EM-Playoffs - Ein Gegner Deutschlands und drei weitere Teams gesucht

Ungarische Spieler beim Halbfinalsieg gegen Bulgarien

EURO 2020

EM-Playoffs - Ein Gegner Deutschlands und drei weitere Teams gesucht

Von Chaled Nahar

Die Endspiele der Playoffs zur EM 2020 stehen an, vier Teams werden noch gesucht. Spannende Fragen: Spielt Deutschland gegen Island oder Ungarn? Wird Nordirland "Heimteam" in Dublin? Und trifft Serbien bei der EM auf Kroatien?

Alle vier Endspiele der Playoffs finden am Donnerstag (12.11.2020) statt. Die vier Sieger nehmen die vier letzten freien Plätze im 32 Teams starken Feld der EURO 2020 ein. Das Turnier soll nach aktueller Planung am 12. Juni 2021 eröffnet werden. Es gibt in den Endspielen der Playoffs jeweils nur ein Spiel, das gegebenenfalls in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen entschieden wird. Das Heimrecht war zuvor ausgelost werden. Alle Spiele sind unterschiedlich von der Coronavirus-Pandemie betroffen.

Playoff A: Ungarn oder Island - wer wird Deutschlands Gegner?

Ungarn: Ungarn zeigte zuletzt starke Leistungen. Im Halbfinale gab es ein klares 3:1 gegen Bulgarien, in der Nations League feierte die Mannschaft Auswärtssiege in Serbien und der Türkei. 2016 war Ungarn ebenfalls dabei und scheiterte erst im Achtelfinale. Welche Bedeutung das Spiel gegen Island nun hat, verdeutlicht Dominik Szoboszlai, der sonst in Salzburg spielt: "Ich habe schon gegen große Teams in der Champions League gespielt - aber das wird das Spiel meines Lebens." Für Ungarn wären bei der EM zwei Heimspiele in Budapest möglich.

Islands Alfred Finnbogason

Islands Alfred Finnbogason

Island: Der Sieger dieser Partie landet in Gruppe F und ist damit neben Frankreich und Portugal ein Gruppengegner Deutschlands in München. Die EM 2016 war der Höhepunkt in Islands Fußballgeschichte, als sich die Öffentlichkeit in den Außenseiter und seine Fans regelrecht verliebte. Im Achtelfinale besiegte die Mannschaft England und scheiterte erst in der folgenden Runde an Frankreich. Island bereitete sich "auf halbem Weg" nach Budapest auf dem Trainingsgelände des FC Augsburg vor, um vor dem Spiel einen kürzeren Weg zu haben. "Wir sind heiß", sagt Augsburgs Isländer Alfred Finnbogason. Zuletzt ließ Island aber viel vermissen: In der Nations League hat das Team in vier Spielen noch keinen Punkt geholt.

Die Coronalage: Ungarns Nationaltrainer Marco Rossi ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er hat sich in Quarantäne begeben und wird seinem Team fehlen. Bei Ungarn fällt zudem Medienberichten zufolge der Ex-Bremer Laszlo Kleinheisler wegen eines positiven Tests aus. In Ungarn gilt seit Mittwoch eine nächtliche Ausgangssperre, das Land meldet rapide steigende Zahlen. Bislang gibt es unter den fast zehn Millionen Einwohnern rund 115.000 Infektionen, etwa 2.500 Menschen sind an oder mit dem Virus gestorben. Aus Island gibt es keine ähnlichen Neuigkeiten - dort ist am 30. Oktober aber der Spielbetrieb in den Ligen und Pokalwettbewerben ausgesetzt worden.

Pfad A, Endspiel:
Ungarn - Island (12.11.2020, 20.45 Uhr)
Stadion:
Puskas Arena in Budapest
Schiedsrichter:
Björn Kuipers (Niederlande)
Halbfinale:
Island - Rumänien 2:1 (2:0)
Bulgarien - Ungarn 1:3 (0:1)

Gruppeneinteilung EURO 2020
Gruppe A (Rom/Baku)Gruppe B (St. Petersburg/Kopenhagen)
TürkeiDänemark
ItalienFinnland
WalesBelgien
SchweizRussland
Gruppe C (Amsterdam/Bukarest)Gruppe D (London/Glasgow)
NiederlandeEngland
UkraineKroatien
ÖsterreichSerbien/Schottland
Georgien/NordmazedonienTschechien
Gruppe E (Bilbao/Dublin)Gruppe F (München/Budapest)
SpanienUngarn/Island
SchwedenPortugal
PolenFrankreich
Nordirland/SlowakeiDeutschland

Die deutsche Mannschaft hat unabhängig vom Ausgang des Spiels in allen drei Partien der Gruppenphase Heimspiele in München, auch wenn Ungarn als Mitgastgeber der Gruppe dabei sein sollte. Das direkt qualifizierte Team - in diesem Fall Deutschland - wurde von der UEFA besser gestellt und hat im möglichen direkten Duell zweier Gastgeber Heimrecht.

