Die DFB-Elf kommt - die Fans bleiben weg

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Die DFB-Elf kommt - die Fans bleiben weg

Von Jens Mickler

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit schwindendem Zuschauerinteresse bei Heimspielen zu kämpfen. Die Probleme sind erkannt, Lösungen gibt es derzeit nicht.

Ein ausverkaufter Borussia-Park ist in dieser Saison in Mönchengladbach der Normalzustand. Die Borussia macht mit Top-Leistungen und dem Sturm an die Tabellenspitze der Bundesliga regelmäßig das eigene Stadion komplett voll. Am Samstag (16.11.2019) wird das nicht der Fall sein: Die Nationalmannschaft kommt und nur wenige gehen hin. Gerechnet wird mit rund 30.000 Zuschauern. 45.000 passen rein. Am Dienstag in Frankfurt gegen Nordirland sieht es nicht viel besser aus. Auch dort wird die Arena bei weitem nicht ausverkauft sein.

Unterschiede in der Berechnung

Vor einem Jahr war es nicht anders. Deutschland hatte Russland am 15. November in Leipzig zu Gast. Von den 41.939 Plätzen der dortigen Arena blieben mehr als 6.000 frei. Tatsächlich sah es nach mindestens der doppelten Zahl an freien Plätzen aus.

Heim-Länderspiele der A-Nationalmannschaft im Jahr 2019
SpielStadionZuschauerKapazitätAuslastung
Deutschland - SerbienWolfsburg26.10126.101100 Prozent
Deutschland - EstlandMainz26.05026.050100 Prozent
Deutschland - NiederlandeHamburg51.29951.299100 Prozent
Deutschland - ArgentinienDortmund45.19765.71869 Prozent
Schnitt37.16242.29288 Prozent

Nun muss man wissen, dass es Unterschiede zwischen offiziell vom DFB vermeldeten Zuschauerzahlen und den tatsächlichen Besuchern im Stadion gibt. So rechnet der DFB beispielsweise Sponsorenkontingente in die Auslastung mit hinein, ob diese Karten auch komplett genutzt werden, ist fraglich.

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So lässt sich auch die "mehr als 90-prozentige Auslastung" erklären, die DFB-Direktor Oliver Bierhoff im Vorfeld der Partie in Mönchengladbach anführte, ohne den Zeitraum zu nennen, für den die Auslastung gelte. Im internationalen Vergleich liege der DFB jedenfalls vorne. "Generell sind wir mit dem Zuschauerschnitt sehr zufrieden und dankbar, dass die Fans zu Spielen kommen, wo es nicht gegen die großen Gegner geht", sagte Bierhoff. Weißrussland sei eben kein Gegner, der riesig ziehe.

Bierhoff: "Stehen im internationalen Vergleich vorne" Sportschau 13.11.2019 01:20 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 Das Erste

Es fehlen die Poldis und Schweinis

Es allein auf den Gegner zu schieben oder den schmuddeligen November, ist allerdings zu kurz gedacht. Der DFB-Elf fehlen derzeit die "Poldis" und "Schweinis", die während und nach dem Sommermärchen 2006 die Fans in die Stadien holten. Leroy Sané hat das Potential, in deren Fußstapfen zu treten. Doch ist der Stürmer von Manchester City wegen seines Kreuzbandrisses lange verletzt.

"Wir müssen uns im Fußball bewusst werden, dass die Zeiten nicht leichter werden", erklärte Bierhoff. Man käme von einer unglaublich langen Phase der Begeisterung, wo die Dinge von alleine liefen. Jetzt müsse man sich bewusst machen, dass "wir mehr tun müssen, um das ganze Niveau zu halten", so Bierhoff.

Bierhoff: "Die Zeiten werden nicht leichter" Sportschau 13.11.2019 00:45 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 Das Erste

Auf in die kleinen Stadien

An den Eintrittspreisen hat der DFB noch nichts getan. Früher blühte der Schwarzmarkt vor den Stadiontoren, wenn die Nationalmannschaft spielte und trieb die Preise in die Höhe. Heute sind immer weniger bereit, die 80 Euro für die teuerste Kategorie zu berappen. Auch wenn die 25 Euro für die unteren Kategorien akzeptabel sind.

Einen Weg ist der DFB bereits gegangen, um dem Trend entgegenzusteuern: den in die kleineren Stadien. Die ersten Länderspiele des Jahres fanden in Wolfsburg und Mainz statt. Beide waren mit rund 25.000 Zuschauern offiziell ausverkauft. Im September 2018 in Sinsheim gegen Peru war es nicht anders - Stadion voll. Hält man an dieser Strategie fest, ist sogar auf Dauer eine 100-prozentige Auslastung möglich.

Mit "90 Minuten Powerfußball" gegen Zuschauerdesinteresse

Sportschau 13.11.2019 02:22 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 ARD Von WDR-Reporter Burkhad Hupe

Stand: 14.11.2019, 09:00

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