Gosens und Havertz sammeln Argumente - die Einzelkritik

Robin Gosens und Kai Havertz im Spiel gegen Lettland

Testspiel der Nationalmannschaft vor der EM

Gosens und Havertz sammeln Argumente - die Einzelkritik

Von Robin Tillenburg

Auch wenn der Gegner die DFB-Elf nicht forderte, nahm die Mannschaft von Joachim Löw die Partie gegen Lettland ernst. Wohl auch, weil es für diverse Spieler um Argumente für Stammplätze ging. Einige von ihnen sammelten ebendiese fleißig.

Manuel Neuer (Tor): In seinem 100. Länderspiel bekam Manuel Neuer lange nichts zu tun und konnte sich darauf konzentrieren, ab und an mal einen Pass im Spielaufbau beizusteuern. Der erste und einzige Torschuss auf sein Gehäuse war dann drin - schuldig war er bei diesem Sonntagsschuss nicht. Verärgert aber sehr wohl.

Matthias Ginter (Abwehr): War aus der Dreierkette der Akteur, der sich am häufigsten auch weiter nach vorn wagte und auch mal eine Flanke einstreute. Im zweiten Durchgang dann unauffälliger.

Mats Hummels (Abwehr): Wer sich in sozialen Netzwerken "Aussenrist15" nennt, muss auch solche Pässe spielen, wie Hummels es vor dem 5:0 von Serge Gnabry tat. Die Vorlage war Extraklasse, ansonsten verlebte der Dortmunder einen eher ruhigen Abend und wurde defensiv kaum gefordert. Machte aber insgesamt einen guten Eindruck.

Antonio Rüdiger (Abwehr - bis 60. Minute): Für den Champions-League-Sieger war es ebenfalls ein ruhiger Abend ohne besondere Höhe- oder Tiefpunkte. Spulte sein Pensum ab und dürfte weiterhin gesetzt bleiben.

Joshua Kimmich im Spiel gegen Lettland

Joshua Kimmich im Spiel gegen Lettland

Joshua Kimmich (Mittelfeld): Als "Variante", wie der Bundestrainer es vor der Partie nannte, wurde Kimmich auf der rechten Seite aufgeboten und aus der Mittelfeldzentrale verschoben. Ob das auch Löws bevorzugte Lösung bei der EURO sein wird, ließ der Bundestrainer noch nicht durchblicken. Kimmich hatte defensiv wenig zu tun und agierte immer wieder als verkappter Rechtsaußen. Er brauchte ein bisschen, um in seine frühere Rolle hineinzufinden, legte das Fremdeln aber mit zunehmender Spieldauer ab. Im Vergleich zum Dänemark-Spiel war die Position jedenfalls schon stärker besetzt.

Ilkay Gündogan (Mittelfeld - bis 60. Minute): Gündogan fand zu Beginn nicht so richtig in die Partie und leistete sich die ein oder andere Ungenauigkeit, traf dann aber per Distanzschuss sehenswert zum 2:0. Deutschlands Mann mit der 21 probierte sich als Anführer, führte auch harte Zweikämpfe und machte insgesamt eine solide Partie.

Toni Kroos (Mittelfeld): Ließ sich immer wieder zwischen die Dreierkette fallen, um den Spielaufbau mit überraschenden langen Bällen in die Schnittstellen anzukurbeln. Ab und an sorgte das dann auch durchaus für Konfusion bei den Letten. Seine Schussversuche waren an diesem Tag nicht mit der gewohnten Präzision ausgestattet. Insgesamt, vielleicht auch aufgrund seiner längeren Ausfallzeit, eher unauffällig.

Robin Gosens (Mittelfeld - bis 60. Minute): Hatte auf seiner linken Seite durchaus immer wieder viel Wiese vor sich, nutzte die seltener für Vorstöße zur Grundlinie, sondern eher für Kombinationen mit den anlaufenden Kollegen. Bei seinem 1:0 war der Zug nach innen jedenfalls goldrichtig, als er nach Doppelpass mit Havertz kompromisslos zu seinem ersten Länderspieltor einnetzte. Das 3:0 bereitete er per scharfem Flachpass in die Mitte vor. Ein hervorragendes Länderspiel. Gosens hat sehr gute Karten, gegen Frankreich von Beginn an auf dem Platz zu stehen.

