Ginter und Kroos ebnen DFB-Team den Weg zur EM

Toni Kroos (l.) freut sich mit Leon Goretzka

Deutschland - Weißrussland 4:0

Ginter und Kroos ebnen DFB-Team den Weg zur EM

Von Christian Hornung

Die deutsche Nationalmannschaft ist für die EM 2020 qualifiziert - auch wenn das Duell mit Weißrussland sehr zäh begann. Dann aber lösten der neue Abwehrchef Matthias Ginter und später auch Toni Kroos die Bremse und führten das DFB-Team zu einem klaren Erfolg.

Der Gladbacher Ginter leitete in seinem Heimspiel im Borussia Park das 4:0 (1:0) gegen den 86. der FIFA-Weltrangliste mit einem Traumtor ein und war auch an zwei weiteren Treffern beteiligt. Kroos traf doppelt und wurde damit seiner Führungsrolle im Mittelfeld gerecht. Deutschland ist damit sicher bei der Europameisterschaft dabei, weil Nordirland im Parallelspiel gegen die Niederlande nicht über ein 0:0 hinauskam. Allerdings hatte der Sieg der Deutschen eine lange und phasenweise äußerst nervige Anlaufzeit.

"Zähle uns nicht zu den EM-Favoriten"

Kroos räumte ein: "Bis zum 1:0 ist es gegen einen solchen Gegner immer schwierig. Aber insgesamt haben wir es gut gemacht. Aktuell zähle ich uns nicht zu den Favoriten für die EM, aber das muss nichts heißen. Wichtig ist, dass wir uns in den beiden Länderspielen im März als Mannschaft einspielen."

Ginter sagte zu seiner Vorstellung und seinem ersten Länderspieltor: "Ich bin sehr froh darüber, und dass es ausgerechnet im eigenen Stadion geklappt hat, ist toll. Allerdings gibt es beispielsweise bei der Konterabsicherung noch einiges zu verbessern." Bundestrainer Joachim Löw analysierte ganz entspannt: "Wir haben unser Ziel erreicht, die Mannschaft hat gut gespielt. Wir haben einige gute Kombinationen gezeigt und viere Tor erzielt. Sicher war nicht alles perfekt, aber unter dem Strich bin ich sehr zufrieden."

Forscher Beginn

Zu Beginn der Partie waren die Deutschen bemüht, die Maßgaben von Bundestrainer Joachim Löw umzusetzen: schnell spielen, den Gegner stressen und ihn möglichst oft "überfordern". Ein Mittel dazu war der ständige Positionswechsel. So kam die erste Flanke der Partie nach zwei Minuten von Ginter, der von der Innenverteidiger- bis auf die Rechtsaußenposition vorgeprescht war und dies auch im weiteren Verlauf der Partie immer wieder so einstreute.

Ginter hatte auch die erste Großchance: Nach einer knappen Viertelstunde konnte Gästeschlussmann Aleksandr Gutor seinen abgefälschten 18-Meter-Schuss nur mit sehr viel Mühe um den Pfosten lenken. Kurz danach verpasste Serge Gnabry einen scharfe Hereingabe von Timo Werner kurz vor dem leeren Tor.

Dauerdruck ohne jegliche Präzision

Der Dauerdruck hielt an, ebenso allerdings die komplett fehlende Präzision beim letzten Pass und im Abschluss: Nach 19 Minuten lag das Torschussverhältnis bei 10:0 (!), doch die total passiven und teilweise mit einer Sechser-Abwehrkette agierenden Weißrussen waren vom Ergebnis her immer noch auf Augenhöhe.

Als es nach einer halben Stunde immer noch 0:0 stand, wurden im Publikum erste Unmutsbekundungen laut. Zu Recht: Nico Schulz von links und Lukas Klostermann von rechts überboten sich an mangelhaften Hereingaben, im Zentrum wirkten Gnabry und Werner total unkonzentriert und bekamen einfach keinen klaren Abschluss hin. Und auch die für Kreativität zuständigen Mittelfeldspieler Leon Goretzka und Ilkay Gündogan wirkten einfallslos, zunehmend behäbig und kaum mal dynamisch.

