Rassismus in Bulgarien: Festnahmen durch Polizei, UEFA untersucht

Bulgarische Fans zeigen ein Shirt mit der Aufschrift "No respect"

Nach dem EM-Qualifikationsspiel gegen England

Rassismus in Bulgarien: Festnahmen durch Polizei, UEFA untersucht

Nach den rassistischen Vorfällen beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Bulgarien und England hat die UEFA ein Disziplinarverfahren gegen den bulgarischen Fußballverband eingeleitet. Derweil wurden sechs bulgarische Fans festgenommen.

Die Männer werden verdächtigt, an den Entgleisungen im Stadion beteiligt gewesen zu sein. "Bisher wurden sechs Personen festgenommen, drei weitere werden gesucht, während die Ermittlungen fortgesetzt werden", sagte Sofias Polizeichef Georgi Hadschijew, der davon sprach, dass insgesamt 15 Personen beteiligt gewesen sein sollen.

Das Spiel (0:6) war in der ersten Halbzeit zwei Mal wegen rassistischer Äußerungen von bulgarischen Fans unterbrochen worden, mehrfach wurde von einheimischen Zuschauern auf der Tribüne der Hitlergruß gezeigt. Vor allem Debütant Tyrone Mings hatte sich bei seinem Länderspieldebüt mehrfach beim kroatischen Schiedsrichter Ivan Bebek beschwert, dass sein Teamgefährte Raheem Steerling bei jeder Ballberührung mit Affenlauten von der Tribüne beleidigt wurde.

Bulgarischer Fußballpräsident zurückgetreten

Wegen der Ereignisse war der Präsident des bulgarischen Fußballverbandes, Borislaw Michailow, am Dienstag (15.10.2019) nach Aufforderung des bulgarischen Regierungschefs Boiko Borissow zurückgetreten. In der Verbandszentrale in Bojana bei Sofia begann kurz darauf eine polizeiliche Überprüfung wegen Korruptionsverdachts.

Nach Druck durch Regierung: Chef des bulgarischen Fußballverbandes zurückgetreten

Sportschau 16.10.2019 02:46 Min. Verfügbar bis 16.10.2020 ARD Von Clemens Verenkotte

Auch die UEFA untersucht. Den Bulgaren wird rassistisches Verhalten vorgeworfen, zudem das Werfen von Gegenständen und das Stören der Nationalhymne. Der Verband muss außerdem erklären, warum entgegen der Sicherheitsregeln der UEFA Wiederholungen auf der Stadionleinwand gezeigt wurden. Die Kontroll- und Disziplinarkommission der UEFA wird sich mit dem Fall bereits am Donnerstag (17.10.2019) beschäftigen.

Auch englischer Verband muss sich verantworten

Als Wiederholungstäter droht dem bulgarischen Verband ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Artikel 14 der Rechtspflegeordnung der UEFA sieht dies sowie eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro bei einem wiederholten Fall vor.

Der englische Fußballverband FA muss sich ebenfalls wegen des Störens der Nationalhymne verantworten. Zudem wird der FA zur Last gelegt, keine ausreichende Anzahl an mitreisenden Ordnern gehabt zu haben.

Infantino: Verantwortliche lebenslang sperren

FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach in einem Statement auf der Weltverbands-Homepage am Dienstagabend von einer "abscheulichen Krankheit", die in manchen Teilen der Welt nur noch schlimmer zu werden scheine. Rassismus im Fußball gehöre ausgerottet, betonte der FIFA-Chef. Diejenigen, die rassistischen Verhaltens bei einem Fußballspiel für schuldig befunden würden, sollten lebenslang aus Stadien verbannt werden.

Affenlaute und Hitlergruß im Spiel Bulgarien gegen England Sportschau 15.10.2019 04:07 Min. Verfügbar bis 15.10.2020 Das Erste

red/sid/dpa | Stand: 16.10.2019, 11:48

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