Finnen hoffen auf den großen Fußball-Coup

Pukki und Finnland stehen vor erster Qualifikation

Euro 2020

Finnen hoffen auf den großen Fußball-Coup

Von Niklas Schenk

Finnlands Fußballer können Geschichte schreiben - und sie glauben fest daran, etwas Historisches zu schaffen. Erstmals könnte sich Finnland für ein großes Fußballturnier qualifizieren. Um bei der Euro 2020 dabei zu sein, könnte gegen Liechtenstein schon ein Unentschieden reichen.

"Wir werden es schaffen!" - Teemu Pukki bemüht sich erst gar nicht darum, den Druck kleinzuhalten. Ein Sieg gegen Liechtenstein am Freitagabend (15.11.2019, 18 Uhr, Live-Ticker auf sportschau.de) und die finnische Nationalmannschaft um den Ex-Schalker Pukki wäre für die Euro 2020 qualifiziert. Noch nie waren Finnlands Fußballer bei einer Welt- oder Europameisterschaft dabei. Nun bietet sich die vielleicht einmalige Chance. Pukki kann es kaum erwarten: "Mein großer Traum ist es, einmal bei der Endrunde dabei zu sein. Jetzt haben wir eine großartige Gelegenheit, diesen Job zu erledigen", sagte der Stürmer, der inzwischen für den englischen Premier-League-Klub Norwich City spielt.

Auf Pukki ruhen die Hoffnung der ganzen Nation. Gut fünf Millionen Menschen leben in Finnland, das bisher vor allem für Eishockey bekannt war - aktuell stellt Finnland zum bereits dritten Mal den Eishockey-Weltmeister. Nun soll es im hohen Norden endlich auch mit dem großen Coup im Fußball gelingen.

Die Ausgangslage ist komfortabel

Die Ausgangslage ist für die Finnen komfortabel. Italien ist als Gruppenerster bereits für die EM qualifiziert, dahinter steht Finnland mit fünf Punkten Vorsprung auf Armenien und Bosnien-Herzegowina. Bei einem Sieg gegen Schlusslicht Liechtenstein, dem in acht Spielen bisher nur zwei Treffer gelangen, wären die Finnen sicher bei der EM dabei. Selbst ein Remis würde reichen, wenn Bosnien-Herzegowina nicht gegen Italien gewinnt. Und notfalls könnten sich die Finnen als Sieger der Gruppe C2 der Nations League auch in den Playoffs noch für die Euro 2020 qualifizieren.

11.000 Zuschauer werden am Freitag zum Spiel in Töölö am Rande der Landeshauptstadt Helsinki kommen. Das zeugt nicht etwa von geringem Interesse - mehr Zuschauer passen schlichtweg nicht in die seit Wochen ausverkaufte Arena. Wegen des bevorstehenden Winters wird auf Kunstrasen gespielt. Überall im Land werden die Fans beim Public Viewing ihren neuen Lieblingen die Daumen drücken, das Fernsehen überträgt live, was in Finnland nicht so selbstverständlich ist wie in Deutschland.

Pukki hat in der Qualifikation genauso oft wie Ronaldo getroffen

Den größten Anteil an dem Hype hat im Land der tausend Seen der Ex-Schalker Pukki. Sieben Tore hat der 29-Jährige in den bisherigen Qualifikationsspielen geschossen - genauso viele wie Cristiano Ronaldo für Portugal. Damit hat Pukki mehr als die Hälfte der zwölf finnischen Treffer in der bisherigen Qualifikation erzielt. Richtig wohl fühlt sich sich der Blondkopf, den sie in der Heimat Superpommittaja - den Super-Bomber - nennen, in der Rolle des Stars noch nicht. Doch entziehen kann er sich ihr nicht. Niemand stehe über den anderen, betonte er zu Wochenbeginn auf einer Pressekonferenz und saß doch ganz allein im Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem Podium. Torwart Lukas Hradecky vom Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen wird zwar oft gelobt, das Rampenlicht aber gehört Pukki.

"Er ist jemand, den jeder zu lieben scheint", sagte Finnlands Ex-Nationalspieler Aki Riihilahti, der einst auch beim 1. FC Kaiserslautern am Ball war, unlängst über den neuen Sportliebling: "Er wurde als der finnische Retter angenommen, der uns in das gelobte Land bringt." Dabei kam Pukkis Karriere nur langsam in Fahrt. Schon mit 18 verließ er die Heimat, schaffte beim FC Sevilla aber nicht den Durchbruch und kehrte 2010 zu HJK Helsinki nach Finnland zurück. Ein Jahr später wurde Schalke auf ihn aufmerksam, als Pukki in der Europa-League-Qualifikation gleich dreimal gegen den Bundesligisten traf. Zwar avancierte Pukki in Gelsenkirchen zum Publikumsliebling - sportlich hinterließ er aber ebenso wenig Spuren wie später bei Celtic Glasgow und Brøndby IF. Erst der Wechsel zu Norwich City brachte die Wende. Mit 29 Toren wurde er in der Vorsaison nicht nur Torschützenkönig der zweiten englischen Liga, sondern auch zum "Spieler des Jahres" gekürt. Seinetwegen pilgern seine Landsleute in Scharen nach England - in Norwich ist die Zahl der Hotelbuchungen aus Finnland zwischen Januar und September gegenüber dem Vorjahr um 150 Prozent gestiegen.

Zuletzt jedoch schwächelte Pukki, traf auch für seinen Klub nicht mehr und steht mit Norwich am Tabellenende. Während Bayer-Keeper Lukas Hradecky gegen Liechtenstein das Tor hütet, fehlt dessen Leverkusener Mitspieler Joel Pohjanpalo: Der Angreifer und Pechvogel blieb am Dienstag im Training mit dem Fuß im Rasen hängen und fällt wieder länger aus. Bereits zuvor hatten ihn Verletzungsprobleme zu einer längeren Pause gezwungen. Der Bundesliga-Profi will aber auf jeden Fall mit dabei sein und wird auf der Tribüne die Daumen drücken.

Mitspieler freuen sich über demonstriertes Selbstbewusstsein

Pukki ist der Rummel um seine Person eher unangenehm. Er preist lieber die Vorzüge der Mannschaft an. "Wir haben ein Team mit einem hohen Maß an Können und Mentalität", schwärmte er von den Nationalmannschafts-Kollegen. Und Pukki gibt sich siegessicher. Seine Mitspieler danken es ihm - allen voran Abwehrspieler Paulus Arajuuri: "Ich bin froh, dass Teemu das Sieg-Versprechen gegeben hat. Es ist großartig, dass er das Selbstvertrauen hat. Wir brauchen diesen Glauben."

Stand: 15.11.2019, 06:00

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