EURO 2020: München bleibt Spielort, gibt aber keine Garantie für Fans

Die Allianz Arena in München

EM-Zusage

EURO 2020: München bleibt Spielort, gibt aber keine Garantie für Fans

Die UEFA hat Bilbao und Dublin aus dem Feld der Gastgeberstädte für die EURO 2020 getrichen, hält aber an München fest. Möglicherweise wird es dort Spiele mit Fans geben - eine von der UEFA zuletzt geforderte Garantie dafür gibt es von deutschen Behörden und vom DFB jedoch nicht.

DFB-Präsident Fritz Keller begrüßte den Beschluss des UEFA-Exekutivkomitees am Freitag (23.04.2021) als "wichtiges Signal" und sagte einer Mitteilung zufolge, die Partien könnten "vielleicht sogar vor Publikum" stattfinden, "wenn es die pandemische Entwicklung zulässt". Das steht allerdings im Widerspruch zur Kommunikation der UEFA.

UEFA sieht Fans im Stadion bestätigt, die bayerische Regierung nicht

"Das UEFA-Exekutivkomitee ist heute per Videokonferenz zusammengetreten und wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass die zuständigen Behörden die Durchführung aller vier Partien der UEFA EURO 2020 in München mit mindestens 14.500 Zuschauern genehmigt haben, weshalb die Stadt als Austragungsort bestätigt wurde", hieß es in einer Mitteilung. Das sieht man in Bayern anders.

"Alles ist vorbehaltlich der pandemischen Lage", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München und widersprach damit der UEFA. Die Landesregierung Bayerns hatte laut DFB ihr Einverständnis mit einem sogenannten "Leitszenario" erklärt, in dem eine Mindestkapazität von 14.500 Zuschauern in München für "realistisch" gehalten wird - keine Rede von einer Garantie. "Es wird erst vom Infektionsgeschehen abhängig gemacht werden können, ob die Möglichkeit besteht, Zuschauer ins Stadion einzulassen oder nicht", sagte auch ein Sprecher des für Sport zuständigen Bundesinnenministeriums.

"Ob es vor Zuschauern ist und vor wie vielen, konnte ich schon vor einer Woche nicht sagen. Das kann auch heute niemand sagen, deswegen gab es auch bis zum heutigen Tag keine Zusagen irgendwelcher Zuschauergarantien", sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Münchens OB Reiter: "Keine Zusagen irgendwelcher Zuschauer-Garantien" Sportschau 23.04.2021 Verfügbar bis 23.04.2022 Das Erste

Vier Spiele in München, K.o.-Spiel war besonders fraglich

Geplant in der Arena sind die deutschen Heimspiele gegen Frankreich, Portugal und Ungarn. Auch ein Viertelfinale wird in München stattfinden. Dieses K.o.-Spiel hatte nach Sportschau-Informationen bis zuletzt besonders auf der Kippe gestanden, da sich die UEFA an einem anderen Spielort mehr Zuschauer erhofft hatte.

Die Stadt München hatte bei der UEFA drei Szenarien für eine Teilzulassung eingereicht. Das nun von Bayern genehmigte sogenannte "Leitszenario" sieht 14.500 Zuschauer (21,6 Prozent der Gesamtkapazität) in der Arena vor. In weiteren Szenarien seien knapp 27.000 Zuschauer (40,2 Prozent) möglich, im schlechten Fall sah eine Option nur zwischen 0 und 7.000 Menschen (etwa zehn Prozent) im Stadion vor.

EM-Spiele in München
DatumRundeBegegnung
15. Juni1. SpieltagFrankreich - Deutschland
19. Juni2. SpieltagPortugal - Deutschland
23. Juni3. SpieltagDeutschland - Ungarn
2. JuliViertelfinaleoffen

UEFA andernorts strenger: Bilbao und Dublin sind raus

Die Fanfrage warf aber Rätsel auf, hatte die UEFA im Vorfeld doch von allen Standorten ausdrücklich Garantien gefordert, dass Zuschauer in die Stadien dürfen. Zwei andere Städte sind aus dem Programm gestrichen worden:

Bilbao: Die Spiele werden nach Sevilla in das Estadio Olimpico de La Cartuja verlegt, teilte die UEFA mit. Weder der FC Sevilla noch Betis Sevilla spielen dort, das Stadion wird sonst selten für Fußball genutzt. Hintergrund des Entzugs der Gastgeberrolle für Bilbao sind strenge Voraussetzungen der regionalen Behörden im Baskenland wie beispielsweise eine bestimmte Impfquote. Die UEFA sah es als unwahrscheinlich an, dass dort vor Fans gespielt werden kann.

Dublin: Mangels Garantien für Fans im Stadion entzog die UEFA auch Dublin den Status als Spielort. Die drei Gruppenspiele, die in Irland geplant waren, werden nun in Sankt Petersburg in Russland ausgetragen. Das für Dublin angesetzte Achtelfinale soll in Wembley gespielt werden.

London, Glasgow, Amsterdam, Kopenhagen, Budapest, Bukarest, St. Petersburg, Baku und Rom hatte die UEFA bereits mit verschiedenen Angaben zu den möglichen Auslastungen der Stadien aufgelistet. Ungarn will in Budapest Spiele vor vollen Rängen ermöglichen. Auch die britische Hauptstadt London hofft beim Finale am 11. Juli auf ein volles Wembley-Stadion.

Sportpolitische Hintergründe für die Entscheidung?

Dass München nicht gestrichen wurde, könnte auch sportpolitische Hintergründe haben. Karl-Heinz Rummenigge sitzt seit Montag im Exekutivkomitee der UEFA. Nach dem Super-League-Debakel bat die Klubvereinigung ECA ihren Ehrenvorsitzenden, den Platz einzunehmen, den Juventus-Präsident Andrea Agnelli über Nacht hinterlassen hatte. In Medien wurde spekuliert, ob Rummenigge Einfluss geltend machen könnte.

Für die UEFA wäre eine Absage an München aber auch ein Affront gegen Deutschland als wichtigen Fußball-Markt gewesen. 2024 richtet Deutschland für die UEFA die folgende Europameisterschaft aus.

sid,dpa,red | Stand: 23.04.2021, 17:50

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