Joshua Kimmich fremdelt öffentlich

Joshua Kimmich im Auftaktspiel der EURO 2020

Deutschland im zweiten Gruppenspiel der EURO 2020 gegen Portugal

Joshua Kimmich fremdelt öffentlich

Von Marcus Bark (Herzogenaurach)

Bleibt Joshua Kimmich auf der rechten Seite? Oder stellt ihn Bundestrainer Joachim Löw im Spiel gegen Portugal wieder ins Zentrum des Mittelfeldes der deutschen Nationalmannschaft? Dass Kimmich mit der Rolle rechts fremdelt, machte er vor dem zweiten Gruppenspiel bei der EURO 2020 nochmal deutlich.

Ein rechter Verteidiger oder auch "Joker", wie Joshua Kimmich die Rolle auf dem Flügel nannte, kennt seine natürliche Grenze. Im Fußball wird sie Seitenlinie genannt. Nach rechts geht in der Regel nichts. Da steht niemand mehr, zumindest niemand, der das Spiel regelkonform im Sinn der eigenen Mannschaft fortsetzen kann.

Manchen Spielern, etwa Robin Gosens, machen diese Einschränkungen gar nichts aus. Joshua Kimmich aber schon. Am Freitag (18.06.2021), nichtmal 24 Stunden vor dem Anpfiff des Spiels gegen Portugal, zählte der Profi des FC Bayern auf, was ihm "Spaß macht", wenn er in der Mitte spielen darf. Dann seien die Wege kürzer, die Kommandos für die Kollegen besser verständlich, kurz: Der Einfluss ist größer. Die Chefs einer Mannschaft spielen in der Mitte, da gibt es nur wenige Ausnahmen, Paolo Maldini etwa oder Philipp Lahm, der aber in seiner Spätzeit auch im Zentrum wirkte, ehe ihn die Verletzung von Shkodran Mustafi bei der WM 2014 wieder zwangsversetzte.

Kimmich: "Im Zentrum fühlt man sich mehr eingebunden" Sportschau 19.06.2021 01:08 Min. Verfügbar bis 19.06.2022 Das Erste

85 Ballphasen gegen Frankreich

Kimmich durfte sich nach dem Spiel gegen Frankreich nicht beschweren, dass er zu selten am Ball war. Die Statistiker zählten 85 Phasen. Ilkay Gündogan im Zentrum kam auf weniger. Toni Kroos aber eben auch auf 123.

Zumindest öffentlich äußerte Kimmich den Wunsch noch nicht, wieder im Zentrum spielen zu wollen. Der Nutzen, den er der Mannschaft auf der rechten Seite bringen kann, ist bei guter Raumaufteilung, guten Laufwegen und präzisem Passspiel sicher höher als bei jedem anderem aus dem Kader. Aber gegen Portugal sollte es sich dann auch zeigen, sonst dürfte das "Projekt Joker Kimmich" spätesten nach Abpfiff abgebrochen werden.

Eine Option ist auch eine Umstellung während der Partie. Gegen Frankreich gab es eine Anpassung. Kimmich rückte in der zweiten Halbzeit ein Stück weiter nach innen, nahm so mehr Einfluss auf das Spiel.

Diese Rolle dürfte ihm schon etwas besser gefallen haben. Aber zufrieden dürfte er erst sein, wenn er seinen Platz wieder im Zentrum findet. Bei Löws Nachfolger Hansi Flick dürfte das spätestens der Fall sein. Sein nun ehemaliger Vereinstrainer beim FC Bayern wird am Abend in der Münchner Arena zusehen, ob Kimmich sich mit der Seitenlinie arrangiert oder es doch nur ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit war.

Stand: 19.06.2021, 12:49

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