Per Traumtor in den Fokus - Ginter nutzt seine Chance

Matthias Ginter erzielt gegen Weißrussland die Führung für Deutschland

Bei Deutschlands Sieg gegen Weißrussland

Per Traumtor in den Fokus - Ginter nutzt seine Chance

Von Volker Schulte

Die lange Verletztenliste hat Matthias Ginter im EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland die Rolle als Abwehrchef beschert. Der Mönchengladbacher nutzte die Gelegenheit, sich ins Rampenlicht zu spielen - nicht nur wegen seines Traumtores.

Der Name Ginter steht im Fußball für solide Abwehrarbeit, nicht für Spektakel. Doch am Samstagabend (16.11.2019) bei Deutschlands 4:0-Sieg gegen Weißrussland in Mönchengladbach war alles anders. Ginter sorgte sehenswert für die 1:0-Führung (42.), indem er einen Querpass von Serge Gnabry hinter dem Standbein mit der Seite ins Tor lenkte.

"In der Halbzeit wollte tatsächlich nicht jeder glauben, dass ich das war, oder ob es doch ein Eigentor war", sagte Ginter nach dem Spiel mit einem Lächeln auf den Lippen: "Ich habe dann in einer Trockenübung noch einmal nachgemacht, wie es war. Und dann hat es mir, glaube ich, auch jeder geglaubt."

Ginter oft unterschätzt

Die beschriebene Kabinenszene passt zu dem, was Ginter schon vor der Partie ins ARD-Mikrofon gesagt hat: "Es war schon sehr früh, dass man mir nicht zugetraut hat, überhaupt Bundesligaspieler zu werden. Ich muss mir alles sehr hart erarbeiten."

Matthias Ginter - der stille unterschätzte Abwehrchef

Sportschau 16.11.2019 01:26 Min. Verfügbar bis 17.11.2020 ARD

Ginters Leistungsdaten sind deutlich umfangreicher als die von anderen 25-Jährigen: mit der Nationalelf Weltmeister 2014 (wenn auch ohne Einsatz), Olympia-Silber-Gewinner 2016 und Confed-Cup-Sieger 2017. In seinen Vereinen 207-facher Bundesligaspieler und 2017 DFB-Pokalsieger mit Borussia Dortmund.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Stammspieler bei Borussia Mönchengladbach

Ginters ruhige Art dürfte Anteil daran haben, dass nicht jeder seine Erfolge auf dem Zettel hat. Bundestrainer Joachim Löw aber weiß Ginters Qualitäten zu schätzen: "Er hat sich defensiv verbessert. Er ist stabil geworden und hat so eine gewisse Ruhe. Das macht ihn so solide und seriös."

Bei Borussia Mönchengladbach hat Ginter als Stammspieler großen Anteil daran, dass der Klub die Bundesligatabelle anführt. In der Nationalmannschaft war Ginter bislang einer von vielen. Doch in Abwesenheit der verletzten Niklas Süle, Antonio Rüdiger und Jonathan Tah stieg er für die Partie gegen Weißrussland zum Abwehrchef auf - und nutzte die Gelegenheit.

Ginter überraschend offensiv

Die DFB-Elf spielte zu Null, ihre Defensivaufgaben hat die Abwehr um Ginter also mit dem Idealergebnis erfüllt - wobei auch Manuel Neuer seinen Anteil hatte, indem er den von Robin Koch verursachten Foulelfmeter parierte (75.).

Vor allem aber überraschte Ginter, indem er seine Rolle als Innenverteidiger sehr offensiv interpretierte. Er traf nicht nur selbst, sondern bereitete auch das 3:0 durch Toni Kroos (55.) vor und war an weiteren gefährlichen Situationen beteiligt.

In der Jugend offensiver Mittelfeldspieler

Da blitzte durch, dass Ginter in der Jugend des SC Freiburg meist als defensiver oder offensiver Mittelfeldspieler aufgelaufen war. Erst als Profi rückte er in die Innenverteidigung.

Er blieb aber flexibel, vor allem in der Nationalmannschaft half er oft als Sechser oder Rechtsverteidiger aus. Diese Zeiten könnten vorbei sein: Im Kalenderjahr 2019 stellte Löw Ginter, wenn deser denn fit war, stets als Innenverteidiger auf. Und derzeit gibt es kaum Gründe, daran etwas zu ändern.

Stand: 17.11.2019, 12:46

Darstellung: