Ceferin schließt Geisterspiele bei der EM aus - München unter Druck

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

Fußball-EM in zwölf Ländern

Ceferin schließt Geisterspiele bei der EM aus - München unter Druck

Von Chaled Nahar und Benedikt Brinsa

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat mit Blick auf die im Sommer 2021 geplante Fußball-Europameisterschaft eine klare Ansage gemacht: "Jede gastgebende Stadt muss garantieren, dass Fans zu den Spielen dürfen." Damit steigt der Druck auf die Gastgeber - auch auf München.

"Die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist vom Tisch", sagte Ceferin dem englischen Sender "Sky Sports" am Dienstag (16.03.2021). Der UEFA-Präsident sagte in einem Interview mit der kroatischen Zeitung "Sportske novosti" am Sonntag außerdem: "Die ideale Variante ist, in allen zwölf Ländern zu spielen. Aber es ist möglich, dass das Turnier in zehn oder elf Ländern gespielt wird, wenn einige Länder die Bedingungen nicht erfüllen."

Ceferins Aussagen erzeugen erheblichen Druck auf die zwölf Städte, in denen die EM ausgetragen werden soll. Dazu gehört auch München. Und die Stadt reagierte deutlich.

Münchens OB Reiter: "Nach aktuellen Vorschriften sind Fans nicht erlaubt"

Oberbürgermeister Dieter Reiter ließ dem Bayerischen Rundfunk zufolge erklären: "So sehr ich mir wünschen würde, in die Zukunft schauen zu können, ich kann es leider nicht. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie zulässt, im Juni Zuschauer zuzulassen oder nicht. Klar ist aber, dass Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nach den aktuellen Vorschriften nicht erlaubt sind."

Münchens OB Reiter wünscht sich Dialog mit der UEFA

Sportschau 17.03.2021 01:05 Min. Verfügbar bis 17.03.2022 ARD Von Kilian Medele


Der FC Bayern München trägt seine Spiele seit Monaten ohne Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion aus. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag laut Robert Koch-Institut am Dienstag (16.03.2021) bei 66,7. Ob in absehbarer Zeit überhaupt ab einer bestimmten Inzidenz wieder Fans zu Fußballspielen in München und Deutschland zugelassen werden, wird die Bund-Länder-Konferenz möglicherweise am kommenden Montag klären, wenn der Punkt "Veranstaltungen" besprochen werden soll. Alle Konzepte für einen Einlass von Fans müssten außerdem von den lokalen Gesundheitsbehörden in München zum Zeitpunkt der Spiele genehmigt werden.

Irritationen in München über Ceferins Vorgehen

Das Stadion in München soll Austragungsort der EM 2021 sein

Das Stadion in München soll Austragungsort der EM 2021 sein.

Ceferins Worte lösten in der Münchner Stadtverwaltung offensichtlich Irritationen aus. "Ich würde mir gerade in diesen Zeiten wünschen, dass die Verantwortlichen der UEFA hier den direkten Austausch mit den Gastgeber-Städten suchen, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten", teilte Reiter mit. Wie das Referat für Bildung und Sport der Stadt München per Pressemitteilung erklärte, ist ein Rückzug "kein Thema".

In München sind die drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft gegen Frankreich, Portugal und Ungarn angesetzt, hinzu kommt ein Spiel im Viertelfinale des Turniers, das ursprünglich im Sommer 2020 geplant war und dann wegen der Coronavirus-Pandemie um ein Jahr verschoben wurde. Die UEFA hatte zuvor mit insgesamt 2,1 Milliarden Euro bei den Einnahmen aus dem Turnier gerechnet. Fast ein Viertel der Erlöse war bei früheren Turnieren aus dem Verkauf von Eintrittskarten gekommen.

Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gab es zunächst keinen Kommentar. Der DFB verwies auf eine ältere Mitteilung vom 27. Januar. Darin hieß es, man wolle "die Vision erfüllen, dass auch Zuschauer - unter den dann geltenden Bestimmungen - die Spiele in München besuchen können". Die UEFA teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, dass keine der zwölf Ausrichterstädte "automatisch" gestrichen werde, wenn dort nur Geisterspiele möglich sein sollten. In so einem Falls müsse "abgewogen werden", ob die Spiele dort stattfinden sollten. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, man handele "lageabhängig".

Münchens OB Reiter zum Geisterspiel-Verbot: "Einigermaßen unangemessen" Sportschau 17.03.2021 01:16 Min. Verfügbar bis 17.03.2022 Das Erste

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Spielorte der EM 2021
StadtStadionKapazität
LondonWembley90.000
RomOlympiastadion72.689
MünchenArena70.000
BakuMilli Stadionu69.870
Sankt PetersburgKrestowski-Stadion69.501
BudapestPuskás Aréna67.155
BukarestArena Nationala55.600
AmsterdamJohan-Cruyff-Arena54.990
GlasgowHampden Park52.500
DublinArena51.700
BilbaoEstadio de San Mamés50.000
KopenhagenParken38.190

UEFA setzt Fristen, Standorte sollen Pläne für Fan-Einlass erklären

Ein wenig Zeit haben München und der DFB noch. Die UEFA hatte im November von den Standorten des Turniers verlangt, bis zum 5. März Klarheit darüber zu schaffen, ob und wie viele Fans bei Spielen anwesend sein dürfen. Diese Frist wurde bis zum 5. April verlängert. Nun soll es nach Angaben Ceferins in der kroatischen Zeitung bis zum 20. April eine weitere Möglichkeit geben, die Pläne zu ändern - an dem Tag findet der UEFA-Kongress in Montreux in der Schweiz statt. Die Austragungsorte sollten laut UEFA vor Ablauf der Frist eine von vier Optionen wählen:

  • grundsätzlich volle Stadien
  • 50 bis 100 Prozent der Plätze nutzbar
  • ein Drittel der Kapazität nutzbar
  • keine Zuschauer

Die letzte Option wird nun offenbar ausgeschlossen. Unklar ist, ob weitere Details neben den Infektionszahlen berücksichtigt werden: Dürften nur Fans aus den Ländern der Ausrichterstadt in die Stadien? Könnten Impfungen der Fans oder generelle Impfquoten in den Ländern eine Rolle spielen?

Die wichtigste Frage wird an vielen EM-Standorten angesichts von Ceferins Worten nun aber lauten, ob dort überhaupt noch EM-Spiele ausgetragen werden.

Glasgow, Dublin, Bilbao, Baku - mehrere Gastgeber fraglich

Der Hampden Park in Glasgow

Der Hampden Park in Glasgow

Medienberichten aus den Ländern der anderen Austragungsorte deuten an, dass mehrere Städte möglicherweise aus dem Programm ausscheiden könnten. Angesichts der dynamischen Entwicklung der Pandemie in den zurückliegenden zwölf Monaten erscheint die Planung bei der Fan-Frage Monate im Voraus ambitioniert. "So weit vorauszublicken ist sehr schwierig", sagte Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon der "BBC". Gerade weil Schottland aber erstmals seit 1998 bei einem großen Turnier dabei ist, wolle man die Spiele in Glasgow austragen.

In der spanischen Stadt Bilbao gelten strenge Vorkehrungen, das derzeitige Maximum an Fans liegt der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bei 1.200, und das auch nur bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 60 - was derzeit klar verfehlt wird. Die regionale baskische Regierung teilte laut Reuters mit, dass in Bezug auf die EM "alles von der pandemischen Entwicklung" abhänge. Ähnliche Berichte gibt es aus Irland, wo die Hauptstadt Dublin ein Austragungsort der Europameisterschaft sein soll. Der irische Verband antwortete auf Anfrage der Sportschau, dass man die Spiele weiter wie geplant austragen wolle, "aber wie immer hat die Gesundheit der Allgemeinheit Vorrang". Auch Baku wird immer wieder als Wackelkandidat gehandelt.

Alternative: Mehr Spiele in London?

Sollte es trotz vertraglicher Verbindungen zwischen den Städten und der UEFA zu einer Veränderung des Programms kommen, bliebe die Frage, was mit den Spielen passiert, die an den verhinderten Standorten geplant waren. Mark Bullingham, Geschäftsführer des englischen Verbands, brachte Londons Wembley-Stadion oder England allgemein für weitere Termine ins Spiel. "Wir wären froh, zu helfen", sagte er der "BBC". Wembley ist mit sieben Spielen inklusive beider Halbfinalspiele und des Endspiels ohnehin der prägende Standort des Turniers. Auch Russland bot zu Beginn der Pandemie an, für mehr oder alle Spiele Gastgeber zu sein.

Stand: 17.03.2021, 14:37

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