EM 1992 - Hamburger essen und Europameister werden

EM 1992 - Peter Schmeichel jubelt

EM 1992 - Hamburger essen und Europameister werden

Zehn Tage vor Start des Turniers rückte Dänemark für das gesperrte Jugoslawien nach - und überraschte den ganzen Kontinent. Das Rezept des Erfolgs war ein ganz Besonderes.

Europameister: Dänemarks Trainer Richard Møller-Nielsen hatte andere Pläne: "Ich wollte eine neue Küche einbauen, aber dann mussten wir in Schweden spielen." Er und mit ihm das ganze Land wurde überrascht von einem Turnier, das in die dänische Fußballgeschichte eingehen sollte.

Erst zehn Tage vor dem Start der Endrunde in Schweden wurden die Dänen aufgrund eines UNO-Embargos gegen Jugoslawien wegen des Balkankriegs als Nachrücker festgelegt. Nur zwei Wochen hatte das Team Zeit, um sich auf die Europameisterschaft vorzubereiten – und sorgte dort für Furore. Gegen den großen Favoriten Frankreich siegten sie 2:1 und zogen somit ins Halbfinale ein, dort bezwangen sie die Niederländer im Elfmeterschießen und im Finale wurde dann auch noch Weltmeister Deutschland besiegt.

Fleming Poulsen, damals Profi bei Borussia Dortmund, fasste das Erfolgsgeheimnis später so zusammen: "Wir haben viel getrunken, viel gelacht, viel Mini-Golf gespielt, sind zu McDonald's gegangen und haben Hamburger gegessen."

Spieler des Turniers: Peter Schmeichel galt während seiner Karriere vielen Experten als bester Torwart der Welt. Der Däne zeigte viele herausragende Spiele, etwa das Endspiel der UEFA Champions League 1999. Doch bei der Europameisterschaft 1992 lieferte er sein Meisterstück ab. Im Halbfinale hielt er bereits den stark geschossenen Elfmeter von Marco van Basten – um im Finale machte er das Spiel seines Lebens.

In Göteborg zeigte er gleich drei Weltklasseparaden, zwei davon gegen Jürgen Klinsmann, so dass das Märchen der Dänen mit dem Sieg über den Weltmeister seine Vollendung fand. "So richtig realisiert haben wir das erst, als wir in Kopenhagen vor dem Rathaus mit dem restlichen Dänemark gefeiert haben", sagte Schmeichel später.

Deutsche Mannschaft im Turnier: Die gesamtdeutsche Nationalmannschaft, die von Bundestrainer Berti Vogts betreut wurde, machte da weiter, wo sie in der Qualifikation mit einem quälenden 3:2-Sieg in Luxemburg und einer 0:1-Niederlage in Wales angefangen hatte. Souveränen oder gar attraktiven Fußball bot sie nicht. Zudem fehlte der verletzte Kapitän Lothar Matthäus und Rudi Völler brach sich beim Auftakt-Remis gegen die GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten) den Arm.

Und so wurschtelt sich Deutschland durch: Einem glücklichen 2:0 gegen die Schotten folgt eine 1:3-Pleite gegen die Niederlande. Nur den Schotten, die die GUS mit 3:0 bezwingen, verdanken die Deutschen den Einzug in die Runde der letzten Vier. Dort werden die Gastgeber geschlagen. Im Finale bringt der frühe Führungstreffer der Dänen den Favoriten dann völlig aus dem Konzept – als zehn Minuten vor dem Ende die Dänen einen Konter zum 2:0 abschließen, ist der Fisch endgültig zu Gunsten Dänemarks geputzt.

Aufreger des Turniers: Das Turnier stand im Zeichen des europäischen Umbruchs. Jugoslawien wurde aufgrund des Balkankriegs vom Turnier ausgeschlossen, die ehemalige UdSSR trat als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und Deutschland trat nach der Wiedervereinigung erstmals als eine Nation an. Franz Beckenbauers Prophezeiung vom deutschen Team, das auf Jahre unschlagbar sei, sollte sich indes nicht erfüllen.

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