Turnier-Auslosungen - Unfaire Modi und andere dumme Ideen

FIFA-Präsident Gianni Infantino (r.) mit Rodolfo Villalobos aus Costa Rica (vorne) und CONCACAF-Präsident Victor Montagliani

Kurios, kurioser, Fußball

Turnier-Auslosungen - Unfaire Modi und andere dumme Ideen

Von Robin Tillenburg

Wer qualifiziert sich unter welchen Umständen für die EM? Das Prozedere hin zur EURO-Auslosung ist kurios. Aber auch in anderen Verbänden als der UEFA - beispielweise in der CONCACAF - gibt es bisweilen skurrile Modi.

CONCACAF-Farce

Die CONCACAF, also die nord- und zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation, hat für die Weltmeisterschaft 2022 einen neuen Qualifikationsmodus. Die sechs besten Teams der FIFA-Weltrangliste im Juni 2020 aus diesem Verband spielen drei der dreieinhalb Qualifikationsplätze unter sich aus. Der letzte "halbe" ist ein Platz in den Playoffs gegen einen Teilnehmer aus der asiatischen Fußballkonföderation. Um den müssen sich die anderen 29 (!) Teams streiten. Und es wird noch "besser". Selbst wenn man sich gegen 28 Konkurrenten durchgesetzt hat, muss man dann noch gegen den Gruppenvierten aus der "Top Sechs" spielen, nur um dann möglicherweise in den Playoffs von Australien vermöbelt zu werden. Das G in CONCACAF steht für "Gleichberechtigung". Oder so.

"Schieß ihn rein - egal wo!"

Beide Tore verteidigen - klingt wie eine Spielform, die der überambitionierte F-Jugend-Trainer seinen Schützlingen aufs Auge drückt. War aber Realität in der Partie zwischen Barbados und Grenada 1994. Barbados hätte mit zwei Toren Abstand gewinnen müssen, um Grenada von Gruppenplatz eins zu verdrängen. Weil in der Qualifikation für die Karibikmeisterschaft damals auch Gruppenspiele bei einem Unentschieden in die Verlängerung gingen, und das dort zu erzielende Golden Goal gleich doppelt zählte, versuchte Barbados, trotz 2:1-Führung eine Verlängerung zu erzwingen. Nach einem absichtlichen Eigentor stand es kurz vor Abpfiff 2:2 und Grenada brauchte einen Treffer - egal in welches Tor - um die Verlängerung abzuwenden. Barbados verteidigte beide Tore aber in den Schlussminuten erfolgreich, rettete sich in die Verlängerung, erzielte das Golden Goal und kam weiter.

Von Klebetafel bis Digital-Grafik - wie sich die EM-Auslosung verändert hat Sportschau 29.11.2019 04:24 Min. Verfügbar bis 29.11.2020 Das Erste

Im Durchschnitt unsinnig

Kurz vor der Meisterschaft in der Clausura, der argentinischen Halbjahresmeisterschaft in der ersten Fußball-Liga, stand im Jahr 2012 Club Atletico Tigre. So ganz befreit konnte das Kleinstadt-Team, das ziemlich überraschend um den Titel spielte, dann aber doch nicht in den Saisonendspurt gehen. Das Problem: In Argentinien steigen die Mannschaften ab, die in den letzten drei Jahren den geringsten Punktedurchschnitt aufweisen - Tigre war trotz der Spitzenposition der laufenden Saison akut gefährdet. Am Ende reichte es hauchdünn dafür, die Relegation zu vermeiden. Meister wurde Tigre trotzdem nicht.

Bittersüßer Pokalsieg

Torwart Jonas Omlin mit dem Pokal

Geqäultes Lächeln? Torwart Jonas Omlin mit dem Pokal

Fast genauso "bittersüß" wäre der Pokalsieg des FC Basel in der Spielzeit 2018/19 geworden. Der Pokalsieg hätte Basel den Einzug in die Gruppenphase der Europa League beschert - Planungssicherheit eben. Das Problem: Zum Zeitpunkt des Finales waren die Baseler bereits durch ihre Ligaplatzierung für die Qualifikationsrunde der Champions League qualifiziert. Die Regularien fordern: Wer sich für die Königsklasse qualifizieren kann, muss zwingend dort auch antreten. Das Problem: Scheitert man in der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation, muss man auch für die Europa League erst wieder eine Quali-Runde absolvieren. Die Nummer hatte aber ein Happy End für die Schweizer: Nach dem Pokalsieg überstanden sie die zweite Quali-Runde, scheiterten erst in der 3. und zogen somit dann doch direkt in die Europa League ein. Großer Verlierer: Fans des schlechten Wortwitzes. Die Schlagzeile "Europa League verbaselt" blieb unter Verschluss.

"Shame of Cincinnati"?

Den Fußball fairer machen. Transparenter. Klarer. Was der Videobeweis schaffen sollte - das Zwischenergebnis ist bekannt - ist laut eigener Aussagen auch der Ansporn, den die FIFA an sich selbst hat. Schaut man sich den Modus an, der bei der WM 2026 mit den insgesamt 48 Teams geplant ist, ist das aber etwa so wahr, wie die Behauptung, Vinnie Jones hätte stets den Ball spielen wollen. In 16 Dreiergruppen sollen die Teilnehmer antreten. So weit, so merkwürdig. Das bedeutet: Das letzte Gruppenspiel verfolgt eines der Teams zwangsläufig auf der Couch und kann/darf/muss möglicherweise zusehen, wie es ausscheidet.

Bei der WM 1982 konnten Deutschland und Österreich ihr letztes Gruppenspiel "entspannt" 1:0 ausgehen lassen, weil sie wussten, dass dieses Ergebnis beiden das Weiterkommen ermöglichen würde. Algerien, das am Vortag gespielt hatte und hilflos zusehen musste, wie es wegen des offensichtlich abgesprochenen Spiels ausschied, war der Leidtragende. 2026 droht genau das. 44 Jahre später erleben wir möglicherweise nicht die Schande von Gijon, aber dafür vielleicht die "Shame of Cincinnati". Klingt schmissiger, ist aber genauso bescheuert.

Stand: 28.11.2019, 07:00

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