Vor der EURO 2020: Müller als Fixpunkt - Löws Optionen drumherum

Bundestrainer Joachim Löw (l) und Thomas Müller

EM-Trainingslager in Seefeld

Vor der EURO 2020: Müller als Fixpunkt - Löws Optionen drumherum

Von Marcus Bark (Seefeld)

Thomas Müller ist zurück im Kreis der deutschen Fußballnationalmannschaft und wird der Fixpunkt in der Offensive sein. Von filigran bis körperlich: Wen baut Bundestrainer Joachim Löw um Müller herum ein?

Kevin Volland wird ein großes Talent auch im Eishockey nachgesagt. Sein Vater Andreas war Nationalspieler. Ob es der Sohn auch so weit gebracht hätte, wurde er am Sonntag (30.05.2021) gefragt, und der Fußballnationalspieler schloss seine leicht zweifelnde Antwort mit einem Lachen: "Die Körperlichkeit hätte ich bestimmt mitgebracht - mit meinem dicken Hintern."

Es gab eine weitere, ganz im Ernst gemeinte Frage, ob ihn gerade diese Körperlichkeit einzigartig mache im Elitekader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der sich noch bis zum 6. Juni im österreichischen Seefeld auf die Europameisterschaft vorbereitet.

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So weit wolle er nicht gehen, aber: "Klar, ich bin vielleicht der etwas andere Typ mit mehr Körperlichkeit. Andere sind vielleicht etwas filigraner."

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Volland dürfte gute Chancen haben, am Mittwoch (02.06.2021) im Test gegen Dänemark seine Qualitäten aufzuzeigen, denn die eher filigranen Timo Werner und Kai Havertz fehlen noch. Sie sollen als Gewinner der Champions League mit dem FC Chelsea erst einen Tag später in Seefeld eintreffen.

Gute Argumente, aber bei weitem keine Garantie

Havertz meldete Ansprüche an auf einen Platz in der Startelf für die EM. Sein Treffer und eine starke Leistung im Finale gegen Manchester City waren gute Argumente, aber ganz sicher keine Garantie.

"Ich will der Katalysator sein"

Diese Garantie hat in der Offensive Thomas Müller. Sonst hätte ihn Bundestrainer Joachim Löw nicht zurückholen müssen. "Ich will der Katalysator sein, der den Turbo bei den Mitspielern zünden kann", sagte Müller am Sonntag. Er ist der Fixpunkt in der Offensive, um ihn herum wird Löw die Mannschaft bauen, die am 15. Juni mit dem Spiel gegen Weltmeister Frankreich in die EM startet.

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"Ich will selber den letzten Pass spielen oder Kollegen bedienen, die dann den letzten Pass spielen. Dafür brauche ich Spieler um mich herum, das geht besser aus einer zentraleren Rolle", sagte Müller, "da bin ich mit meinem Stärken/Schwächen-Profil am besten aufgehoben." Das System sei "letztlich egal".

Viele Experimente

Der Kader gibt sämtliche Grundformationen her, und Joachim Löw experimentierte nach der missratenen Weltmeisterschaft in Russland 2018 viel, sowohl taktisch (4-2-3-1, 4-3-3, 3-5-2, 3-4-3, 3-6-1) als auch personell. In den insgesamt 27 Länderspielen wurden verschiedene Spieler eingesetzt - allein in den acht Spielen 2020 waren es 34.

Müller als "Zehner"

In die drei Länderspiele des Jahres 2021 ging Löw jeweils mit einer 4-3-3-Fomation. Die vorderste Reihe bildeten stets Havertz, Serge Gnabry und Leroy Sané, in der Anordnung aber durchaus flexibel.

Diese Reihe ist auch für das Turnier denkbar, mit Müller als "Zehner" dahinter, der sagt: "Sobald ich den Ball habe, versuche ich relativ zügig, nach vorne zu spielen. Dafür brauche ich einerseits Kombinationsspieler, andererseits auch Spieler, die den Ball in der Tiefe haben wollen."

Die hätte er bei dem angesprochenen Trio, aber einen Tiefengänger hätte er auch mit Werner. Dessen Abschlussschwäche zeigte sich aber auch im Finale der Champions League wieder.

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Zehn Treffer bei WM, keiner bei EM

Thomas Müller erzielte in seinen bisherigen 100 Länderspielen 38 Tore. Dass ihm noch nie eines bei seinen bisherigen elf Spielen einer EM gelang, ist ein Kuriosum, denn bei drei Weltmeisterschaften schoss er insgesamt schon zehn Treffer.

Bilanz in der Nationalmanschaft
EinsätzeToreQuote
Thomas Müller100380,38
Timo Werner38150,39
Leroy Sané2860,21
Serge Gnabry20150,75
Kai Havertz1330,23
Kevin Volland1010,1

Seine Form beim FC Bayern in der Zeit unter dem künftigen Bundestrainer Hansi Flick zwang Löw geradezu, ihn zurückzuholen. Er war in der abgelaufenen Bundesligasaison mit 22 Vorlagen der beste Vorbereiter, dazu kommen elf Tore.

Mit Sané und Gnabry spielen zwei Münchner Mannschaftskollegen in der Offensive der DFB-Auswahl ebenfalls eine wichtige Rolle. Den jungen Jamal Musiala, der dank seiner engen Ballführung und Dribbelstärke zu einem wichigen "Joker" werden könnte, kennt Müller auch aus dem Verein.

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Der Fixpunkt in der Offensive ist gesetzt. Löws Aufgabe ist es jetzt, in zwei Testspielen und noch gut zwei Wochen Vorbereitung eine Offensive zusammenzubauen, die gegen den Weltmeister, Europameister Portugal und Außenseiter Ungarn zunächst mal die Gruppenphase übersteht - möglichst filigran, zur Not aber auch mit Körperlichkeit.

Kevin Volland schoss in der vergangenen Saison 16 Tore in 35 Spielen der Ligue 1 für die AS Monaco. Von solchen Quoten sind Werner und Havertz weit entfernt.

Bilanz im Verein (abgelaufene Saison)
VereinEinsätzeToreQuote
Thomas MüllerFC Bayern32110,34
Timo WernerFC Chelsea3560,17
Leroy SanéFC Bayern3260,19
Serge GnabryFC Bayern27100,37
Kai HavertzFC Chelsea2740,15
Kevin VollandAS Monaco35160,46

Stand: 30.05.2021, 16:15

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