Deutschland gegen Weißrussland - die Torcollage

Sportschau 16.11.2019 00:31 Min. Verfügbar bis 16.11.2020 ARD

Neuer rettet gegen Stasewitsch

Das merkten nach 40 Minuten dann auch die Weißrussen - und wären beinahe durch ihren ersten Torschuss in Führung gegangen: Igor Stasewitsch profitierte von einem Fehler im Aufbauspiel der Deutschen und schlenzte den Ball aus 18 Metern hart Richtung rechtes Eck, doch Manuel Neuer parierte glänzend.

Der Warnschuss kam bei den Deutschen an. Sekunden später marschierte Gnabry auf der rechten Außenbahn durch, passte an den Fünfmeterraum, wo sich mal wieder Ginter ganz vorne eingeschaltet hatte - und mit einem herrlichen Hackentrick zum 1:0 vollendete. Glück hatte der Gladbacher allerdings, dass es in der Quali keinen Videobeweis gibt, denn er stand bei Gnabrys Zuspiel minimal im Abseits.

Goretzka trifft nach Eckball

Auch beim 2:0 fünf Minuten nach Wiederanpfiff war Ginter beteiligt: Eine auf ihn gespielte Ecke ließ er durch, irritierte damit die Gästeabwehr und ermöglichte Goretzka den Raum für dessen Flachschuss ins linke Eck. Und Ginter glänzte weiter: Beim 3:0 durch Kroos (56.) eroberte er den Ball am gegnerischen Strafraum und bediente den Real-Star, der mit einem trockenen Direktschuss vollendete. Auch hier wäre allerdings in der Bundesliga Diskussionsbedarf gewesen: Werner stand im Abseits und schränkte das Blickfeld von Torwart Gutor ein.

Die deutschen Fans waren inzwischen versöhnt: Nach einer Stunde schwappte "La Ola" durch das Stadion und die Begeisterung steigerte sich noch, als Neuer eine Viertelstunde vor Schluss einen von Freiburgs Robin Koch verursachten Foulelfmeter überragend gegen Stasewitsch parierte.

Löw: "Junge Mannschaft hat Charakter gezeigt"

Sportschau 17.11.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 17.11.2020 ARD Von ARD-Reporter Burkhard Hupe

Koch doppelt im Glück

Koch durfte in dieser Szene doppelt aufatmen: Für seine klare Notbremse an Pawel Nechaytschik hätte er statt Gelb auch durchaus Rot sehen können, denn der Ball war ein gutes Stück entfernt.

Koch darf damit am kommenden Dienstag (19.11.2019) mitwirken, wenn die Deutschen in Frankfurt gegen Nordirland spielen (Live-Ticker ab 20.30 Uhr bei sportschau.de) und mit einem Sieg Gruppenerster werden können. Ob das auch Luca Waldschmidt vergönnt ist, bleibt abzuwarten: Der Freiburger wurde in der 84. Minute eingewechselt, rasselte kurz danach mit Gutor zusammen und musste den Platz sichtlich benommen vorzeitig wieder verlassen. Er wurde in eine Klinik gebracht und droht mit einer Gesichstverletzung auszufallen.

Statistik

Fußball · Qualifikation zur Europameisterschaft · 9. Spieltag 2019/2020

Samstag, 16.11.2019 | 20.45 Uhr

Flagge Deutschland

Deutschland

Neuer – Klostermann, Ginter, R. Koch, N. Schulz – Kimmich, Kroos, Goretzka, Gündogan, Werner (68. Brandt) – Gnabry (84. L. Waldschmidt / 90.+1 Rudy)

4
Flagge Weißrussland

Weißrussland

Gutor – Matweitschik, Martynowitsch, Naumow, Poljakow – Kowalew (78. Skawisch), Majewskij, Dragun, Nechajtschik (84. Bessmertnij) – Stassewitsch, Laptew (68. Lisakowitsch)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Ginter (41.)
  • 2:0 Goretzka (49.)
  • 3:0 Kroos (55.)
  • 4:0 Kroos (83.)

Strafen:

  • gelbe Karte R. Koch (1 )

Zuschauer:

  • 33.164

Schiedsrichter:

  • Orel Grinfeld (Israel)

Stand der Statistik: Samstag, 16.11.2019, 22:43 Uhr

Stand: 16.11.2019, 23:04

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