Playoff B: Nordirland könnte Heimteam in Dublin werden

Nordirlands Verteidiger Jamal Lewis

Nordirlands Verteidiger Jamal Lewis

Nordirland: Sollte Nordirland die Qualifikation schaffen, wäre die Mannschaft bei der EM für zwei Spiele das "Heimteam" in Dublin. "Wir wissen, dass wir in einer Gruppe in Dublin landen können und dass wir gegen Spanien spielen könnten", sagte Patrick Nelson, Chef des Verbandes in Nordirland, dem britischen Sender "Sky". "Wir freuen uns sehr auf die Playoffs." Nordirland, das 2016 in einer Gruppe mit der deutschen Mannschaft spielte, ist allerdings schwach in Form. Im Playoff-Halbfinale gewann Nordirland erst im Elfmeterschießen gegen Bosnien. Betrachtet man dieses Spiel als Remis, ist Nordirland seit sieben Spielen sieglos.

Slowakei: Das Team war bei der EM 2016 ebenfalls dabei und verlor im Achtelfinale mit 0:3 gegen Deutschland. Nun ist das Team wieder nah an einer Turnierteilnahme, steckt aber in der Krise. Zwar gewann auch die Slowakei ihr Halbfinale gegen Irland im Elfmeterschießen, holte aus neun Spielen zuletzt aber ansonsten nur einen Sieg. Deshalb trennte sich der Verband von Trainer Profi Pavel Hapal, der früher in der Bundesliga für Leverkusen spielte. Stefan Tarkovic ist nun Interimstrainer der Mannschaft, die in ihrer Nations-League-Gruppe sieglos Letzter ist.

Die Coronalage: In der Slowakei läuft der Versuch, die komplette Bevölkerung auf das Virus zu testen. Nordirland hat Schulen, Restaurants, Kneipen und zahlreiche Geschäfte geschlossen. Nordirlands Jordan Jones von den Glasgow Rangers flog aus dem Kader, weil er in Glasgow an einer Party teilnahm. Trainer Ian Baraclough sagte, er habe Jones mitgeteilt, was er darüber denke. "Ich werde ihn bei den nächsten Spielen wieder berücksichtigen. Hoffentlich wird er dazulernen." Ganz so groß ist die Vorsicht in Nordirland nicht: Der Verband kündigte an, 1.060 Fans ins Stadion zu lassen.

Pfad B, Endspiel:
Nordirland - Slowakei (12.11.2020, 20.45 Uhr in Belfast)
Stadion:
Windsor Park in Belfast
Schiedsrichter:
Felix Brych (München)
Weg ins Finale:
Bosnien - Nordirland 1:1 n. V. (1:1, 1:0), 3:4 i. E.
Slowakei - Irland 0:0 n. V., 4:2 i. E.

Playoff C: Serbien könnte auf Kroatien treffen, Schottland will den Bann brechen

Das Stadion Rajko Mitic in Belgrad

Das Stadion Rajko Mitic in Belgrad

Serbien: Sollte sich Serbien über die Playoffs qualifizieren, erwartet Glasgow die Gastgeberrolle für ein brisantes Spiel: Serbien und Kroatien, in den 90er Jahren Kriegsgegner, würden am letzten Gruppenspieltag in Schottland aufeinandertreffen. Mehrere politisch brisante Spiele hat die UEFA in der Vergangenheit ausgeschlossen, Serbien gegen Kroatien gehört nicht dazu. Dafür muss Serbien aber erst im Playoff-Finale die Schotten schlagen - allerdings ist Serbien nicht gut drauf und gewann in der aktuellen Nations League noch kein Spiel. Das Halbfinale gewann Serbien gegen Norwegen in der Verlängerung.

