EURO 2020: Russland, Ukraine und Kosovo können politische Themen werden

Andrej Schewtschenko feiert mit der Nationalmannschaft der Ukraine

Qualifikation zur EURO 2020

EURO 2020: Russland, Ukraine und Kosovo können politische Themen werden

Von Chaled Nahar

Die Ukraine und Russland sind auf dem besten Weg, sich für die EURO 2020 zu qualifizieren. Auch der Kosovo hat gute Chancen. Der mögliche Auftritt all dieser Teams dürfte aber auch politisch spannend werden.

Vorkehrungen in Sachen Russland und Ukraine sind bei der UEFA mittlerweile Routine. Seit im Osten der Ukraine Krieg zwischen der Armee des Landes und den prorussischen Separatisten herrscht, verbot das Exekutivkomitee der UEFA in der Champions League und der Europa League, aber auch in der Nations League oder den Qualifikationswettbewerben zur WM und EM Spiele zwischen Mannschaften aus beiden Ländern.

Das war in den Gruppenphasen der Wettbewerbe meist einfach - und bevor es in den letzten K.o.-Runden hätte eng werden können, löste sich das Problem meist sportlich durch ein Ausscheiden der entsprechenden Teams. Bei der EURO 2020 dürfte es für die UEFA nicht so leicht werden.

Ukraine und Russland schon für die EURO qualifiziert

Russlands Mario Fernandes

Russlands Mario Fernandes

Beide Nationalmannschaften haben sich bereits qualifiziert. Damit stellt sich für die UEFA also erneut die Frage, wie die beiden politischen Konfliktparteien auch sportlich auseinandergehalten werden. Die Lösung auch hier: In der Gruppenphase ist eine Begegnung beider Mannschaften nicht möglich, außerdem darf die Ukraine nicht in Gruppe B gelost werden, in der Sankt Petersburg neben Kopenhagen ein Austragungsort sein wird.

Auch Kosovo gegen Russland nun verboten

Damit nicht genug. Nun entschied die UEFA, auch Spiele zwischen dem Kosovo und Russland zu untersagen. "Unter Berücksichtigung der Sicherheitsrisiken bei Spielen zwischen Mannschaften aus Russland und dem Kosovo entschied das Gremium, dass die beiden Mannschaften bei jeglichen künftigen UEFA-Wettbewerben bis auf weiteres nicht mehr gegeneinander antreten dürfen", hieß es in einer Mitteilung.

Der Kosovo dürfte bei einer erfolgreichen Qualifikation in der Gruppenphase nicht gegen Russland spielen. Russland ist bereits für das Turnier qualifiziert. Zudem werden bei dem paneuropäischen Turnier drei Gruppenspiele sowie ein Viertelfinale in St. Petersburg ausgetragen. Kosovo hat in Gruppe A zumindest gute Chancen und ansonsten einen Platz in den Playoffs sicher.

Kosovo darf auch nicht gegen Serbien oder Bosnien spielen

Für den Kosovo sind auch Spiele gegen Serbien und Bosnien-Herzegowina untersagt. Die derzeit verbotenen Spiele der UEFA unter Berufung auf politische Spannungen zwischen den Ländern lauten:

  • Spanien - Gibraltar
  • Armenien - Aserbaidschan
  • Kosovo - Bosnien-Herzegowina
  • Ukraine - Russland
  • Kosovo - Serbien
  • Kosovo - Russland

Bis zu vier dieser Begegnungen Spiele könnten bei der EURO 2020 ausgeschlossen werden müssen. Russland ist qualifiziert. Die Ukraine ist so gut wie durch. Kosovo, Serbien und Bosnien-Herzegowina haben in ihren Qualifikationsgruppen unterschiedliche Chancen. Doch alle drei Teams haben einen Platz in den Playoffs sicher - und zwar in unterschiedlichen Pfaden. Es könnten also im Maximalfall Russland, Ukraine, Kosovo, Serbien und Bosnien allesamt in der Lostrommel liegen. Bei der Auslosung, in der durch die zwölf Gastgeber ohnehin schon sehr viel vorgegeben ist, wird es daher immer schwieriger, überhaupt noch irgendwas auszulosen.

In der K.o.-Phase ist jedes Spiel möglich

"Die Restriktion gilt nur in der Gruppenphase", schreibt die UEFA. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Teams in der K.o.-Phase aufeinandertreffen." In der K.o.-Phase sind die brisanten Spiele also möglich. Die Regel, nach der auch die vier besten der sechs Gruppendritten das Achtelfinale erreichen, macht es den Mannschaften darüber hinaus auch noch schwer, "rechtzeitig" auszuscheiden.

Und die Regel der Gruppendritten lässt auch keine weitere Einschränkung auf den Spielplan zu. Wenn das sportliche Ergebnis es will, könnte es die Ukraine und auch Kosovo zu einem Gastspiel in Sankt Petersburg führen.

So funktioniert die EM-Qualifikation Sportschau 06.09.2019 01:20 Min. Verfügbar bis 06.09.2020 Das Erste

Russland - Ukraine letztmals vor 20 Jahren

1998 sind die Nationalmannschaften Ukraines und Russlands in der Qualifikation zur EM 2000 zum bislang letzten Mal in einem Pflichtspiel aufeinandergetroffen. Am 5. September 1998 gewann die Ukraine in Kiew 3:2, am 9. Oktober 1999 gab es ein 1:1 in Moskau. Für zwei wäre ein solches Aufeinandertreffen aber nichts Neues: Ukraines heutiger Trainer Andrej Schewtschenko stand in beiden Spielen in der Startelf, Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow saß zumindest im Hinspiel auf der Bank.

Russland und Kosovo traten noch nicht gegeneinander an.

Kosovo in vier Gastgeberländern nicht anerkannt

Beim Kosovo kommt hinzu, dass mit Spanien, Aserbaidschan, Rumänien und eben Russland vier Gastgeberländer das Land nicht als Staat anerkennen, im Falle einer Qualifikation die Mannschaft aber mit Flagge und Hymne empfangen sollen.

Die Ablehnung ist unterschiedlich groß, in Spanien durften die Sportlerinnen und Sportler aus dem Kosovo bei der Karate-WM in Madrid den Namen ihres Landes nicht auf der Kleidung tragen. In Aserbaidschan wurde Kosovo in der Nations League mit Hymne und Flagge problemlos empfangen.

UEFA erneut in Baku zu Besuch

Der europäischen Spitzenfußballs unternimmt bei der EM außerdem einen erneuten Ausflug nach Aserbaidschan, was zu ähnlichen Diskussionen wie um das Europa-League-Finale 2019 führen kann.

Stand: 18.10.2019, 23:58

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