde, waren in diesem Jahr wieder einige Tausend Zuschauer auf der beschaulichen Anlage zugelassen - allerdings deutlich weniger als in pandemiefreien Zeiten.

Viele Favoriten frühzeitig gescheitert

Deutschlands Golf-Idol Bernhard Langer war beim Masters klar am Cut gescheitert. Der 63-Jährige aus Anhausen kam nach zwei Runden auf 151 Schläge (74+77) und verpasste so die beiden Schlussrunden und einen neuen Altersrekord. Ebenfalls nicht in die zweite Turnierhälfte kamen unter anderem Titelverteidiger Dustin Johnson (149) und der viermalige Major-Sieger Rory McIlroy (Nordirland/150).

red/sid/dpa | Stand: 12.04.2021, 10:00

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