Schottland: Die Fans waren in der Vergangenheit eine stimmungsvolle Bereicherung jedes Turniers, auch wenn die Mannschaft diese schier unendliche Begeisterung sportlich nie rechtfertigte. Seit der WM 1998 scheiterte Schottland in jeder Qualifikation zu jedem Turnier. Nun macht der schottische Fußball Fortschritte - die Klubs haben möglicherweise bald wieder einen festen Platz in der Gruppenphase der Champions League und die Nationalmannschaft ist der EM-Qualifikation nah, der Lohn wären Heimspiele in Glasgow. Das Team von Trainer Steve Clarke hatte im Halbfinale gegen Israel zwar etwas Glück, ist aber seit acht Spielen ungeschlagen und steht an der Spitze seiner Nations-League-Gruppe.

Die Coronalage: Auch Serbien meldet steigende Zahlen, dort steht vor allem durch fehlendes Personal die Krankenhausstruktur unter Druck. Filip Djuricic fällt bei Serbien nach einem positiven Test aus, ansonsten ist das Team weitgehend komplett. Mehrere serbische Spieler sind in Italien aktiv und zunächst war befürchtet worden, dass diese Spieler wegen regionaler italienischer Bestimmungen nicht reisen dürfen. Bei Schottland gibt es im Gegensatz zum jüngsten Länderspielfenster bislang keine Corona-Ausfälle.

Pfad C, Endspiel:
Serbien - Schottland (12.11.2020, 20.45 Uhr)
Stadion:
Stadion Rajko Mitic in Belgrad
Schiedsrichter:
Antonio Mateu Lahoz (Spanien)
Weg ins Finale:
Schottland - Israel 0:0 n. V., 5:3 i. E.
Norwegen - Serbien 1:2 n. V. (1:1, 0:0)

Playoff D: Ein EM-Debütant garantiert

Nordmazedoniens Trainer Igor Angelowski

Nordmazedoniens Trainer Igor Angelowski

Georgien: Die Nations League 2018/19 versprach den kleinen Teams einen Weg in die Playoffs, Georgien ist eines davon. In der Qualifikation gewann das Team zwei Mal gegen Gibraltar, trotzte außerdem Dänemark und Irland einen Punkt ab. Aber: In seiner Gruppe der Liga C in der Nations League ist Georgien noch ohne Niederlage und hofft nun auf seine erste Teilnahme an einem großen Turnier.

Nordmazedonien: Für die Mannschaft wäre es wie für Georgien die erste Turnierteilnahme seit der Unabhängigkeit des Landes. Nordmazedonien spielte eine starke Qualifikation, besiegte dabei Lettland, Israel und Slowenien. Dass die Partie gegen Georgien eng wird, ist in der Nations League zu sehen: Da befinden sich beide Mannschaften in derselben Gruppe, spielten beide Male 1:1 und befinden sich punktgleich an der Spitze der Tabelle. Trainer Igor Angelowski sagt: "Wir freuen uns, im Finale zu stehen - aber wir planen nicht, dort anzuhalten."

Die Coronalage: Georgien kam lange gut durch die Krise, hat nun aber eine stark steigende Zahl an Neuinfektionen und gilt als Risikogebiet. Der Verband vermeldete, dass alle Tests in der Mannschaft negativ ausgefallen seien. Bei Nordmazedonien gibt es einen Coronafall: Ersatztorwart Daniel Bozhinovski kann nicht an dem Spiel teilnehmen.

Pfad D, Endspiel:
Georgien - Nordmazedonien (12.11.2020, 18 Uhr)
Stadion:
Dinamo Arena in Tiflis
Schiedsrichter:
Anthony Taylor (England)
Weg ins Finale:
Georgien - Belarus 1:0 (1:0)
Nordmazedonien - Kosovo 2:1 (2:1)

Corona-Regeln für die Playoffs

Die UEFA hat wie im Europapokal und in der Nations League auch für die Playoffs Regeln festgelegt, die ein Vorgehen bei positiven Coronatests festschreiben.

  • Solange eine Mannschaft 13 Spieler inklusive wenigstens eines Torhüters zur Verfügung hat, wird das Spiel wie geplant ausgetragen.
  • Sollte das eine Mannschaft nicht gewährleisten können, wird das Spiel an einem anderen Termin nachgeholt. Das kann laut UEFA auch im Mai/Juni 2021 unmittelbar vor Beginn der Endrunde sein.
  • Außerdem kann die UEFA bei Bedarf die Austragung des Spiels kurzfristig in einem neutralen Land veranlassen, falls die Vorschriften in einem der Gastgeberländer ein Spiel unmöglich machen.

Stand: 12.11.2020, 08:00

Darstellung: