Kater bei "Oranje" nach EM-Aus - "Das tut sehr weh"

Wijnaldum ist enttäuscht nach dem Ausscheiden im Achtelfinale

Niederlage gegen Tschechien

Kater bei "Oranje" nach EM-Aus - "Das tut sehr weh"

Von Christian Kerber

Das EM-Achtelfinale gegen Tschechien sollte für die ambitionierten Niederländer nur eine Durchgangsstation sein. Doch es wurde zum Reinfall. Der schwache Kapitän beschönigte nichts. Der Bondscoach dagegen schon, auch wenn seine Zukunft ungeklärt ist.

Niederlandes Kapitän Georginio Wijnaldum stemmte seine Hände auf die Knie und verharrte fassungslos mit vorgebeugtem Oberkörper. Mit gesenktem Kopf ließ der Mittelfeldmann der "Elftal" dann auch noch die Pfiffe Tausender "Oranje"-Fans, rund 25.000 hatten die Puskas-Arena in eine Dependance der Amsterdam-Arena verwandelt, über sich ergehen. Das EM-Aus im Achtelfinale gegen Außenseiter Tschechien (0:2) kam unerwartet. Beim ersten Favoritensturz war von der Souveränität der "Elftal" aus der Vorrunde gar nichts mehr übrig gewesen.

Als die Mannschaft von Bondscoach Frank de Boer durch den Platzverweis gegen Matthijs de Ligt (52. Minute) wegen Handspiels in Unterzahl spielte, sorgten Tomas Holes (68.) und der Leverkusener Patrik Schick mit seinem vierten Turniertor (80.) für Katerstimmung.

Überraschung in Budapest: Tschechien wirft die Niederlande raus Sportschau 27.06.2021 07:30 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Die beste Offensive der Gruppenphase blieb völlig harmlos in dieser Partie und konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Erstmals seit 1980 gelang bei einer WM oder EM kein einziger direkter Torschuss. Erinnerungen an die EM 2008 wurden wach, als "Oranje" ebenfalls nach einer perfekten Vorrunde gleich im ersten K.o.-Spiel an einem Außenseiter scheiterte. Damals hatte es in Basel im Viertelfinale ein 1:3 gegen Russland gegeben.

De Boer redet Pleite schön

"Wir wollen nicht nur das Finale erreichen, sondern es auch gewinnen", hatte Trainer de Boer noch selbstbewusst angekündigt. Das Ziel waren Feierlichkeiten in den Grachten von Amsterdam. Nun ist sein Team jäh gestoppt worden. De Boer redete das schwache Spiel seiner Elf schön: "Sie waren ein schwieriger Gegner, aber ich fand, dass wir bis zur Roten Karte besser waren. Wir haben das Spiel dominiert. Aber in jedem Fall hätte der letzte Ball besser sein können." Ob es für de Boer in der jetzigen Funktion weitergeht, ließ er offen: "Wir haben alle einen großen Kater und müssen gemeinsam darüber nachdenken."

Frank de Boer

Über seine Zukunft wollte Frank de Boer nach der Partie nicht sprechen.

Kurz vor der Roten Karte hatte Donyell Malen beim besten Angriff der Niederländer die Chance zur Führung, aber der Eindhovener, im Visier von Borussia Dortmund, scheiterte an Keeper Tomas Vaclik. Nach Rot und Rückstand fehlte das Aufbäumen. Schon während des Spiels sah man immer wieder abwinkende "Oranje"-Akteure. Es herrschte Frust statt gegenseitiger Motivation.

Keine Impulse vom Mittelfeld-Duo

Den Hinweis von Co-Trainer Ruud van Nistelrooy, dass nach dem Überstehen der Vorrunde nun der absolute Druck weg und gegenseitige Motivation nötig sei, schien ins Leere gelaufen zu sein. Den Teamspirit zeigten die Tschechen, die schon vor der Pause mehr Kilometer liefen als die Niederländer, die an diesem Tag einfach nicht in die Gänge kamen. Im Mittelfeld erreichte weder Wijnaldum (FC Liverpool) noch Frenkie de Jong (FC Barcelona) Normalform. Wijnaldum war nur 22 Mal am Ball - und verlor auch noch das Kopfballduell vor dem 0:1.

Wijnaldum: "War ein kompletter Offday"

Wijnaldum sprach Klartext: "Das tut sehr weh, es ist schwer zu verkraften. Wir hatten einen kompletten Offday. Nach der Roten Karte waren wir recht machtlos." De Jong gab zu: "Es war fast so, als ob wir müde wären, obwohl ich keine Ahnung habe, warum. Für einige der Jungs war es das größte Spiel ihrer bisherigen Karriere. Wir haben einfach unser Spiel nicht auf die Reihe gekriegt. Manchmal hat man solche Tage."

Stand: 27.06.2021, 23:49

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