Kai Havertz (Angriff - bis 45. Minute): Der frischgebackene Champions-League-Held war extrem fleißig und bot seinen Kollegen immer wieder Laufwege an. Das sorgte für die zu Beginn nicht immer vorhandene Tiefe gegen einen defensiven Gegner und machte sich bezahlt, als er clever den Führungstreffer vorbereitete. Auch an der Entstehung des 2:0 war er mit einem Pass auf Gündogan beteiligt, das 4:0 erzielte er aus spitzem Winkel mit dem Glück des Tüchtigen. Zur Halbzeit durfte er raus - im Positionskampf in der Offensive hatte er ordentlich Eigenwerbung betrieben.

Thomas Müller jubelt

Thomas Müller jubelt

Thomas Müller (Angriff - bis 75. Minute): Müller hatte früh in der Partie zwei ordentliche Gelegenheiten, scheiterte aber an fehlender Genauigkeit im Abschluss. Bei seiner dritten Chance machte der Münchner es dann besser und schob aus kurzer Distanz ein. Der Routinier war beweglich und strahlte Spielfreude aus. Im zweiten Durchgang war Müller dann nicht mehr ganz so oft zu sehen, bereitete aber noch mit seiner letzten Aktion das 7:1 vor.

Serge Gnabry (Angriff - bis 45. Minute): Wenn Gnabry aus der Tiefe anlaufen konnte, gelangen ihm seine Aktionen. Wenn er im Strafraum als Anspielstation fungieren musste, wirkte er an vorderster Front etwas verloren. Ein gutes Beispiel wie es klappen kann: Das 5:0, als er den Ball nach einem langen Pass von Hummels aus dem Vollsprint relativ unbedrängt formschön ins Eck nagelte.

Einwechslungen:

Timo Werner (Angriff - ab 45. Minute): Der Stürmer vom FC Chelsea brauchte nicht viel Zeit und nutzte seine erste Gelegenheit kurz nach Wiederanpfiff zum 6:0. Richtig auffällig war er danach nicht, aber weiterhin engagiert. Werner war auch noch an der Entstehung des siebten Treffers beteiligt. Die beiden durchaus gelungenen Aktionen sollten ihm dabei helfen, seinen Rhythmus zu finden.

Leroy Sané (Angriff - ab 45. Minute): Es war (erneut) nicht der allerglücklichste Tag des Münchner Angreifers. Aber nachdem er seine erste Großchance noch vergeben hatte, gelang ihm zumindest noch sein siebtes Länderspieltor, das ihm etwas Selbstvertrauen verschaffen könnte.

Niklas Süle (Abwehr - ab 60. Minute): Beim Treffer der Letten verließ er etwas zu zögerlich seine Position, ein klarer Fehler war es aber bei diesem Distanzschuss dann eben auch nicht. Konnte in so einer Partie keine große Eigenwerbung betreiben.

Christian Günter (Abwehr - ab 60. Minute): War in einer insgesamt gegen Ende nicht mehr ganz so aktiven deutschen Mannschaft die unauffälligere Alternative zu Gosens.

Emre Can (Mittelfeld - ab 60 Minute): Can führte ein paar knackige Zweikämpfe und war auch bemüht, ab und zu offensiv etwas zu initiieren. Beim Gegentor ging er aber zu zögerlich in die Aktion, das hätte er besser lösen können.

Jamal Musiala (Mittelfeld - ab 75. Minute): Setzte in seiner kurzen Einsatzzeit keine nennenswerten Akzente mehr.

Löw: "Wir gehen mit Überzeugung in das Spiel gegen Frankreich" Sportschau 07.06.2021 01:31 Min. Verfügbar bis 07.06.2022 Das Erste

Stand: 07.06.2021, 22:34

Darstellung: