Fußball-EM 2020: Russland droht der Ausschluss

Welt-Anti-Doping-Agentur

Dopingskandal könnte Auswirkungen haben

Fußball-EM 2020: Russland droht der Ausschluss

Von Niklas Schenk

Vor einer Woche hat die Welt-Anti-Doping-Agentur den neuen WADA-Code verabschiedet. Ziel ist es unter anderem, rigoroser gegen Doping vorzugehen. Das könnte für Russland gravierende Folgen haben - der Ausschluss als Teilnehmer und Gastgeber der Fußball-EM 2020 droht.

Am 1. Januar 2020 übernimmt Witold Banka das Amt des WADA-Präsidenten. Bei seiner Wahl in der vergangenen Woche gab der frühere polnische 400-Meter-Läufer ein Versprechen ab: "Die Zukunft des Kampfes gegen Doping beginnt heute".

Banka sagte, dass es "strenge Schritte gegen Russland" geben werde, falls die Manipulationen bei Dopingproben, die Russland vorgeworfen werden, nachgewiesen werden können.

Entscheidung soll am 9. Dezember verkündet werden

Banka wartet auf die Ergebnisse einer Untersuchungskommission. Die finale Entscheidung über eine mögliche Bestrafung Russlands soll am 9. Dezember verkündet werden. Dabei droht russischen Sportlern bei Olympischen Spielen oder der Fußball-Europameisterschaft nicht nur der Ausschuss als aktive Teilnehmer. Es könnte Russland auch untersagt werden, Sportereignisse zu veranstalten, die von Organisationen verantwortet werden, die sich dem neuen WADA-Code verpflichtet haben - so wie der UEFA.

Kampf gegen Doping: Witold Banka wird WADA-Chef

Sportschau 05.11.2019 03:34 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 ARD

Der Journalist Tariq Panja hat diesen Zusammenhang in einem Artikel der "New York Times" aufgedeckt. Panja hat sich den bereits seit April geltenden Compliance Code der WADA genau angeschaut. Darin heißt es auf Seite 49: "If the right to host or co-host a World Championship and/or other International Event(s) has already been awarded to the country in question, the Signatory that awarded that right must assess whether it is legally and practically possible to withdraw that right and re-assign the event to another country. If it is legally and practically possible to do so, then the Signatory shall do so."

Heißt im Klartext: Wenn ein Land verdächtigt wird, gegen den Compliance Code verstoßen zu haben, kann und soll ein Großevent von einem anderen Land ausgerichtet werden. Sollten sich die Dopingvorwürfe gegen Russland also erhärten, wäre dies wohl ein klarer Verstoß gegen den Compliance Code. Neu-Präsident Witold Banka hat sich mit seinen forschen Aussagen selbst unter Druck gesetzt und müsste zeigen, wie ernst es ihm im Anti-Doping-Kampf ist.

NADA äußert sich zum Bericht

Die Nationale Anti-Doping-Agentur bestätigte auf Anfrage von sportschau.de, dass der Compliance Code der WADA solche Sanktionen vorsehe. Ob Russland tatsächlich entsprechend bestraft wird, wollte die NADA nicht mutmaßen. Das müsse die WADA entscheiden.

"Die Fußball-Europameisterschaft könnte die erste internationale Sportgroßveranstaltung werden, die von den Strafen gegen Russland betroffen ist", schreibt Journalist Panja in seinem Artikel. Dass es Strafen gegen Russland geben wird, ist für Panja "so gut wie sicher", nachdem die Ermittler Beweise dafür gefunden hätten, dass die russischen Behörden Athletenakten manipulierten, um positive Dopingtests zu vertuschen. Darüber hatte auch die ARD-Dopingredaktion um Hajo Seppelt berichtet.

Russland ist für EM 2020 bereits qualifiziert

Die russische Nationalmannschaft hat sich für die Fußball-EM 2020 bereits qualifiziert. In St. Petersburg sollen drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen werden. Die Stadt hatte sich unter einem Dutzend Bewerber als russischer Ausrichter durchgesetzt.

Zukünftiger WADA-Chef Banka spricht Klartext

Sportschau 06.11.2019 02:29 Min. Verfügbar bis 06.11.2020 ARD Von WDR-Reporter Jan Pallokat

In St. Petersburg wurden bei der Fußball-WM 2018 sieben Spiele im mehr als eine Milliarde Euro teuren Stadion ausgetragen. 67.000 Zuschauer passen in die Arena, die über ein verschließbares Dach und ein verschiebbares Spielfeld verfügt. 2021 soll in dem Stadion auch das Finale der Champions League ausgetragen werden.

Der CAS hätte wohl das letzte Wort

Spätestens am 9. Dezember soll nun also eine Entscheidung verkündet werden. Im Falle einer Bestrafung hätte Russland dann 21 Tage Zeit, um beim Internationalen Sportgerichtshof CAS dagegen vorzugehen. Der CAS hätte also das letzte Wort.

"Wie mit Russland umgegangen wird, ist ein Lackmustest für Banka", sagt ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt über den neuen WADA-Präsidenten: "Er hat sich in der Russlandfrage stärker positioniert als vorher, da gilt es abzuwarten, ob den Worten auch Taten folgen." Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), bezeichnet den neuen WADA-Code als den "stärksten und robustesten Code, den wir bislang hatten. Dieses Regelwerk ist der Klebstoff aller Anti-Doping-Bemühungen." Dies sei Chance und Aufgabe zugleich.

Stand: 12.11.2019, 15:55

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