EM-Qualifikation: Fodas Österreicher - von wegen "Schülermannschaft"

Es lag auch an Stefan Lainer (r.), dass Österreich sich für die EM-Endrunde qualifiziert hat

Euro 2020

EM-Qualifikation: Fodas Österreicher - von wegen "Schülermannschaft"

Von Tim Beyer

Österreich hat sich gerade zum zweiten Mal in Folge für eine EM-Endrunde qualifiziert. Dabei hatte die Mannschaft von Franco Foda den Start in die Qualifikation verpatzt, es grantelte dann der Präsident Leo Windtner.

Es ist noch gar nicht lange her, da durfte man sich durchaus Sorgen machen um Österreichs Fußball-Nationalmannschaft. Im März war Österreich mit zwei Niederlagen gegen Polen und Israel in die EM-Qualifikation gestartet, natürlich wurde anschließend einige Kritik geübt am Trainer Franco Foda und seiner Mannschaft. Verbands-Präsident Leo Windtner sagte gar, er habe die "Fehler einer Schülermannschaft" beobachtet.

Seitdem haben die Österreicher in der Qualifikation kein Spiel mehr verloren. Und weil sie am Samstag (16.11.2019) auch gegen Nordmazedonien gewonnen haben, steht fest: Wenn in einigen Monaten die EM-Endrunde 2020 beginnt, gehört auch Österreich zum Teilnehmerfeld.

Und so haben sie dann auch gefeiert, die Fußballer Österreichs. Erst hüpften sie im Kreis, später verteilten sie dann Bierduschen an den Trainer Foda, Bayern-Spieler David Alaba hatte sich gleich mit zwei Krügen bewaffnet. Eine Ehrenrunde liefen sie natürlich auch noch, schließlich hatte sich Österreich gerade zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal überhaupt für eine EM-Endrunde qualifiziert. "Vielen Dank für Eure Unterstützung", stand auf dem Transparent, das die Spieler entrollt hatten.

Kapitän Baumgartlinger vs. Präsident Windtner

Später sprach auch noch der Kapitän Julian Baumgartlinger - und es wurde dabei sehr deutlich, an wen die Botschaft der Spieler gerichtet war: "Schön, dass wir die erste Schülermannschaft sind, die sich für die EM qualifiziert hat. Das ist besonders", sagte Baumgartlinger. "Aber es ist oft so, dass sich der Direktor nur im Erfolgsfall vor die Mannschaft stellt und sonst immer nur draufhaut, das kennen wir ja schon."

Österreichs Kapitän Julian Baumgartlinger (m.)

Österreichs Kapitän Julian Baumgartlinger (m.)

Im Moment des Erfolgs schien dann auch der Präsident Windtner keine Lust mehr zu verspüren, sich weiter über Österreichs "Schülermannschaft" auszulassen. Als er auf Baumgartlingers Worte angesprochen wurde, sagte Windtner: "Ich meine, das ist die finale Replik. Das Thema ist längst ausgestanden."

Mit 17 Deutschland-Legionären gegen Nordmazedonien

Beim Spiel gegen Nordmazedonien hatte der deutsche Trainer Foda gleich sieben in Deutschland tätige Spieler in seine Startelf beordert, auf der Bank saßen noch zehn weitere Deutschland-Legionäre. Auffälligster Spieler war dabei einer, über den man sich in Österreich und seit einigen Monaten auch am Niederrhein erzählt, er sei immer dann am besten, wenn er gar nicht groß auffällt: Stefan Lainer, 27, Rechtsverteidiger und auf dieser Position beim ÖFB ebenso unumstritten wie in Gladbach, ist ja der Prototyp eines mannschaftsdienlichen Spielers.

Diesmal legte Lainer aber schon in der 7. Minute den Führunstreffer durch Alaba vor, später traf er dann auch noch selbst - zum ersten Mal für die Nationalmannschaft. Als er danach gefragt wurde, mit welchen Zielen Österreich bei der EM antreten werde, sagte Lainer noch zwei Sätze, die dann doch recht auffällig waren: "Wir haben Großes vor. Wir haben eine hohe individuelle Qualität, das können wir auf der großen Bühne zeigen. Große Bühne, großes Turnier, das fordert große Leistungen."

Für Aufregung sorgt nur noch das Trikot

Da trifft es sich gut, dass Trainer Foda eine Auswahl durchaus hochkarätiger Spieler zur Verfügung steht, aus denen er in den vergangenen Monaten offenbar erfolgreich eine Einheit geformt hat. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte Alaba, als nach der Entwicklung der ÖFB-Auswahl gefragt wurde. Alaba ist sicher Österreichs bekanntester Spieler, wahrscheinlich ist er auch der wichtigste. Doch wer außerdem Spieler wie Valentino Lazaro (Inter Mailand), Marcel Sabitzer (RB Leipzig) oder Marko Arnautovic (Shanghai SIPG) im Kader hat, braucht sich bei einer EM-Endrunde mit 24 Teilnehmern sicher nicht zu verstecken.

Sorgen dürften sie sich in Österreich gerade eher nicht mehr machen um ihre Nationalmannschaft. Man kann das ja oft ganz gut daran erkennen, worüber in den verschiedenen sozialen Medien diskutiert wird: Ende März war die Aufregung groß, als Windtner von einer "Schülermannschaft" sprach und die Foda-Auswahl meinte.

Jetzt ist es das Trikot, das für Aufregung sorgt: Schwarze Trikots und türkise Hosen - es sind ungewohnte Farben, in denen Österreich gegen Nordmazedonien gespielt hat. Es sind auch die Farben, mit denen Sebastian Kurz für die Partei "ÖVP" wirbt. Und so dauerte es nicht lange, ehe jemand twitterte: "Wenn der Designer am Telefon ÖVP statt ÖFB verstanden hat."

mit Material von sid und dpa | Stand: 19.11.2019, 06:00

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